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Stefanie Drese

28.01.2022 Sitzungen 8/10

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Jedes Jahr erleiden in Deutschland nach Informationen des Deutschen Reanimationsregisters mindestens 50.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses. Nur zehn Prozent der Menschen überleben. Das Gehirn beginnt nach 10 bis 15 Minuten ohne Blutfluss unwiederbringlich zu sterben. Ich glaube, wir alle möchten die Reanimationsquote in Mecklenburg-Vorpommern durch geeignete Maßnahmen erhöhen. So verstehe ich auch den Antrag der FDP-Fraktion. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Land bereits über einige Jahre ein Land│Rettungs-Projekt in Vorpommern-Greifswald finanziell unterstützt und erfolgreich abgeschlossen. Dieses beinhaltete vier Säulen: erstens den Telenotarzt, zweitens die Laienreanimation, drittens die Ersthelfer-App und viertens auch die Zusammenarbeit von KV und Integrierten Leitstellen. Wir haben beispielsweise im Bereich der Laienreanimation die Beschaffung von Übungspuppen sowie Hilfsmaterialien, aber auch von Lehrkräften finanziert. Damit konnten Veranstaltungen in Verbänden, Schulen oder auch Informationskampagnen auf Marktplätzen organisiert werden, damit Wiederbelebungsmaßnahmen eingeübt werden können und Angehörige oder auch Passanten auf der Straße ihre Hemmschwelle überwinden, im Ernstfall eine Herzdruckmassage durchzuführen. Eine weitere wichtige Maßnahme, und diese wird ja auch im Antrag der FDP hervorgehoben, ist ein appbasiertes Ersthelferalarmierungssystem. Ziel der Ersthelferalarmierungssysteme ist genau die Verkürzung des therapiefreien Intervalls in zeitkritischen Notfallsituationen wie bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Mithilfe von freiwilligen – wir haben es vorhin gehört – Ersthelfern in der Nähe des Notfalls soll die Durchführung der Wiederbelebungsmaßnahmen vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes erhöht werden. Die Rettungskette wird ergänzt und die Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert. Jede Minute zählt! Auch das appbasierte Ersthelferalarmierungssystem war Bestandteil des Land│Rettungs-Projekts. Die Einführung eines appbasierten Ersthelferalarmierungssystems ist ohne Zweifel ein wichtiges unterstützendes Instrument, um den Rettungsdienst zukunftsfähig auszugestalten. Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Rettungsdienst steht in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern, verstärkt durch den demografischen Wandel, vor großen Herausforderungen. Insbesondere dünn besiedelte Regionen sind durch eine überdurchschnittlich hohe Alterung gekennzeichnet. Mit steigender Lebenserwartung steigt auch die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, und es kommt zu einer höheren Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Die Einflüsse des demografischen Wandels haben auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt. So kommt es in ländlichen und strukturschwachen Regionen zu einem Fachkräftemangel, insbesondere einem Ärztemangel, der sich auch auf die notärztliche Versorgung der Region auswirkt. Der Rettungsdienst steht also vor der Herausforderung steigender Einsatzzahlen bei zunehmendem Ärzte- und somit auch Notärztemangel, speziell in den ländlichen Gebieten. Mithilfe von Ersthelferinnen und Ersthelfern, die über ein appbasiertes System alarmiert werden, kann der Zeitrahmen bis zum Eintreffen gut überbrückt werden, auch aus meiner Sicht. Deshalb gewinnt ein gut funktionierendes System an Bedeutung. Da stimme ich dem Antrag voll und ganz zu. Meine sehr geehrten Damen und Herren, eine weitere wichtige Säule, um den Rettungsdienst zukunftsfähig zu machen, ist die Einführung des Telenotarztes. Auch der Telenotarzt war Bestandteil des Projekts Land│Rettung in Vorpommern-Greifswald. Ein Telenotarzt kann eine erste ärztliche Diagnostik initiieren und darauf aufbauend sowohl eine medikamentöse als auch eine nicht medikamentöse Therapie an das nicht ärztliche Rettungsdienstpersonal delegieren und überwachen. Ziel des Telenotarztsystems ist der frühere Beginn einer adäquaten Therapie und eine Steigerung der Qualität der Patientenversorgung damit. Für das Projekt Telenotarzt hat das Land bereits die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen im Rettungsdienstgesetz sowie in der Rettungsdienstplanverordnung geschaffen, damit auch in anderen Gebietskörperschaften die telemedizinische Begleitung von Einsätzen umgesetzt werden kann. Mit der Digitalen Agenda der Landesregierung im Jahr 2018 hat die Landesregierung 600.000 Euro zur Verfügung gestellt, um innovative Ansätze in der Notfallversorgung voranzubringen. Damit konnte die telemedizinische Begleitung von Einsätzen auf einen weiteren Landkreis ausgerollt werden, solange die Finanzierung durch die Kostenträger noch nicht gesichert ist. Die Finanzmittel wurden eingesetzt, um Rettungswagen mit telemedizinischer Technik im Landkreis Vorpommern-Rügen auszustatten. Die Begleitung der Einsätze im Landkreis Vorpommern-Rügen erfolgt durch Notärzte in der Telenotarztzentrale in Greifswald. Auch die Schaffung eines weiteren Telenotarztplatzes in der Telenotarztzentrale wurde durch Haushaltsmittel aus der Digitalen Agenda finanziert. Ich halte es für wichtig, dass es eine landeseinheitliche digital gestützte Gesamtstrategie, ein System mit bereichsübergreifenden, einheitlichen technischen Standards über alle medizinischen Versorgungsbereiche hinweg gibt. Hierzu sollten wir im Austausch bleiben. Der Antrag ist dafür ein guter Impuls. Vielen Dank dafür! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und FDP)

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