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Bettina Martin

17.12.2021 Sitzungen 8/6

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die Landesregierung teilt die Einschätzung, dass die Fachkräftesituation für Ärztinnen und Ärzte, bei Ärztinnen und Ärzten bei uns im Land angespannt ist, und übrigens nicht nur bei uns im Land, in ganz Deutschland, Sie haben das gerade gehört, insbesondere im ländlichen Raum, aber eben nicht nur dort. Und wir wissen auch, dass viele der praktizierenden Ärzte bei uns im Land in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden. Auch um diese Herausforderung wissen wir. Diese Situation, ja, ist nicht nur auf Ärztinnen und Ärzte beschränkt. Erst gestern haben wir über den hohen Fachkräftebedarf auch im Bereich des öffentlichen Dienstes gesprochen, Polizisten, Lehrkräfte, Ingenieurinnen und Ingenieure, Juristinnen und Juristen, allüberall gibt es Fachkräftemangel in den nächsten Jahren, und doch ist es richtig, dass wir auf den Fachkräftebedarf im ärztlichen Dienst ein ganz besonderes Augenmerk legen, denn hier geht es um die Sicherung einer guten und flächendeckenden medizinischen Versorgung bei uns im Land, egal, ob man in der Stadt lebt, und egal, ob man im ländlichen Raum lebt. Und weil wir das wissen und weil wir diese medizinische Versorgung sehr hoch halten, für uns ganz stark in den Fokus nehmen, haben wir bereits Schritte unternommen. Und wir werden selbstverständlich in den kommenden Jahren auch – Grundlage ist der Bericht der Enquete-Kommission, die Handlungsempfehlungen – all diese Schritte auch weiter überwachen. Und ich möchte aber hier auch noch mal einen Punkt sagen: Ich wundere mich doch sehr über diesen Antrag der CDU. Ich frage mich, wer war eigentlich in den letzten Jahren zuständig, (Sebastian Ehlers, CDU: Sie!) um sich (Sebastian Ehlers, CDU: Sie!) um den Fachkräftemangel ... (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Sebastian Ehlers, CDU: Sie!) Nein! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und ich möchte noch, (Sebastian Ehlers, CDU: Sie!) ich möchte doch auch bitten, die Gesundheitsministerin ist jetzt vier Wochen in ihrem Ministerium (Sebastian Ehlers, CDU: Die ist doch gar nicht zuständig.) und schaut sich genau die Schritte an, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) die gegangen worden sind, (Sebastian Ehlers, CDU: Wir reden über Hochschule hier.) Land..., (Sebastian Ehlers, CDU: Frau Martin!) Landarzt..., (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Nein! (Sebastian Ehlers, CDU: Wir reden über Hochschule!) ... Landarztquote, wir reden über das Stipendium, (Sebastian Ehlers, CDU: Unglaublich!) und all das, weiß ich nicht so recht, ob das wirkt. Und deswegen müssen wir uns das alles ganz genau angucken, was da hinterlassen wurde. (Sebastian Ehlers, CDU: Sie sind zuständig.) Und ich möchte gleich, (Julian Barlen, SPD: So ist das nämlich.) ich möchte gleich zu Beginn sagen, es klingt schön, (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) erhöhen wir die Anzahl der Studienplätze in Humanmedizin, dann haben wir auch mehr Ärzte bei uns im Land. (Julian Barlen, SPD: Ja.) Aber ehrlich gesagt, so einfach ist das leider nicht. Ich halte einen weiteren Aufwuchs von Studienplätzen der Humanmedizin (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) zumindest bei uns im Bundesland nicht für die entscheidende Stellschraube. Das zeigen uns nämlich die Zahlen. (Sebastian Ehlers, CDU: Warum macht man es dann in den anderen Ländern?) Schauen wir uns doch das mal richtig an! An den Universitäten in Greifswald und Rostock werden pro Jahr rund 400 Humanmedizinstudienplätze angeboten. Bundesweit liegt die Zahl bei 11.000. Gemessen an der Einwohnerzahl bilden wir an unseren beiden medizinischen Fakultäten schon jetzt weit über Bedarf aus. (Julian Barlen, SPD: Aha!) Unser Land hat bundesweit den höchsten Anteil an Medizinstudierenden pro Bevölkerung, fast doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Auf 1.000 Einwohner kommen in M-V 2,26 Medizinstudierende, im Bundesdurchschnitt sind es nur 1,25. Also wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, was die Anzahl der Studienplätze angeht im Bereich der Humanmedizin. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Sebastian Ehlers, CDU: Andere Länder!) In M-V besteht auch der mit Abstand (Sebastian Ehlers, CDU: Das hat DIE LINKE bisher anders gesehen.) höchste Anteil von Medizinstudierenden bezogen auf berufstätige Ärztinnen und Ärzte. Auf jede und jeden kommen 0,46 Medizinstudierende. Der Bundesdurchschnitt liegt bei fast der Hälfte, nämlich bei nur 0,25. Und diese überdurchschnittliche Ausbildungstätigkeit im Bereich der Humanmedizin an unseren Universitäten in M-V lassen wir uns auch etwas kosten. Ein Studienplatz in der Humanmedizin kostete im Bundesdurchschnitt im Jahr 2017 circa 180.000 Euro. Die CDU fordert in ihrem Antrag nun 200 zusätzliche Studienplätze. Das wären nach Adam Riese 36 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Und wenn dieses finanzielle Mehrengagement uns das Problem lösen würde, würde ich sagen, das lohnt sich allemal. Aber, meine Damen und Herren, wir bilden bereits heute über Bedarf aus, und trotzdem haben wir das Problem. Das ist ganz offensichtlich nicht die Lösung unseres Problems. (Harry Glawe, CDU: Ja, dann kommen wir zur Lösung.) Im Übrigen wurde die Kapazität an Humanmedizinstudienplätzen in Mecklenburg-Vorpommern gerade aufgestockt. (Sebastian Ehlers, CDU: Und die Ärztekammer sieht das anders.) Der Wissenschaftsrat hat die Ausbildung von Medizinstudierenden am Helios Klinikum Schwerin in Zusammenarbeit mit der Medical School Hamburg positiv evaluiert. (Harry Glawe, CDU: Das reicht alles nicht.) In der Folge wurde gerade eine Dependance für den klinischen Teil der Medizinausbildung in Form eines universitären Campus der Medical School Hamburg am Standort Schwerin eingerichtet. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Mehr Studienplätze anzubieten, bedeutet also ganz offensichtlich nicht automatisch, dass sich die Absolventinnen und Absolventen auch entscheiden, nach der Ausbildung im Land zu bleiben, (Zuruf von Harry Glawe, CDU) zumal sie mit den hier erworbenen Abschlüssen international tätig werden können, (Zuruf von Harry Glawe, CDU) bundesweit, international. (Harry Glawe, CDU: So geht das nicht.) Es entscheiden sich schlicht nach dem Studium zu wenige der ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte, bei uns im Bundesland zu bleiben. (Sebastian Ehlers, CDU: Woran liegt das?) Kurz: Unser wirkliches Problem ist der zu geringe Klebeeffekt bei uns im Land. Und auch hier haben wir bereits Schritte unternommen, ich habe es schon genannt. Es gibt die Landarztquote aus dem Landarztgesetz. Für dieses Jahr hat sie gestartet. Es gibt 31 Studierende, die über diese Landarztquote jetzt einen Studienplatz erhalten, bekommen, sich zehn Jahre verpflichtet haben, danach im Land als Hausärztinnen und Hausärzte zu bleiben. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Das ist ein gutes Instrument. Wir müssen jetzt gucken, wie es wirkt, und werden das ganz genau beobachten und hoffen, dass wir damit zusätzliche Kapazitäten im Land haben. Die Forderung, jetzt einfach das mal auf 10 Prozent zu erhöhen, klingt wieder schön, ist aber auch nicht so einfach, weil wir haben die Möglichkeit, 20 Prozent Vorabquoten einzuführen, dieses Kontingent ist ausgeschöpft. Wir haben auch andere Vorabquoten, die wichtig sind, und dort müssten wir kürzen. Und ich weiß nicht, ob das so eine einfache Methode ist. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Insofern, auch diese Forderung klingt wohlfeil, ist aber wahrscheinlich nicht die Lösung unseres Problems. Und jetzt zur dritten Forderung, wir sollen das Stipendium, das es gibt, (Zuruf von Harry Glawe, CDU) was der Gesundheitsminister in seiner Zuständigkeit hatte, weiterführen, uns angucken. Ja, das werden wir tun. Das funktioniert nämlich nicht wirklich gut. Und deswegen wird die Gesundheitsministerin sich das ganz genau anschauen (Zuruf von Harry Glawe, CDU) und wir werden das besser machen. Insofern geht es darum, (Sebastian Ehlers, CDU: Bisher waren Sie nicht zuständig!) jetzt den Klebeeffekt, den Klebeeffekt zu verbessern. (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU – Tilo Gundlack, SPD: Wer war vorher zuständig? Micky Maus?) Da können alle mithelfen, da können übrigens auch die Kommunen mithelfen. (Julian Barlen, SPD: So ist es.) Warum nicht den angehenden Ärztinnen und Ärzten mit ihrer Familie billiges Bauland anbieten? Warum nicht sagen, wir gucken, ob wir den, (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU – Sebastian Ehlers, CDU: Das passiert doch schon!) warum nicht gucken, ob wir den Partnern, (Sebastian Ehlers, CDU: Das passiert doch schon längst!) warum nicht gucken, ob wir den Partnern einen Job anbieten, die mit ins Land kommen? (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Es gibt viele Punkte, viele Stellschrauben. Das, was hier in dem Antrag angeboten ist, ist wohlfeil, das wird unser Problem so nicht lösen. (Sebastian Ehlers, CDU: Aha!) Ich danke Ihnen. Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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