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Stefanie Drese

06.04.2022 Sitzungen 8/18

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Keine Angst, jetzt mische ich mich nicht auch noch in Wissenschaft und Forschung ein, ich vertrete die Fachministerin Bettina Martin, der ich auf diesem Wege gute Besserung wünsche. Sehr geehrte Damen und Herren, wissenschaftliche Arbeit hat immer den Erkenntnisgewinn zum Ziel, und gleichzeitig ist es gelebte Praxis in der Wissenschaft, die Gesellschaft an den Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Diese wichtige Aufgabe des Wissens- und Technologietransfers wird von den wissenschaftlichen Einrichtungen längst als eine Kernaufgabe verstanden. Dabei sehen sich die wissenschaftlichen Einrichtungen mit gestiegenen Erwartungen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft konfrontiert. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind eben keine Elfenbeintürme, sondern sollen mit ihrem Wirken auch aktiv zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Auf diese Erwartungen hat die wissenschaftliche Gemeinschaft längst reagiert und nimmt den Transfer als eine wichtige Dimension des wissenschaftlichen Arbeitens an. Mehr als zwei Jahre der Pandemie haben uns allen vor Augen geführt, wie herausfordernd und vielfältig diese Transferaufgabe ist. Ohne einen unmittelbaren Transfer von Wissenschaft in die Praxis wäre die Entwicklung wirksamer Impfstoffe in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen. Ohne Wissenstransfer hätten wir die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Pandemie nicht abschätzen und eindämmen können, und ohne die direkte Beratung der Landesregierung durch die Wissenschaftler aus unseren Universitäten wäre der Kurs Mecklenburg-Vorpommerns bei der Bekämpfung der Pandemie wohl nicht so erfolgreich gewesen – ein Wissenstransfer, der im wahrsten Sinne des Wortes Leben gerettet hat. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Klimawandel, Souveränität in der Energieversorgung, Digitalisierung, aber auch die Stärkung unserer Demokratie, all das sind Herkulesaufgaben, für die wir auf die Innovationsfähigkeit unseres Wissenschaftsstandortes und auf einen aktiven Wissens- und Technologietransfer angewiesen sind. Die sogenannte Third Mission, zu der bekanntlich auch der Wissenstransfer gehört, ist auch in den Zielvereinbarungen, die das Land für die Jahre 2021 bis 2025 mit den Hochschulen geschlossen hat, ein zentraler Auftrag. Diese Zielvereinbarungen sind das maßgebliche Planungs- und Finanzierungsinstrument für die Transferaufgaben. Hinzu kommen die Drittmittel. Aber auch darüber hinaus will die Landesregierung die Hochschulen weiter unterstützen. So steht es im Koalitionsvertrag und so ist es auch im Entwurf für den Doppelhaushalt 2022/2023 angelegt. Geplant ist, den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern mehr Flexibilität bei der Bewirtschaftung zu geben und ihnen damit zu ermöglichen, jeweils eine zusätzliche unbefristete Beschäftigungsposition für Transferbeauftragte einzurichten. Und die sind wichtig für die langfristige Sicherung des Wissens- und Technologietransfers. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Mecklenburg-Vorpommern verfügt, gemessen an seiner Größe, über eine umfangreiche Forschungsinfrastruktur. Neben den Hochschulen gibt es bei uns drei Fraunhofer-Einrichtungen, die einen Schwerpunkt auf den direkten Transfer in die Wirtschaft legen. Und es ist sehr wichtig, dass es in den vergangenen Jahren gelungen ist, die Aktivitäten der Fraunhofer-Gesellschaft am Wissenschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern stark auszubauen. Wir haben daneben vier Leibniz-Institute im Land und weitere bedeutende außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel das DLR oder die beiden Standorte der deutschen Gesundheitszentren. All diese Einrichtungen betätigen sich intensiv und zunehmend im Rahmen einer sogenannten Third Mission. Und auch die Hochschulen betreiben natürlich eigene Forschungs- und Transferprojekte, teilweise mit Bundesförderung, wie im Rahmen des BMBF-Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“. Hier ist Mecklenburg-Vorpommern aktuell mit drei breit aufgestellten Bündnissen erfolgreich. Stichworte sind die Themen Wasserstoff, künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft und die Verwertung biogener Reststoffe in Vorpommern. Nennen möchte ich auch ein regionales Projekt der Hochschule Neubrandenburg, das unter bundesweit 118 Bewerbern den Zuschlag für eine Förderung in Höhe von 6,4 Millionen Euro erhalten hat, zentrales Thema: das Schaffen von nachhaltigen Strukturen für den Wissenstransfer in die Region. Und nicht zuletzt trägt auch das Exzellenzforschungsprogramm des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Schwerpunkten erneuerbare Energien, Gesundheit und Digitalisierung zum Wissens- und Technologietransfer bei. All dies sind nur einige wenige Beispiele für die umfassenden Transferaktivitäten zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft, die den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes zugutekommen. Aber es gibt auch besondere Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem unsere Wirtschaftsstruktur mit hauptsächlich vielen kleinen Unternehmen ist da zu nennen, denn daraus folgt, dass in den Unternehmen nur geringe finanzielle und personelle Ressourcen für Forschung und Entwicklung vorhanden sind. Die Folge ist, dass die Fähigkeit zur Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen der Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise begrenzt ist. Es ist also richtig, wenn es im Antrag heißt, dass wir langfristige Strategien und Konzepte brauchen, aber es bedurfte der Aufforderung durch den Antragsteller nicht, denn wir sind schon mitten dabei. Das ist keine Floskel, sondern lässt sich belegen. Im Rahmen der Norddeutschen Wissenschaftsministerkonferenz wird derzeit gemeinsam ein Konzept für den Wissens- und Technologietransfer zwischen den norddeutschen Hoch- und Fachhochschulen und der Wirtschaft erarbeitet, und das Thema Transfer wird selbstverständlich auch eine wichtige Rolle in der Wissenschafts- und Forschungsstrategie des Landes einnehmen, die wir – im Koalitionsvertrag nachzulesen – im Dialog mit den Partnern des Wissenschaftsstandortes M-V, also den Universitäten, Universitätsmedizinen, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Hochschulen in dieser Legislatur erarbeiten werden. Und auch die Fachkräftestrategie des Landes, die auf Initiative des Wirtschaftsministeriums entwickelt werden wird, versteht sich als Beitrag des Wissenstransfers durch Köpfe. Einen weiteren parallelen Prozess, meine sehr geehrten Damen und Herren, brauchen wir deshalb nicht, und wir sollten auch den Ergebnissen der laufenden Arbeitsprozesse auf keinen Fall vorgreifen. Beides wäre alles andere als zielführend. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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