Christian Wendel
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Rund 809.000 Schülerinnen und Schüler lernen an unseren Schulen in Hessen. Wir sprechen damit nicht nur über eine sehr große Zahl junger Menschen. Wir sprechen über 809.000 unterschiedliche Talente, Voraussetzungen, Erwartungen und Träume. Wir sprechen über 809.000 junge Menschen und damit über ebenso viele Bildungswege. Diese jungen Menschen vertrauen darauf, dass sie ganz selbstverständlich, verlässlich und ohne große Nebengeräusche in ein neues Schuljahr starten können. Genau dies ist in Hessen auch im Jahr 2026, wie so viele Jahre zuvor, wieder hervorragend gelungen. (Beifall CDU und SPD) Für diesen Schuljahresstart möchte ich auch im Namen der gesamten CDU-Fraktion allen herzlich danken, die das ermöglicht haben: unser Kultusminister Armin Schwarz an der Spitze mit allen, die in der Bildungsverwaltung Verantwortung tragen, mit den Lehrkräften, Fachkräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Schulgemeinden. Natürlich denken wir vor allem an die Schülerinnen und Schüler selbst, mit ihren Eltern, Geschwistern und Familien. Wir können wirklich dankbar sein, was in unserem Bildungsland Hessen gemeinsam mit allen, die ihre eigene Verantwortung wahrnehmen, geleistet wird. Das sieht man gerade auch zum Schuljahresstart, und das ist großartig. Hessen ist Bildungsland, Hessen bleibt Bildungsland, und Bildung hat in Hessen allerhöchste Priorität, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall CDU und SPD) Damit das so bleibt, müssen wir uns gerade als Bildungspolitiker immer wieder eine ganz einfache Frage stellen: Was muss gute Bildungspolitik leisten, damit aus diesen unterschiedlichen Möglichkeiten, Voraussetzungen, Fähigkeiten echte Chancen werden? Dazu gehören viele Punkte und ganz sicher die drei folgenden. Sie muss jedes Kind möglichst gezielt fördern. Sie muss junge Menschen auf die Welt von morgen vorbereiten. Sie muss Leistung ermöglichen, Leistung auch einfordern und Leistung würdigen. Hierauf gibt unser Bildungschancenpaket klare Antworten. Wir investieren weiter, und zwar mehr als jemals zuvor, in die Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler in Hessen. (Beifall CDU und SPD) Meine Damen und Herren, Hessen handelt aus einer ohnehin schon sehr guten Ausgangsposition heraus. Wir investieren im laufenden Haushalt 6,5 Milliarden Euro in die Bildung. Das ist Rekord. Rund 67.000 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an unseren Schulen – so viele wie nie zuvor. Weitere 3.850 angehende Lehrkräfte befinden sich im Vorbereitungsdienst. Wir haben bereits 96 % ganztägig arbeitende Schulen. Das Land stellt allein für den Ganztag 5.750 Lehrkräftestellen zur Verfügung. Unser Bildungssystem verfügt über ein starkes Fundament, und diese Grundlage wurde über viele Jahre geschaffen. Gleichzeitig ändern sich die Anforderungen. Wir erleben immer unterschiedlichere Lernvoraussetzungen. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern in rasanter Geschwindigkeit unsere Arbeitswelt, unsere Medien, unseren Alltag. Gleichzeitig bleiben die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen entscheidende Fähigkeiten und die Basis für ein selbstbestimmtes Leben. Wir erleben gesellschaftliche Veränderungen. Schule ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung. Schule ist für über 800.000 junge Menschen ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Schule ist auch ein Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des sozialen Miteinanders. Schließlich müssen wir wieder stärker darüber sprechen, welchen Wert Eigenverantwortung, Anstrengung und Leistung haben – für den Einzelnen selbst und für unsere Gesellschaft insgesamt. Diese Veränderungen nehmen wir nicht stillschweigend zur Kenntnis. Ganz im Gegenteil, wir gestalten den Wandel. Wir tun das mit einem Bildungspaket, das an entscheidenden Punkten dieses Bildungsweges ansetzt. Auf den Rekordbildungsetat von 6,2 Milliarden Euro setzen wir das Bildungschancenpaket noch obendrauf. Bis zum Ende der Legislaturperiode werden zusätzlich 50 Millionen Euro eingesetzt. Das ist keine einmalige Investition. Für die dauerhaften Maßnahmen werden zusätzlich 680 Stellen für Lehrkräfte finanziert. Dabei haben wir einen klaren Fokus: Verbesserung der Schlüsselkompetenzen, Fitmachen der jungen Leute für die digitale Welt, breite Bildungschancen für alle sowie ein klares Bekenntnis zu Leistung und Motivation. Für uns gilt genau das, was der Titel der Regierungserklärung aussagt: volle Kraft für Bildung – beste Chancen für die Zukunft. (Beifall CDU und SPD) Alle feiern das Bildungspaket. Selbst die durchaus kritischen Lehrergewerkschaften erkennen an, dass richtige und wichtige Schritte gegangen werden. Nur die GRÜNEN wussten es natürlich schon besser. Bereits eine Woche vor der Veröffentlichung erklärten sie das Paket zur Luftnummer, ohne seinen Inhalt überhaupt zu kennen. Meine Damen und Herren, das spreche für sich, heißt es sogar treffend dazu in der heutigen Presse. Lieber Herr May, Sie versuchten sichtlich bemüht, diesen Fehlschuss im Nachhinein zu plausibilisieren. Doch wer erst urteilt und sich anschließend die Begründung sozusagen zusammensuchen muss, betreibt keine seriöse Bildungspolitik, sondern Opposition nach Drehbuch. (Beifall CDU und SPD – Miriam Dahlke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die Fakten sind auf unserer Seite!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Bildungspaket umfasst drei Handlungsfelder. Nicht jedes Kind startet unter gleichen Voraussetzungen. Das ist keine abstrakte Erkenntnis. Das erleben Lehrerinnen und Lehrer jeden Tag in ihren Klassen. In Hessen besuchen zurzeit 17.000 Kinder verpflichtende Vorlaufkurse vor der Einschulung, weil ihre Deutschkenntnisse für einen erfolgreichen Start noch nicht ausreichen. Das ist ein Erfolgsmodell. Deshalb ist die niedrige Schulabbruchquote in Hessen kein Zufall. Sie ist das Ergebnis unserer Maßnahmen, insbesondere unserer konsequenten Deutschförderung an den Schulen in Hessen. Insbesondere bei den Grundkompetenzen wie Schreiben und Rechnen brauchen Kinder unterschiedlich viel Unterstützung. Deshalb stärken wir mit diesem dungspaket ganz gezielt die Grundlagen und stärken die Chancengerechtigkeit. (Beifall CDU und SPD) Wir bauen die individuelle Förderung im Fach systematisch aus und führen schrittweise adaptive teme ein. Wir schaffen eine zusätzliche Deutschstunde der 1. Klasse. Wir weiten die Lesezeit in den Jahrgangsstufen 3 und 4 aus. Wir bauen schrittweise ein Deutschlernsystem, das auf Übung und Vertiefung im weiligen individuellen Lerntempo setzt. Wir gehen auch in Mathematik wichtige Schritte Mitlaufkurse in den Klassen 1 und 2 sollen die frühzeitig unterstützen, wenn sie noch nicht über die wendigen Grundlagen für einen erfolgreichen Einstieg den Matheunterricht verfügen. Es wird beginnend in Klasse 1 Mathezeit als Vertiefungstraining geben Mathematikbasiskurse in den Jahrgangsstufen 5 und 6. fördern früh, wir fördern gezielt, wir fördern nachhaltig. (Beifall CDU und SPD) Dazu gehört auch der Einsatz moderner digitaler teme. Mit der Landeslizenz zur Ausweitung des Mathematik-Lernsystems „bettermarks“ stellen wir eine digitale Plattform mit passenden Aufgaben für jeweiligen Lernstand an allen Schulen für die Klassen 13 zur Verfügung. Es wird eine Mathematik-Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte geben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei alldem wissen dass die Herausforderungen nicht an jeder Schule sind. Deshalb werden wir die sozial indizierte Lehrkräftezuweisung für die Stärkung von Bildungsaufstieg und vidueller Förderung nach Sozialindexkriterien weiterentwickeln. So stärken wir unser Chancenschulsystem. Das für uns Bildungsgerechtigkeit. (Beifall CDU und SPD) Zweites Handlungsfeld sind digitale Zukunftskompetenzen. Wir müssen unseren Kindern das Fundament ben, auf dem sie ihre Zukunft aufbauen können. gehört die Vorbereitung auf eine Welt, die sich rasant ändert. KI ist innerhalb kürzester Zeit für uns alle ein ches Werkzeug geworden. Schon heute nutzen rund der hessischen Schulen unseren KI-Chatbot. Rund 1,3 lionen nutzen das Schulportal. Unsere Schülerinnen Schüler wachsen selbstverständlich mit digitalen Technologien auf. Aber – das ist der entscheidende Punkt – Nutzung ist noch keine Souveränität im Umgang mit talen Medien. Soziale Medien zu nutzen, bedeutet nicht, Manipulation und Desinformation zu erkennen. Deshalb führen wir ab dem Schuljahr 2027/2028 verpflichtenden Medienführerschein in der 4. Klasse Ab Klasse 5 kommt für alle Schülerinnen und das neue Schulfach „KI und Digitale Welt“ hinzu. ist das erste Land in der Bundesrepublik, das erste deutschlandweit. Hessen ist Vorreiter in Sachen KI digitale Bildung. (Beifall CDU und SPD – Daniel May (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Aber ohne Endgeräte!) Lesen, Wir wollen unseren jungen Menschen, den Schülerinnen und Schülern helfen, verantwortungsvoll mit digitalen Bil- Technologien umzugehen. Wir wollen sie befähigen, sich damit souverän in der digitalen Welt zu bewegen. Meine Damen und Herren, ab Klasse 7 bauen wir „KI und Digitale Welt“ mit dem Fokus auf Informatik als Pflichtangebot auf, was ein zentraler Beitrag nicht nur zur GrundDeutsch bildung in Informatik, sondern auch zur beruflichen OrienLernsystierung und zur Vorbereitung auf eine weitere Vertiefung in etwa im MINT-Bereich sein wird. Wir halten uns nicht mit Grundsatzdebatten über die Entwicklungen der Zeit digitales auf. Wir ziehen wirksame Schlüsse für die konkrete Unterjerichtsgestaltung, dies immer mit dem klaren Ziel, junge Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten. Dazu gehören für uns auch die Finanz- und Verbrauchervoran. bildung, Werte- und Demokratiebildung und auch ganz Kinder praktische Tätigkeiten im Alltag. notin Jugendliche lernen Wiederbelebung. Rund 120.000 Schüder lerinnen und Schüler werden bis zum Ende dieses Schulsowie jahres seit Beginn des Projektes gelernt haben, einen MenWir schen wiederzubeleben. Das ist eine Fähigkeit, die im entscheidenden Moment Leben retten kann. Auch das und gerade das ist Bildung. Bildung bedeutet, junge Menschen fit und handlungsfähig Lernsyszu machen in der digitalen Welt, für das Berufsleben, in digitalen unserer Demokratie und ganz konkret im persönlichen Allkünftig tag. Das ist die Politik dieser Hessen-Koalition. den 3 bis (Beifall CDU und SPD) Wir greifen ein drittes Handlungsfeld auf: Leistungen stärken und würdigen. Meine Damen und Herren, wenn wir wir, über Chancen sprechen, müssen wir auch über Leistungleich gen sprechen; denn beides gehört zusammen. Anstrengung muss sich lohnen. Wir wollen, dass junge Menschen das indi- auf gute Weise erleben können. Wer sich einsetzt, wer übt, wer Verantwortung übernimmt, wer über sich hinauswächst, der wird den Erfolg sehen, und er verdient auch ist Anerkennung. Ich nenne hierfür drei Maßnahmen. Erstens. Der TalentCampus: Wir wollen den Leistungsgedanken stärken. Dazu gehört es, Talente frühzeitig zu entdecken und zu fördern. mitgeWir werden das Modell, das als Akademieangebot bereits Dazu eingeführt ist, den Talent-Campus, flächendeckend ausrolverlen und damit besonders begabte Kinder und Jugendliche auch außerschulisch fördern. alltägliZweitens. Ehrung der Besten: Herausragende Leistungen 70 % sollten sichtbar gewürdigt werden. Deshalb werden wir Mildie landesweit besten Absolventinnen und Absolventen der und Bildungsgänge Hauptschule, Realschule und Gymnasium künftig jährlich besonders ehren. digitale Drittens. Wir wollen außerdem den Landes-Finaltag erweidigitern. Er ist im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ noch bereits eingeführt worden. Er wird um eine zweite Veranstaltung – auch für Outdoorsportarten – erweitert, sodass einen unser sportlicher Nachwuchs eine besondere Aufmerksamein. keit erhält und besondere Leistungen gewürdigt werden. Schüler Meine Damen und Herren, Leistung und Engagement Hessen haben viele Gesichter. Sie zeigt sich in Mathe und in Land Deutsch, sie zeigt sich in handwerklichem Geschick oder und in Kreativität, in Musik, Kultur und eben auch im Sport. Wer etwas leistet, darf stolz darauf sein. Eine gesunde Leistungskultur stärkt die individuelle Förderung, damit Leistung möglich wird. Leistung sollte gewürdigt werden, damit die Anstrengung ihren Wert behält. Fördern und fordern – das heißt für uns gute Bildung. (Beifall CDU und SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem Bildungschancenpaket legen die Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen erneut einen deutlichen Schwerpunkt auf die Stärkung unseres Bildungslandes. Dafür haben wir einen klaren bildungspolitischen Kompass, der den Erfolg der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle unserem geschätzten Ministerpräsidenten ausdrücklich und herzlich danken; denn er macht Bildung und den erfolgreichen Start junger Menschen ins Leben zu einem ganz zentralen politischen Aufgabenfeld dieser Landesregierung. (Beifall CDU und SPD) Er hat gemeinsam mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten, mit unserem Kultusminister, mit dem Finanzminister sowie den Koalitionsfraktionen von CDU und SPD das Bildungschancenpaket, das ein echtes Kraftpaket für unsere Schulen ist, auf den Weg gebracht. Bildung hat in Hessen absolute Priorität, gerade auch in herausfordernden Zeiten. Deshalb gilt in aller Klarheit: An der Zukunft unserer Kinder wird in Hessen nicht gespart. Ganz im Gegenteil, wir investieren so viel in die Bildung, wie es niemals zuvor in diesem Land der Fall war. (Beifall CDU und SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit wollen wir die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen. Aber die Ergebnisse von Bildung entstehen natürlich jeden Tag in den Klassenzimmern unseres Landes. Es braucht engagierte Schulleitungen und motivierte Lehrerinnen und Lehrer, die die Maßnahmen mit Leben füllen. Daher möchte ich ausdrücklich allen danken, die an unseren Schulen für unsere Schülerinnen und Schüler da sind und die Schulgemeinschaften zu dem machen, was sie sind. (Beifall CDU und SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum Ausgangspunkt zurückkehren. 809.000 Schülerinnen und Schüler und damit ebenso viele Bildungswege gibt es in unserem Land. Über 58.000 Kinder sind in diesem Jahr eingeschult worden und sind jetzt als Erstklässlerinnen und Erstklässler an unseren Grundschulen. Niemand weiß heute genau, wohin ihre Wege sie einmal führen werden. Es ist auch nicht unsere Aufgabe, ihren Weg festzulegen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen das Rüstzeug mitzugeben, ihren eigenen Weg erfolgreich zu gehen. Dafür brauchen sie ein sicheres Fundament im Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie brauchen Chancen, die sie ergreifen können. Sie brauchen Kompetenzen, mit denen sie die Zukunft gestalten können, und sie brauchen die Erfahrung, dass ihre Anstrengungen gesehen und ihre Leistungen anerkannt werden. Aus 809.000 Möglichkeiten sollen deshalb 809.000 echte Chancen werden. „Volle Kraft für Bildung – beste Chancen für die Zukunft“, dafür steht dieses Bildungschancenpaket, dafür steht diese Landesregierung, und dafür steht die Hessen-Koalition. – Ich bedanke mich herzlich für die Aufmerksamkeit. (Anhaltender Beifall CDU und SPD)
