Dr. Daniela Sommer
Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erhält Abgeordnete Anders das Wort. Frau Anders, bitte schön. auf Kathrin Anders (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute über eine Erkrankung, von der LandesSchätzungen zufolge bis zu jede zehnte Frau betroffen sein eigener könnte. Das wären also etwa 3 bis 4 Millionen Frauen in AngeDeutschland. Wir wissen aber nicht ganz genau, wie viele mit es tatsächlich sind. Das zeigt, wie groß der Forschungsund Handlungsbedarf beim Lipödem ist. Denn noch immer haben wir keine belastbaren Zahlen. Deswegen bin ich sehr jefroh, dass die FDP-Fraktion heute diesen Antrag gestellt ein hat. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) verDas Lipödem ist eine Erkrankung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Es ist eine Erkrankung, die Schmerzen verLymursacht und die die Beweglichkeit einschränkt. Für viele Frauen bedeutet das eine enorme psychische Belastung. Zu oft erleben die Betroffenen, dass ihre Beschwerden Betten nicht ernst genommen werden. Ganz im Gegenteil: Die ErFrauen müssen viele Jahre durch verschiedene Arztpraxen tingeln. Es kommt häufig zu Fehldiagnosen. Ganz oft müsFach- sen sich die Frauen einfach anhören: Dann nimm doch einmal ab. Das Lipödem ist nicht einfach Übergewicht. Es ist eine chronische Erkrankung. Es ist wichtig, dass sich bei der stärke Versorgung endlich etwas verbessert. aktuelle (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie DeLan- mokraten) Der Antrag der FDP-Fraktion beschreibt ein reales Versorgungsproblem in Hessen. Er fordert mehr Aufklärung und Nutzen bereits Fortbildung, eine bessere Datenlage, stärkere Versorgungsstrukturen und niedrigschwellige Informationen für die Betroffenen. Ich finde es gut, dass die einzelnen Themen der eine Doppel- Frauengesundheit gesondert betrachtet werden. Da wurde nicht alles in einem großen Antrag verwurschtelt. Vielmehr muss gezielt gehandelt werden. betrof- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) greift Wir Gerade im vergangenen Jahr haben wir einen umfangreiWir chen Antrag zur Frauengesundheit verabschiedet, einen betroffe- Antrag der Koalition, der, glaube ich, von allen demokratischen Fraktionen befürwortet wurde. „Gesundheitspolitik muss frauengerecht sein“, lautete damals die Überschrift. jedoch Zu Recht wurde festgestellt, dass die Frauen häufiger Fehlzu diagnosen erleben und dass die geschlechtersensible Medizin und die Versorgung gestärkt werden müssen. diesem Stimme Gerade Sie von der Koalition haben ausdrücklich über das auch Lipödem gesprochen. Sie wollten die Erkrankung stärker gerne in die Öffentlichkeit holen. Sie wollten die SelbsthilfegrupZeichen pen unterstützen und die interdisziplinären Versorgungswäre, strukturen untersuchen. Vielen Dann muss man irgendwann einmal die Frage stellen: Was ist denn seitdem passiert? Denn die Frauengesundheit braucht schon ein bisschen mehr als Informationsseiten und Lippenbekenntnisse in den Plenardebatten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Frau Eine Frau, die seit Jahren Schmerzen hat und keine spezialisierte Ärztin oder keinen spezialisierten Arzt findet, braucht vor allem eines: Sie braucht eine bessere Versorgung vor Ort. Genau das ist der Knackpunkt. Deswegen ist es gut, dass das zum Thema wird. Da könnte die Landesregierung deutlich aktiver werden. Das wird bei den Reha-Kliniken besonders deutlich. Das wurde schon angesprochen. Da fällt die Versorgung weg. Wie diese weggefallenden Versorgungskapazitäten irgendwie aufgefangen werden können, wäre etwas, dessen sich die Landesregierung durchaus annehmen könnte. Auf Bundesebene ist viel passiert. Ich finde es äußerst spannend, dass es drei oder vier hessische Frauen waren, die so einen Einfluss auf den Gemeinsamen Bundesausschuss hatten, dass nun die Kosten übernommen werden. Ich hoffe, dieses Engagement zeigen Sie auch bei dem Hebammenhilfevertrag und bei den Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Denn bisher haben wir immer gehört, die Politik habe auf den Gemeinsamen Bundesausschuss überhaupt keinen Einfluss, sie könne keinerlei Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses beeinflussen. Wenn das so ist, dann würde mich das freuen. Ich hoffe, dass es dann noch viele weitere Initiativen gibt, die im Gemeinsamen Bundesausschuss demnächst verabschiedet und dann auch finanziert werden. Es ist natürlich richtig, was der Gemeinsame Bundesausschluss beschlossen hat. Das betrifft eben nicht nur die Leitlinie, sondern auch, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Aber es bringt eben nichts, die Kosten zu übernehmen, wenn keine Versorgung da ist und keine Behandlungsmöglichkeiten da sind. Darauf muss jetzt der Fokus liegen. Deswegen sind alle Maßnahmen, die im Antrag stehen, richtig. Wir brauchen mehr Forschung. Dafür kann Hessen ganz aktiv etwas tun, und zwar gerade an den Universitätskliniken. Wir brauchen Ärzte, die behandeln können. Wir brauchen eine bessere Datenlage. Auch da kann Hessen selbst aktiv werden. Da braucht man den Gemeinsamen Bundesausschuss nicht. Dafür braucht man auch kein Bundesgesetz. Hessen kann da selbst die Frauen in den Fokus nehmen. Wer das macht, tut wirklich etwas für die Frauengesundheit. Ich finde, es ist richtig und wichtig, dass wir gezielt nach den einzelnen Problemlagen der Frauen schauen und nicht alles unter dem Thema Frauengesundheit verwurschteln. Damit würden wir die einzelnen Probleme der Frauen doch eher wieder kleinreden. – Danke schön. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten)
