Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben heute erneut über unseren Gesetzentwurf zu debattieren, mit dem wir die Elementarbildung der Schüler im Lesen, Schreiben sowie in der Mathematik stärken wollen. Und alle aktuellen Tests und Vergleiche geben uns recht, dass hier Handlungsbedarf besteht und dass es, so schlussfolgern wir, dort einer Priorisierung bedarf, die Hauptsachen zuerst: Schreiben, Lesen, Rechnen, in solider Kenntnis und mit hinlänglich eingeübter Befähigung. Das führte ich beim letzten Mal schon so deutlich aus. Keine Landespolitik, kein zuständiges Bildungsministerium hört gern, dass 20 Prozent ihrer Neuntklässler funktionale Analphabeten sind. Aber wenn es nun mal so ist, dann kann man nicht darüber hinwegsehen, indem man andere Themen aufruft, sondern man hat endlich mal genau hinzusehen und jene basale Ausbildung kritisch zu revidieren, die dieses Desaster langfristig ausgelöst hat. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Die Gründe dieser Tatsache, Defizite, die es bildungsgeschichtlich so noch nie gab, sind komplex und würden den Zeitrahmen meiner Rede hier sprengen. Dennoch ist es wichtig zu handeln. Wir sprechen ja übermorgen noch über die Kontingentstundentafel, das ist richtig, so meine ich, aber wir wollen mit unserem Antrag die Prioritäten im Schulgesetz schon jetzt konkret festschreiben, quasi als Richtschnur für das, was da noch kommen muss. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) In ihrer Rede in Erwiderung auf den Antrag der GRÜNEN, die Präsenzpflicht an Schulen wegen der Omikron-Variante aussetzen zu wollen, konstatierte die Bildungsministerin am 27.01. dieses Jahres, ich zitiere, „wir haben Drittklässler, die können nicht richtig lesen und schreiben, weil die zwei Jahre Pandemie mitgemacht haben. Das dürfen wir jetzt alles nicht mehr zulassen.“ Ja, eben, so sehen wir allerdings vom traurigen Faktum, dass Drittklässler nicht richtig lesen und schreiben, nicht allein diese, sondern auch die 9- und 10-Jährigen betroffen, aber ebenfalls die Lehrlinge und sogar die Studenten, und wissen uns darin mit den einschlägigen Bildungsstudien einig. Wir meinen darüber hinaus erkennen zu müssen, dass wir vor diesem Desaster eben nicht nur pandemiebedingt, sondern grundsätzlich und schon lange stehen, seit Jahrzehnten nämlich. Und auch das haben wir im Bildungsausschuss ja besprochen. Welche Konsequenzen hat das und wie steuert man nun dagegen? Franziska Schwabe vom Institut für Schulentwicklungsforschung Dortmund erörterte das Problem auf der letzten Leipziger Buchmesse vor der Pandemie im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Für das Lesen verloren?!“. 2019 war das, und die pandemiebedingten Defizite sind da noch nicht mal miteingerechnet oder waren damals noch nicht bekannt. Franziska Schwabe führte damals wörtlich aus, ich zitiere: „Spätestens seit der jüngsten Iglu-Studie aus dem Jahr 2016 wissen wir: In Deutschland erreichen 19 Prozent der Kinder am Ende der Grundschulzeit kein erforderliches Leseniveau, mit dem sie dann problemlos an weiterführenden Schulen lernen könnten.“ Und weiter: „In Deutschland erreicht jedes fünfte Kind nicht die Kompetenzstufe drei. Das heißt, die Lesekompetenz ist viel zu gering. Es besteht also dringender Nachholbedarf. Die Kinder verstehen Kernaussagen eines Textes nicht und können über das, was sie gelesen haben, nicht reflektieren. Sie erkennen Zusammenhänge ... zwischen Wörtern und Sätzen ... nicht richtig.“ Und weiter meint sie: „Das führt dazu, dass ein Text in seinem Gesamtzusammenhang nicht erfasst werden kann. Einen Text verstehen zu können ist eine Grundvoraussetzung, die man braucht, um weiter lernen zu können.“ Natürlich auch in den anderen Fächern, das liegt ja auf der Hand. Das, wie gesagt, war vor der Pandemie, aber die Situation hat sich durch die Pandemie weiter dramatisch verschlechtert. Die Ursachen dafür liegen bei Ihnen. Sie lösen mit einer fragwürdigen Bildungspolitik, die mehr und mehr Inhalte und Anforderungen reduziert, allzu wenig auf Leistungsbereitschaft, Gründlichkeit, Ausdauer und Selbstüberwindung setzt, Sie lösen mit diesem pädagogischen, didaktischen und methodischen Larifari namentlich im Bereich der Grundschulen diese Probleme erst aus, weil die von Ihnen zwar gehätschelten, aber allzu wenig geforderten Kinder am Ende zu wenig können. Herr Butzki fragte in der letzten Lesung – da ist er –, Herr Butzki fragte in der letzten Lesung unseres Gesetzentwurfes, wo das denn passiert, wo die Anforderungen denn abgesenkt werden. Ganz einfach, Herr Butzki: Wenn unsere Kinder vor einigen Jahrzehnten am Ende der Grundschule einen Grundwortschatz von 1.300 Wörtern beherrschten und heute, Sie sagten es selbst in Ihrer Rede, heute sind es gerade noch 700 und trotzdem haben alle eine Eins auf dem Zeugnis, (Andreas Butzki, SPD: Das habe ich nicht gesagt.) ja dann ist schon klar, dass hier die Anforderungen beständig reduziert wurden. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Würden wir uns ehrlich machen, liebe Kollegen, und die Maßstäbe von damals anlegen, so sähe es düster aus auf den Zeugnissen vieler Kinder. Und glauben Sie mir, die Zeugnishotline für die besorgten Eltern stünde heute gar nicht mehr still. Am Ende der Schulbildung, wenn es darauf ankommt, das erworbene Wissen auch anzuwenden, ...
