Jutta Wegner
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Corona-Pandemie haben Kinder und Jugendliche besonders unter den Einschränkungen leiden müssen. Auch jetzt müssen sie auf vieles von dem verzichten, was vor zwei Jahren noch selbstverständlich war. Und das liegt zum Teil daran, dass wir aktuell noch keine stichhaltigen Konzepte für sicheren Unterricht während der Pandemie parat haben. Frau Julitz hat gerade darauf hingewiesen, dass es eben sehr wohl auch der Fall ist, dass Kinder, wenn sie die Einzigen in der Klasse sind, das Virus weiterverbreiten. Trotzdem ist die Entscheidung, die Schulen und Kitas offen zu halten, richtig, denn für den Unterricht in Präsenz gibt es keinen adäquaten Ersatz. Der Kontakt in der Schule, das Treffen mit Freunden und die Auseinandersetzung miteinander gehören zum normalen Lebensalltag unserer Kinder genau wie das Lernen selbst. Und es ist unsere Pflicht, ihnen so viel Normalität wie möglich zu erhalten. Deshalb müssen Schulschließungen – das sind ja schwierige Worte heute – auch weiterhin so lange wie möglich vermieden werden. Meine Damen und Herren, Schule, aber sicher – dafür kann der Lollitest einen Beitrag leisten. Er ist im Vergleich zum PCR-Test deutlich aussagekräftiger und vor allem für die kleineren Kinder auch weniger belastend. Der Pooltest in der Klasse flankiert durch den Einzeltest, der nur im Falle eines positiven Befundes in der Gruppe ausgewertet wird, kann Quarantänemaßnahmen entgegenwirken und hilft so, die Schulen und Kitas offen zu halten. Gut, dass wir dazu im Bildungsausschuss reden werden. Aber, meine Damen und Herren, wir reden hier über Tests an rund 250.000 Kindern, wenn die Lollitests an allen Schulen und Kitas in unserem Land eingeführt werden, wie Sie das beantragt haben. Dafür bräuchte es eine flächendeckende Testinfrastruktur, die wir zunächst einmal aufbauen müssen. Das wird eine große Herausforderung. Es macht mich deshalb ein bisschen ratlos, dass wir heute diese Debatte führen, anstatt darüber zu diskutieren, wie wir Schulen und Kitas möglichst schnell sicherer machen können. Und ja, es ist ärgerlich, dass es bislang kein Engagement gab, um die Einführung der Lollitests voranzubringen. Sie sind ja nicht neu. Diesbezüglich haben mich die Ausführungen der Bildungsministerin nicht wirklich überzeugt. Nun lässt sich dieses Versäumnis aber nicht zeitnah nachholen. Daher sollten wir uns im Bildungsausschuss intensiv mit denjenigen Konzepten auseinandersetzen, die kurzfristig umsetzbar sind, denn Omikron wartet nicht, bis wir zu Potte kommen. Meine Damen und Herren, gerade weil die Omikron-Variante auf uns zurollt und die Inzidenzen an Schulen und Kitas massiv ansteigen, müssen wir den Schulbetrieb endlich sicher gestalten, auch wenn uns das vor große organisatorische Herausforderungen stellt. Wir brauchen feste Klassenstrukturen, wir müssen Pausenzeiten so verschieben, dass auf den Fluren und in den Mensen die Abstandsregelungen eingehalten werden können. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir Klassen verkleinern können. Außerdem müssen wir der Sekundarstufe II die Möglichkeit von Wechselunterricht einräumen. Das wird von den Schüler/-innenvertretungen ohnehin schon lange gefordert. (Zuruf von Daniel Peters, CDU) Gemeinsam mit den Kommunen als Schulträger/-in müssen wir auch endlich Tempo bei der Ausstattung der Schulen mit Luftfiltern machen. Bislang stellt die Landesregierung das Geld zur Verfügung. Die Umsetzung dauert ewig, wie ich aus Neubrandenburg berichten kann. Wir sind fast ein ganzes Jahr dabei, bis dann im März endlich die Luftfilter in den Klassenräumen sind. Die Wirksamkeit auch der stationären Geräte ist inzwischen hinlänglich untersucht. Zusätzlich müssen wir den Schüler/-innenverkehr entzerren, damit Abstände auch in Bussen und Bahnen eingehalten werden können. Meine Damen und Herren, die meisten der eben genannten Maßnahmen sind schnell umsetzbar und damit deutlich wirksamer als der flächendeckende Lollitest. Lassen Sie uns unser Engagement deshalb gezielt und effizient an anderen Stellen einsetzen! – Danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
