landtag-mv.de ↗

Christine Klingohr

SPD 11.03.2022 Sitzungen 8/15

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Die CDU greift das Thema eines gemeinsamen Antrages von SPD und CDU aus dem Jahr 2016 auf, so, wie es Herr Glawe auch ausgeführt hat. Im Ergebnis dieses damaligen Antrages wurde von der Landesregierung der Evaluationsbericht für die Hospiz- und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt. Ziel dieser Evaluation war die Identifizierung von Problemen in diesen Versorgungsbereichen und darauf basierende Handlungsempfehlungen. Dieses Thema betrifft die Erhaltung und Sicherstellung der Lebensqualität unheilbar Erkrankter. Allerdings musste und muss das Gesundheitsministerium diesbezügliche Aktivitäten während der Corona-Pandemie aufgrund von Mehrbelastung unterbrechen und hier müssen und wollen wir wieder ansetzen. Gestatten Sie mir bitte, so, wie es auch Frau Becker-Hornickel eben getan hat, sehr persönlich zu werden. Zur selben Zeit der Erstellung des Evaluationsberichtes neigte sich die Erkrankung meines Vaters ihrem Ende zu und damit dem Ende seines Lebens. Ich erwähne es, weil ich durch seine Palliativbehandlung Berührung mit diesem medizinischen Bereich machen musste und machen durfte und einen gewissen Einblick gewann. Dieser Einblick war besonders wertvoll, denn es war nicht der Blick eines nicht selbst betroffenen Beobachters, nicht der Blick eines Arztes oder einer Krankenpflegerin, die ausgebildet und routiniert einen professionellen Blick auf die Situation haben. Mein Blick war betroffen, gelähmt, mit Sorge um meinen Vater, um meine Mutter, und deshalb erwähne ich es hier, mit so viel Unwissenheit und Nichtkenntnis, mit Orientierungslosigkeit in seiner sensiblen, dramatischen und letzten Lebensphase. Zunächst musste ich erfahren, wie viel Unsicherheit und einfach Unkenntnis über entsprechende Angebote vorherrschte. Wir wurden mit den Problemen die erste Zeit alleingelassen. Erst, als wir den richtigen Arzt – also „richtig“ bedeutet, einen Arzt mit Sachkenntnis, was den Prozess der Betreuung betrifft – gefunden hatten, kam die Wende. Nachdem mein Vater häuslich palliativ behandelt wurde, erlebte ich eine überaus passende, kompetente und unkomplizierte Betreuung bis zu seinem letzten Tag. Für diese Betreuung bin ich bis heute sehr dankbar und ziehe meinen Hut. Und ja, ich bin in meiner Auffassung ganz bei der Ministerin, die den fortlaufenden Prozess der Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung gemeinsam mit ihrem Haus und mit uns und mit weiteren Akteuren weiter voranbringen will. Dieses Thema hat große Bedeutung, dieses Thema ist eine Messlatte, wie aufmerksam in unserer Gesellschaft und im Speziellen wir in Mecklenburg-Vorpommern mit Menschen auf ihrem Weg zu den letzten Lebenszügen umgehen. Unter Nummer 455 unseres aktuellen Koalitionsvertrages hat sich die rot-rote Landesregierung verständigt, sich zum einen für die Umsetzung des Geriatrieplanes und zum anderen auch für die weitere Verbesserung der verschiedenen Hospiz- und Palliativangebote zu engagieren. Der Antrag der CDU-Fraktion unterstützt das Handeln und die Ziele der Regierungskoalition. Lassen Sie uns im Ausschuss die Empfehlungen und Maßnahmen aus dem Evaluationsbericht beraten! Ich plädiere dafür, den vorliegenden Antrag der CDU-Fraktion in den Ausschuss zu verweisen und dort breiter und tiefgreifender zu diskutieren. Und ich kann mir eine Bemerkung am Schluss nicht ersparen. Wir haben es heute hier im Saal gehört von einer Kollegin aus Ihrer Fraktion, die gesagt hat, die Konstante bei der Verhinderung ist die SPD. Und wissen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir stehen dazu, hier Sacharbeit zu machen, und dafür stehe ich hier und auch meine Fraktion. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Christine Klingohr Protokoll ↗