Nina Heidt-Sommer
Ich mache das auch gerne mit Einmarschmusik. – Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Biografische Evidenz ist nicht immer die beste Herangehensweise an ein Thema, aber ich bin schon sehr froh, dass ich mein Referendariat nach der alten Ausbildungsverordnung absolviert habe. Ich hatte Ausbilderinnen und Ausbilder, die mich über einen langen Zeitraum begleitet haben. konnte im Unterricht Dinge ausprobieren. Ich konnte ne Stärken entwickeln und an meinen Schwächen arbeiten. Die modularisierte Ausbildungsform hatte von Beginn offensichtliche Schwächen. Es kam teilweise für jedes dul ein anderer Ausbilder oder eine andere Ausbilderin. Referendarinnen und Referendare wurden und werden der modularisierten Ausbildung oft zu wenig begleitet nach ihren eigenen Berichten. 14 bis 16 Unterrichtsbesuche, das ist schon ein richtiges Brett. Das ist wahnsinnig viel, verehrte Damen und Herren. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Wie sollen sich Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst bieren, wenn sie von Prüfung zu Prüfung hetzen? Feedback- und Begleitungsmöglichkeiten für Ausbilderinnen und Ausbilder sind unter den gegebenen Bedingungen nicht so groß, wie sie sein sollten. Aber junge Lehrkräfte müssen doch lernen, die Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler zu vertiefen und erweitern. Wie sollen sie das angesichts der Vielzahl Unterrichtsbesuchen machen? Es entsteht ein psychisch belastender Interessenkonflikt. Die Lehrkräfte fragen ob sie gut unterrichten sollen oder ob sie als Lehrkraft Vorbereitungsdienst gut performen sollen. Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst können keine guten Reihen weil sie immer daran denken müssen, welche Stunde als Nächstes der Ausbilderin oder dem Ausbilder Das ist für die Qualität des Unterrichts nicht zuträglich. Wie oft zeigen Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst Übungsstunde oder eine Stunde, in der eine Klassenarbeit oder ein Test zurückgegeben wird? Wahrscheinlich Die Angst, dass der Lernzuwachs infrage gestellt wird, zu groß. Ganz normale, aber für das Dasein einer Lehrkraft sehr wichtige Unterrichtssituationen fallen für Unterrichtsbesuche weg. Wie reagieren Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst? Sie nen ihren Unterricht um diese Unterrichtsbesuche Ich war selbst in der Situation, und ich habe das auch anders gemacht. Hier ist aber durch die Modularisierung eine Schieflage entstanden, und das machen wir jetzt gängig. (Beifall SPD und CDU) Es reichen acht bewertete und bis zu zwei unbewertete terrichtsbesuche. Wir wollen mehr Beratung und angemessen viel Bewertung. Worauf kommt es denn im Referendariat an? Es kommt darauf an, dass wir junge Menschen empowern, bis zu ihrer Pensionierung Lehrkraft zu Wir verlieren sehr viele junge Menschen, die mit an der Uni angefangen haben und vor dem ersten zweiten Staatsexamen wieder aufhören. Das ist problematisch, sowohl für die jungen Menschen als auch für gesamte Bildungssystem. Für uns war die Frage, wie wir nach dem Vorbereitungsdienst junge Lehrerinnen und Lehrer bekommen, die bestärkt fühlen und sagen: Ich kann diesen Job. – sind dafür folgende Dinge: Die jungen Lehrkräfte didaktisch und methodisch fit gemacht werden. Sie ihr Handeln in den Seminaren reflektieren und Tools ten, die ihnen weiterhelfen. Auf der anderen Seite gehört zur Ehrlichkeit dazu – muss man als Lehrkraft terrichten. Unterrichten lernt man durch Unterrichten, ne sehr verehrten Damen und Herren. Junge Lehrerinnen Ich und Lehrer müssen bei ihrem Berufseinstieg über Routinen mei- im Unterricht verfügen. Sie brauchen Routinen, weil sie zusätzliche Aufgaben bekommen, zum Beispiel als Klassenlehrkraft. Viele junge Lehrkräfte melden zurück, dass an sie sich eben nicht auf ihren Beruf vorbereitet fühlen. Sie Moerleben einen Praxisschock. in Herr Präsident, meine Damen und Herren, wir nehmen in – der Ausbildung die Praktikerinnen und Praktiker mit. Die allermeisten Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst identifizieren sich mit ihren Schulen und leisten an ihren Schulen vorbildliche Arbeit. Bisher wurden sie dafür kaum belohnt. Die Schulnote ging nur, wir haben es schon gehört, zu 7,5 % in die Gesamtnote ein. Dieser Anteil ist sehr überausprosichtlich. Die Aber es sind doch die Schulleiterinnen und Schulleiter, die einen guten Blick auf ihre Referendarinnen und Referendare haben. Die Mentorinnen und Mentoren sind ausgebildete und engagierte Lehrkräfte. Sie sind am engsten an den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst dran. Auch hier gilt: zu Schieflage. Wir beheben das jetzt. Wir geben Schulleitunvon gen und Mentorinnen und Mentoren eine wichtigere Rolle. Gute Schulleitungen fragen die Mentorinnen und Mentoren sich, und kommen auf eine gerechte Schulnote. Diese zählt ab im jetzt mit einem Viertel der Gesamtnote wieder deutlich mehr. Das ist eine sehr gute Veränderung. planen, sie (Beifall SPD und CDU) zeigen. Eine gute und zukunftsfähige Lehrkräfteausbildung muss auch inhaltlich aktuell aufgestellt sein. Wir werden Verbineine dungslinien wie Querschnittsthemen, Schulrecht und empirisch gesicherte Einflussfaktoren auf gutes Lehren und Lernie. nen implementieren und auf diese Weise Synergien nutzen. ist Ich freue mich ganz besonders, dass wir mit dieser Gesetzesnovelle Demokratiebildung, Gedenkstättenpädagogik und Queer-Awareness im Kanon des allgemeinpädagogischen Teils der Ausbildung fest verankern konnten. pla- (Beifall SPD und vereinzelt CDU) herum. nicht Denn das sind die gesellschaftlichen Themen, die jede Lehrkraft in ihrer Klasse vorfindet und für die sie gut ausrückgestattet sein muss, um sie gut adressieren zu können. Meine Damen und Herren, der vorliegende Gesetzentwurf der GRÜNEN adressiert aus der Sicht der SozialdemokraUntinnen und Sozialdemokraten keine der eben vorgestellten Lösungen. Wir sind der Auffassung, dass die Lehrkräfte in Hessen und vor allem die, die es werden wollen, mehr verdienen, als es Ihr Gesetzentwurf vorsieht. Sie verdienen sein. einen umfassenden und zeitgemäßen Lösungsansatz, der Lehramt Qualitätsstandards in der Lehrkräfteausbildung nicht weiter oder absenkt. das (Beifall SPD und CDU) Wir sehen es als Koalition als unsere Pflicht an, dafür zu sorgen, dass der Vorbereitungsdienst die jungen Lehrerinsich nen und Lehrer gut auf ihr Lehrerdasein vorbereitet. UnWichtig sere Reform ermöglicht es Lehrkräften im Vorbereitungsmüssen dienst, sich besser und mehr auszuprobieren und ihren müssen Beruf gut zu erlernen. erhal– es An der Stelle möchte ich betonen: Ich freue mich auf die un- mündliche Anhörung im Ausschuss. – Vielen Dank. mei- (Beifall SPD und CDU)
