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Bijan Kaffenberger

SPD 03.09.2026 Sitzungen 21/75

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Anwesende! Es geht um einen Film, den – das Wort fiel eben schon – die Kritik bei Filmstarts.de als „hingerotzten Billo-Schund“ bezeichnet hat. Der Film sei – Zitat – „trotz seines … unverhohlenen Aufrufs zu fremdenfeindlicher Gewalt weder zensiert noch verboten“ worden, anders als im Antrag behauptet wird; Kollege Wintermeyer hat es klar dargestellt. Es hat lediglich drei Anläufe gebraucht, um ihn mit der gewünschten Freigabe von 18 bei der FSK durchzubekommen. Kollege Wintermeyer hat es auch schon angesprochen. Selbst der Hauptdarsteller Armie Hammer – er ist sicherlich auch alles andere als ein progressiver Geist – nennt diesen Film hasserfüllt und widerlich. Kino.de berichtet sogar – das war das, was Kollege Wintermeyer ansprach –, er hätte sich im Nachgang, als er den fertigen Film angesehen hat, lediglich – – Er hat am Anfang gedacht, es hätte eine etwas konservative Ausrichtung, und das ganze Ausmaß habe sich erst später gezeigt. „Das ganze Ausmaß“ – ich glaube, das kann man offen sagen – ist, dass dieser Film rassistischer und gewaltverherrlichender Dreck ist. Es ist aber auch nicht die erste Debatte um Herrn Boll. Wir kennen das schon aus dem Umgang mit den Opfern und Hinterbliebenen von Hanau. Im ersten Teil der Trilogie von „Deutschland im Winter“ habe ich auch mit Angehörigen der Opferfamilien in Berlin am Rande der Berlinale gesprochen. Die haben das ebenfalls schon bei dem ersten Teil der Trilogie als menschenverachtend empfunden. Zuständig für alle Fragen rund um die Bewertung ist im Übrigen nicht das Land – das haben wir auch schon geklärt –, sondern die FSK selbst. Es gibt auch eine eigene Beschwerdestelle, liebe AfD. Da hätten Sie sich auch hinwenden können, aber nicht hier. Wir leben in einem Rechtsstaat. Das wissen wir aber alle; darum geht es Ihnen nicht. Es geht Ihnen am Ende nämlich auch nicht um die Kunstfreiheit. Wir haben hier vor wenigen Wochen über Ikkimel und Jan Delay gesprochen. Ich hatte das Gefühl, obwohl man Ikkimel und Jan Delay sicherlich auch vieles vorwerfen kann, dass das nicht im Ansatz der Grad von Jugendgefährdung und Gewaltverherrlichung ist, der in diesem Film dargestellt wird. (Zuruf Jochen K. Roos (AfD)) Da war Ihre Toleranz aber so etwas von weg. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sandra Funken (CDU)) Das zeigt Ihnen doch: Sie wollen hier eine Scheindebatte führen. Ich kann Ihnen jedenfalls eines versichern: Wir tragen keine Verantwortung für die FSK und die Einstufung des Films, aber für die Hessische Filmförderung. Ich sage Ihnen ganz deutlich: Filme, die Antisemitismus, Rassismus oder andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit propagieren, werden jetzt und in Zukunft von uns aus der Filmförderung keinen einzigen Cent bekommen; das verspreche ich Ihnen. (Vereinzelter Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Alexander Bauer (CDU) – Dr. Frank Grobe (AfD): Aha!) Im Übrigen: Anders, als es suggeriert wird, wurde überhaupt kein Förderantrag für den Film gestellt. Es liegt im Übrigen nicht daran, dass ich das entscheide, dass er kein Geld bekommt, sondern an der Tatsache, dass wir eine Jury haben, die sich nach fachlichen Kriterien richtet, genau wie die FSK. Das verstehen Sie nicht. Wir haben es hier mit einer Scheindebatte zu tun. Weder sind Sie, noch ist Herr Boll ein Opfer des Systems. Ich würde aber sagen: Was die menschenverachtenden Darstellungen angeht, macht sich die AfD mit diesem Film regelmäßig gemein. Im Übrigen zeigen dieser Film, vor allem auch der Hauptdarsteller und sein Umgang mit diesem Werk im Nachgang aus meiner Sicht ganz gut die Gefahr, die von Ihnen ausgeht; denn, ich glaube, vielen Menschen, auch vielen Menschen, die Sie wählen, wird es am Ende so gehen wie Armie Hammer. Das ganze Ausmaß Ihrer menschenverachtenden Politik würden viele erst begreifen, wenn die Produktion abgeschlossen ist. Ich bin mir sicher, dass sehr viele Menschen in diesem Land dann denken würden, sie sind im falschen Film gelandet. (Zuruf AfD: Ach ja!) Ich kann Ihnen sagen: Dafür, dass Ihr Film niemals produziert wird, werden wir kämpfen, und zwar mit der Filmförderung und mit allen anderen Mitteln des demokratischen Rechtsstaats. – Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Zurufe AfD)

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