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Dr. Till Backhaus

10.03.2022 Sitzungen 8/14

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, ich sollte es eigentlich kurz machen. Manchmal ist es zum Verzweifeln mit der rechten Seite. Wenn man sich überlegt, ja, wir haben alles an wissenschaftlichen Kapazitäten in ganz Deutschland in dieses Thema mit eingebunden, und dann so zu tun, als ob wir quasi unserer Verantwortung nicht nachkommen, das weise ich in aller Form zurück. In aller Form! Was den Kleinen Jasmunder Bodden anbetrifft, das ist eine Tragödie. Im Übrigen, seit den letzten 30 Jahren – schreiben Sie sich das gut auf! – (Nikolaus Kramer, AfD. Das werde ich machen.) hat es einen solchen Vorfall nicht gegeben, und wenn man sich das anschaut, in Ruhe, mit wissenschaftlichen und wissensbasierten Grundlagen, dann nimmt man zur Kenntnis, wir tappen nach wie vor im Dunkeln. Das ist manchmal auch schwer zu begreifen, weil wir alles, was Rang und Namen hat in der Wissenschaft und auch in der sonstigen Forschungslandschaft in diesem Lande, mit eingebunden haben, und wir haben die Ursache bis heute nicht endgültig gefunden. (Nikolaus Kramer, AfD: Genau deswegen gibt es unseren Antrag.) Ja. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion DIE LINKE) Ich muss mal ganz ehrlich sagen, ich kann dieses dumme Gequatsche manchmal nicht hören. Es ist wirklich wahr, wirklich. Es tut mir wirklich in der Seele weh! Denn wenn man wissensbasiert und wissenschaftlich fundiert versucht zu arbeiten, das mache ich jeden Tag, und dann noch die Menschen mitnehmen soll, ich bin ja der Fischereiaufsicht, dem Landesanglerverband und all denjenigen, die an diesem ganzen Prozess mitgewirkt haben, um den Schaden so schnell wie möglich erstens herauszufinden, ihn zu beseitigen, es sind 31 Tonnen Fische dort eingesammelt worden – im Übrigen, ich hoffe, Sie wissen es dann, dass im Jahr im Durchschnitt tatsächlich um die 100 Tonnen Fisch dort geerntet werden, in Form von zwei Hauptberufsfischern und den Anglern, das sind ja ideelle Werte, die natürlich auch von größter Bedeutung sind –, dann ist eins vollkommen klar, das ist ein großer Schaden und diesen Schaden wird die Natur, davon gehe ich aus, es gibt auch deutliche Signale, dass die Natur, weil es auch ein interessantes Laichgewässer ist, dass die Natur sich hier wieder auf die Beine hilft. Ich will auch noch ausdrücklich sagen, wir haben natürlich die Wasseruntersuchungen durchgeführt und vorgenommen. Wir haben lebende und tote Fische entnommen und haben die untersuchen lassen mit Speziallaboren, die es einzig und allein in Mecklenburg-Vorpommern alleine gar nicht gibt. Und dann zu kommen, um die Ecke zu kommen und die Deutsche Gemeinschaft für Meeresforschung, die Deutsche Allianz dort einzusetzen – ich glaube, Sie wissen manchmal gar nicht, wovon Sie reden. (Beifall Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Diese Allianz ist sehr, sehr wichtig im Übrigen, gar keine Frage, sie ist auch hier beheimatet, weil es die wissenschaftlich fundierten Einrichtungen, Institute miteinander verknüpft und bildet, aber sie kümmern sich um die großen, die großen „Big Points“. Sie haben in dem Bereich relativ wenig Kompetenzen. Dass wir die Landesforschung, auch mit dem Institut für Meeresforschung, auch hier mit eingebunden haben oder im Übrigen auch die Meeresforschung am Standort Stralsund bis hin zu Speziallaboren in Hannover, die Tierärztliche Hochschule, das müssten Sie eigentlich alles wissen. Außerdem geht das auch aus den Kleinen Anfragen hervor. Sie kennen das eigentlich alles. Und sich dann hier hinzustellen und nun hätten Sie den Stein des Weisen gefunden mit der Deutschen Allianz für Meeresforschung, das ist ein bisschen, ein bisschen deutlich zu einfach. Das ist reine Polemik und ideologiebasiert. Davon werden die Fische nicht wieder gesund und der Imageschaden, den wir dennoch davontragen, erst recht nicht. Und deswegen sage ich noch mal, wir sind jetzt auch noch mal mit Gaschromatographen-Untersuchungen dabei. Das geht bis hin im Übrigen – vielleicht wären Sie ja irgendwann mal drauf gekommen –, bis hin zu der Frage, kann es noch andere Ursachen haben, bis hin zu der Frage, kann es mit dieser unsäglichen Munitionsbelastung der Ostsee zusammenhängen. Das ist alles auf den Kopf gestellt worden. Das ganze Ding ist auf den Kopf gestellt worden. Wir haben solche Prozesse immer mal wieder. Das geht so weit bis hin zu der Frage, die ich selber mit eingegeben habe, Munition, oder auch die Frage von Nährstoffen natürlich, der Sauerstoffmangel. Vielleicht denken Sie mal drüber nach, in welcher Phase wir da gewesen sind. Es hat nämlich am 22. Dezember des vergangenen Jahres begonnen. Wie war da die Situation? Wir hatten Riesenniederschläge und wir hatten Kälteeinbruch. Dass da vielleicht Sauerstoffmangel ..., aber auch das ist alles untersucht worden. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass wir durch eine Umwelt-, eine Umweltschädigung zu diesen doch schrecklichen oder schlimmen Auswirkungen gekommen sind. Und dann sollen wir ja, was die Deutsche Allianz für Meeresforschung anbelangt, zeitnah und überhaupt die Ursachen des Fischsterbens ermitteln. Also die Ermittlungen sind im Dezember begonnen worden und sind strukturiert, fundiert geführt durch das StALU und auch durch das LALLF, durch das Landesamt – vielleicht kennen Sie das gar nicht –, das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Fischerei und Pflanzenschutz, geführt worden. Und dass da im Übrigen auch die wissenschaftlichen Kapazitäten miteinander verknüpft worden sind, will ich an dieser Stelle nur sagen. Insofern bitte ich noch mal um Verständnis, auch wenn ich jetzt ein bisschen, vielleicht ein bisschen zu sehr deutlich geworden bin, Sie können mir glauben, wenn man sich diese 2.500 Hektar dort anschaut und da 31 Tonnen Fische sterben, dann ist das für mich natürlich ein Alarmsignal. Sie können mir glauben, ich kriege jeden Tag irgendein Alarmsignal. Sie können jetzt noch mal schnell aus dem Fenster gucken, vielleicht haben Sie es mitgekriegt, da werde ich auch nachts aus dem Bett geholt, mache ich auch selbstverständlich gerne, dass wir eine massive Ölverschmutzung gehabt haben im Schmalen Luzin. Das ist zum Teil menschengemacht. Ich weiß es nicht, ob es hier menschengemacht gewesen ist, aber wir finden schlicht und ergreifend die Ursache zurzeit noch nicht. Und auch, dass die Sonarscans, mit Sonartechnik eine Fischdichteschätzung geprüft wird, und andere Maßnahmen, bis hin auch die Ortskenntnis der Berufs- und Angelfischerei dort mit eingebunden worden sind, kann ich nur noch mal sagen, wir haben alles, was irgend geht, umgesetzt. Und ich habe bereits auch noch mal veranlasst, dass über unser Ressort geprüft wird, wie die regelmäßige monatliche Gewässeruntersuchung im Rahmen des Küstengewässermonitorings unter Einbindung von zusätzlichen Tiefwasseruntersuchungen und der Messstellen des Kleinen Jasmunder Boddens bestimmte Erkenntnisgewinne auch zur Gewässersituation hervorbringen kann und wie wir das jetzt finanzieren können. Das kostet alles auch. Wir suchen ja nach über – wissen Sie das überhaupt? –, nach über 1.000 verschiedenen Stoffen, die haben wir auseinandergenommen. Über 1.000! Und nun stellen Sie sich hin und sagen, ich bin ein Depp und kümmere mich darum nicht. So habe ich es verstanden. Wir sind alle ein bisschen, (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) wir sind alle ein bisschen sensibel zurzeit, ja, und deswegen mäßigen wir uns alle mal ein bisschen. Ich bin hier lange genug in der Verantwortung und Sie können mir glauben, dass mir das in der Seele wehtut, was dort abgegangen ist. Aber manchmal ist es so. Nach der Wasserrahmenrichtlinie, nach all dem, was wir heute wissen, haben wir noch keine endgültige Aussage. Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis! Und ich hoffe, auch das Abwasser, was da ja über Bergen mit abgeführt wird ... Auch das haben wir alles auseinandergenommen. Es gibt keinen Hinweis, es tut mir leid. Im Übrigen wird ja dann immer schnell – haben Sie nicht gemacht – auf die Landwirtschaft mit Fingern gezeigt, dass die vielleicht gedüngt haben oder Gülle da ein Einfluss gewesen ist. Auch das, kann ich hier und heute sagen, hat nicht stattgefunden. Wir wissen es nicht. Es muss irgendetwas passiert sein. Die Theorie, die rumkursiert, ist, dass da unten irgendwo eine Gasblase quasi dazu beigetragen hat. Auch diese Untersuchungen laufen noch, aber wir haben kein endgültiges Ergebnis. Ich bitte um Verständnis und hoffe, dass das nicht wieder passiert. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

Alle Reden von Dr. Till Backhaus Protokoll ↗