Claudia Ravensburg
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Martin, Ihre Empörung über das Auslaufen der hessischen Förderung für Sprach-Kitas ist nun wirklich unseriös. Es ist, wie ich einmal sagen würde, Oppositionsgetöse. (Beifall CDU und SPD) Ich finde es völlig unseriös, zu sagen, am Jahresende hätten wir 500 arbeitslose Sprachförderkräfte – darauf gehe ich später noch ein –; denn Sie kennen doch die Hintergründe ganz genau, und Sie ignorieren heute hier die Genese der Sprach-Kita-Förderung. (Beifall CDU und SPD) Ich will ganz offen sagen – wir waren uns damals auch einig –, das Förderprogramm für die Sprach-Kitas ist ein gutes Programm. Es hatte zusätzliche Stellen, es hatte Weiterbildungselemente, und es hat eine enge Beratung der Kitas und einen regen Austausch zwischen den beteiligten Kitas ermöglicht. Natürlich kann ich den Protest der Sprach-Kitas dagegen verstehen, dass dieses Programm jetzt ausläuft. Aber es waren eben nur 10 % aller hessischen Kitas daran beteiligt. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): ist besser als 0 %!!) Für Sie ist das jetzt – das kann ich auch verstehen – Vorlage für Ihre Oppositionsarbeit. Nur, bedanken für ses Problem, das wir jetzt haben, dürfen Sie sich bei Paus; (Beifall CDU und SPD – Ingo Schon (CDU): nau!) denn schließlich hat sie die Bundesförderung auslaufen lassen. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): hat Frau Paus mit Ihrer Politik zu tun?) Es war Ihre Familienministerin, die in der letzten turperiode das Programm „Sprach-Kitas“ von heute morgen beendet hat. (Beifall CDU und SPD – Zurufe (BÜNDNIS GRÜNEN)) Sie waren damals dabei, als wir in Hessen, zusammen mit unserem Minister Kai Klose, händeringend nach Möglichkeit für die Fortsetzung der Sprach-Kitas haben. (Zurufe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie waren auch mittendrin in der damaligen schwarz-grünen Koalition, als wir einen Großteil der hessischen – das sage ich jetzt noch einmal ausdrücklich – aus KiTa-Qualitätsgesetz, also Bundesmittel, für die Sprachförderung in den Kitas einsetzen mussten, um das Programm befristet fortsetzen zu können. Doch diese Mittel, mit nen wir die Sprach-Kitas immer noch finanzieren, zum Jahresende aus. Das angekündigte Nachfolgegesetz im Bund wird voraussichtlich andere Schwerpunkte Also ist Hessen gefordert, die Sprachförderung auf Beine zu stellen. Wichtig ist mir an dieser Stelle, zu betonen – Frau hat es vorhin schon gesagt –, dass Frau Ministerin mann die Träger der Sprach-Kitas frühzeitig über das laufen des Programms informiert hat. Diese hatten auch genug Zeit, um für die ausgebildeten Sprachförderkräfte neue berufliche Perspektiven zu schaffen. steht es auch gar nicht zur Debatte, dass diese sehr qualifizierten Sprachförderkräfte in den Kitas nach Auslaufen des Programms zum Jahresende in die losigkeit gehen müssen. Das ist das, was Sie erzählen. (Beifall CDU und SPD) Ganz im Gegenteil, Sprachförderkräfte werden in den tas auch künftig gebraucht. Sie stärken die multiprofessionellen Teams in den Kitas, in denen jede Erzieherin und der Erzieher die Aufgabe hat, Sprachförderung zu alltagsorientiert, kindgerecht und auf die Bedürfnisse Kinder eingehend. (Beifall CDU und SPD – Zuruf Felix (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Ich bin davon überzeugt, dass die Fachkräfte sehr neue Aufgaben finden werden und dass Ihre Befürchtungen unbegründet sind. In diesem Zusammenhang will einige Punkte erwähnen. Von der Sprach-Kita-Förderung profitieren eben nur der Kitas. Aber diese Idee finden wir gut: Weiterbildung, Das Einbettung in das Konzept. Deshalb haben wir die Kita-Kompetenzzentren geschaffen. Genau die übernehmen nämlich die Rahmeneinbettung der Aufgaben, um die eine Sprachförderkräfte zu unterstützen. dieFrau Doch wir müssen auch eine Antwort auf die Frage geben: Was ist mit den übrigen 90 % der Kitas? Auch diese haben einen Sprachförderbedarf, und es sind in dem Programm Ge„Sprach-Kitas“ keinesfalls nur die Kitas mit dem allergrößten Sprachförderbedarf berücksichtigt worden, sondern es war damals so: Die Kitas konnten die Anträge stellen, wenn die Rahmenbedingungen erfüllt waren, und die Förderung bekommen haben die, die am schnellsten waren. Was Die Kitas können ihren Kindern eben nicht die gleiche Förderung zuteilwerden lassen, wenn sie nicht in dem ProLegislagramm „Sprach-Kitas“ sind. Ich stelle zudem fest, dass es auf in den Kitas einen zunehmenden Sprachförderbedarf gibt, auch bei deutschen Kindern. Deshalb haben alle einen Anspruch auf eine frühzeitige Förderung, und deshalb ändern 90/DIE wir die Sprachförderstrategie. (Beifall CDU und SPD – Felix Martin (BÜNDNIS einer 90/DIE GRÜNEN): Und deshalb sparen Sie an dieser Stelle! – Weitere Zurufe BÜNDNIS 90/DIE gesucht GRÜNEN) Wir begrüßen deshalb die Initiative unserer Sozialministerin Heike Hofmann, die die Sprachförderung auf neue Füße stellen wird, damit alle Kinder durch eine qualifiMittel zierte, praxisintegrierte Sprachförderung bessere Bildungsdem chancen haben. (Zuruf René Rock (Freie Demokraten)) deMeine Damen und Herren, deshalb haben wir die heutige laufen Debatte zum Anlass genommen, das neue Sprachförderkonzept in unserem Antrag in zwölf Punkten noch einmal setzen. ausführlich darzustellen. Ich habe nämlich den Eindruck, neue die GRÜNEN haben das noch nicht gelesen. (Beifall CDU und SPD – Mathias Wagner (Taunus) Koebe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Doch, aber es steht Hofja nichts drin! – Weitere Zurufe) Ausdann – Sehr gerne. Dann werde ich hier noch einmal einige Eckpunkte erwähnen. – Wir werden die Sprachförderung auf Deshalb verlässliche, qualitativ hochwertige und chancengerechte gut Beine für alle stellen. Wir werden die Kitas mit festgedem stelltem besonderem Sprachförderbedarf, die also spezielle ArbeitsHerausforderungen haben, auch besonders fördern und diese Träger keinesfalls im Stich lassen. Im Kompetenzzentrum „Kinder.Sprachen.Zukunft“ – ich hatte es erwähnt – bauen wir eine wissenschaftlich begleiKitete zentrale Unterstützung bei der Sprachförderung für Fachkräfte in den Kitas und in der Tagespflege auf. jemachen: (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wie aller denn? Wie soll das denn gehen?) Neben Fortbildungsmöglichkeiten wollen wir mit den Martin Sprachcoaches die Kitas und Tagespflegepersonen fachlich beraten und begleiten. Besondere Unterstützung erhoffen schnell wir uns von dem gerade schon erwähnten und vom Bund angekündigten Qualitätsentwicklungsgesetz, kurz QEG. ich Dort soll es eine verpflichtende systematische Sprachstands- und Entwicklungsstandserhebung aller Kinder geben. Das wurde eben auch gefordert. Hier ist es geplant. 10 % (Zuruf Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Ziel ist es, die Fachkräfte in die Lage zu versetzen, für jedes Kind individuelle, alltagsintegrierte Sprachfördermaßnahmen abzuleiten und diese Entwicklungsstände regelmäßig auch digital zu dokumentieren. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was machen Sie dann damit?) Auch das hatten Sie gefordert. Meine Damen und Herren, wir werden die Sprachförderung zu einem zentralen Element in der HKJGB-Novelle machen. Wir wollen die Bildungschancen aller Kinder verbessern und die Eltern noch besser in ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag unterstützen. Die Kritik, wir würden die Förderung abbauen, lasse ich nicht stehen. Unsere Neuausrichtung wird eben keinen Abbau der Förderung, sondern eine Verstetigung und Weiterentwicklung der bewährten Elemente aus der Kita-Sprachförderung bedeuten: mehr Verlässlichkeit, Planbarkeit für die Kita-Fachkräfte, mehr Unterstützung und Beratung für die Kitas und mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder, egal in welcher Kita sie gefördert werden, und bessere Begleitung der Eltern. Das ist unser Ziel, und wir würden uns freuen, wenn Sie uns in diesem Prozess zukunftsgerichtet begleiten würden. – Vielen Dank. (Beifall CDU und SPD)
