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Sabine Enseleit

FDP 05.04.2022 Sitzungen 8/17

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Schulweg muss wieder in die Zukunft führen und nicht in die Vergangenheit, liebe Kolleginnen und Kollegen von der AfD. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Was Sie in Ihrem Antrag fordern, postulieren und heute hier wieder diskutieren, lässt sich nur schwer mit den Anforderungen einer modernen Bildungspolitik übereinbringen und kommt, was die Umsetzung angeht, etwas rückwärtsgewandt und, gemessen an den immer schneller vonstattengehenden Entwicklungen, wenig innovativ daher. Ja, Kinder müssen in Deutsch und Mathematik Kompetenzen erwerben, und natürlich wäre es schön, wenn wir Kinder für naturwissenschaftliche Fächer begeistern könnten. Aber ist das realistisch und vor allen Dingen zukunftsweisend, wo wir die Berufe, die unsere Kinder morgen ergreifen werden, vielfach heute noch gar nicht kennen? Nicht zuletzt mit der Digitalisierung haben wir ganz neue Möglichkeiten für Arbeitsprozesse und Entwicklungsperspektiven geschaffen, die schon jetzt über die von Ihnen geforderten Grundfachkompetenzen hinausgehen. Anstatt uns in der Bildungswelt des 19. Jahrhunderts zu bewegen, sollten wir vielmehr immer wieder und aktuell prüfen, welche Kompetenzen unsere Kinder angesichts der aktuellen Herausforderungen benötigen und wann wir mit dieser Vermittlung beginnen und wie lange, denn wir müssen schon sehr viel früher ansetzen. Schon in der Kita sind Kinder wissbegierig und offen für Lerninhalte. Statt im Schulgesetz formale Änderungen vorzunehmen, sollten wir besser die Kinder frühzeitig für Bildungsinhalte gewinnen und die Neugier am Lernen am Laufen halten, (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) denn die von Ihnen angeführte mangelnde Lesekompetenz – und das zeigen die aktuellen Studien, die kenne ich auch – hängt nicht mit der mangelnden Vermittlung in der Grundschule zusammen, sondern mit dem fehlenden Vorlesen zu Hause. Laut einer Studie der Stiftung Lesen wird einem Drittel der Kinder nie oder nur selten zu Hause vorgelesen. Auch wenn das Vorlesen in der Kita selbst als wichtiger Baustein zur sprachlichen Förderung eine große Rolle spielt, wissen wir gleichzeitig, das weder Kitas noch Schulen durch ihre mangelhafte personelle Ausstattung in der Lage sind, auch in dieser Frage die individuelle Förderung zu leisten, die sie gerne leisten würden. Darum brauchen wir mehr Personal in Kita und Schule und keine formaljuristischen Gesetzesänderungen im Schulgesetz. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Dazu brauchen wir auch für den Kindergarten verbindliche, evaluierbare Bildungsstandards für frühkindliche Lernprozesse und Lernziele. Wir brauchen ein obligatorisches gebührenfreies Vorschuljahr und Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der Pädagogen. Wir brauchen Ganztagsschulen auch als Lernorte und wir brauchen eine Anpassung unserer Pädagogik an die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit, wie beispielsweise die Veränderungen durch die verstärkte Adaption digitaler Medien. Was wir nicht brauchen, sind weitere rein formaljuristische Absichtserklärungen im Schulgesetz. Wir müssen jetzt endlich ins Handeln und nicht ins Schreiben kommen. Darum lehnen wir Ihren Antrag ab. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

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