Dr. Josefine Koebe
Sie schreiben – was habe ich gelesen? –: Kahlschlag, Streichung, Abbau. (Zurufe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Was denn sonst?) Das sind wirklich starke Worte, sie stimmen nur nicht. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): 500 Stellen weniger!) Wir bauen nicht ab, wir verstetigen, und wir weiten aus. (Zurufe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Gegenrufe SPD – Glockenzeichen) – Hören Sie mir doch einfach zu. – Die bisher projektbezogene Förderung einzelner Einrichtungen wird zu einer chendeckenden Unterstützung aller hessischen Kitas terentwickelt. Das kann ich auch ankündigen. Das uns auch in der nächsten HKJGB-Novelle – die haben schon angekündigt – als Förderschwerpunkt begegnen. (Beifall SPD) Dabei haben wir natürlich die Einrichtungen mit besonderen sozialen und strukturellen Herausforderungen im das ist doch klar. Mir ist aber ganz wichtig, noch einmal auf diese thematik einzugehen. Bundesprogramme – das wissen auch als Bildungspolitiker –, insbesondere im Bildungsbereich, sind ihrem Wesen nach eine Anschubfinanzierung. Sie setzen Impulse, und ja, sie müssen irgendwann stetigt werden. Diese Verstetigung fällt klar in den benbereich der Länder. Das ist hier kein Schönwetter-Argument, das ist Verfassungslage. In der Bildung darf Bund gar nicht dauerhaft mitfinanzieren. Darüber wir an anderer Stelle streiten. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): um geht es doch gar nicht!) Umso wichtiger ist es, dass wir die erfolgreichen ze des Bundes vor Ort in Hessen in eine Dauerstruktur überführt haben. Ja, der Bund hat vor vielen Jahren Anschub dafür geliefert. Das ist auch gut evaluiert Den Anschluss organisieren wir, und das tun wir nicht ersten Mal. Als sich der Bund damals nämlich zurückgezogen hat, ist das Land Hessen, wie Sie wissen, eingesprungen, hat die Sprach-Kitas aufgefangen und auch überbrückt durch das Land, um gerade diese Kurzfristigkeit für die Praxis abzufedern. Aber diese Koalition die Sprach-Kitas nicht hängen. (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS GRÜNEN): Doch!) Wir setzen mit viel Herzblut den Anschub des made in Hessen um. (Beifall SPD und CDU) Sehr geehrte Damen und Herren, die Landesregierung früh gehandelt, die befristete Finanzierung fortgeführt – das ist mir wichtig – von Anfang an auch transparent kommuniziert. Die Träger wissen, woran sie sind. Sie nen langfristig planen. Dafür möchte ich Staatsministerin Heike Hofmann und auch Staatssekretärin Manuela – die heute nicht hier ist – ausdrücklich danken. Auftrag heißt eben nicht verwalten, unser Auftrag „Kinder.Sprachen.Zukunft“. Ich durfte am Dienstag zusammen mit Frau Hofmann leider nur kurz – bei der Auftaktveranstaltung genau Kompetenzzentrum „Kinder.Sprachen.Zukunft“ besuchen. Da waren ganz viele Sprachförderkräfte vor Ort. Ich be Ihnen auch ein bisschen Sprachen und Zukunft bracht. Die haben wir nämlich als Geschenk erhalten auch einen Sprachwürfel. (Die Rednerin hält zwei Broschüren und einen fel hoch.) Für wen der Donnerstagnachmittag noch lang wird, der kann gerne vorbeikommen und sich das genau anschauen. Was steht drauf? – „Blicke weiten, Impulse teilen, Qualität gestalten“. Das schadet uns allen nicht. Mit genau diesem fläKompetenzzentrum „Kinder.Sprachen.Zukunft“ und auch weiunseren Vorschlägen für die zweite HKJGB-Novelle, mit wird der wir uns auseinandersetzen, verteilen wir die Mittel klüSie ger und sorgen dafür, dass künftig die gesamte Struktur der frühkindlichen Bildung profitiert: Träger, Fachberatungen, Leitungen, Fachkräfte und Familien. So wird genau aus einem immer befristeten Projekt für einige wenige Einrichtungen ein verlässliches Fundament, auf das sich alle Kitas stützen können: Blick, (Beifall SPD und CDU – Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Verraten Sie doch einmal, was Bundesdas Fundament ist! Das ist mir nicht bekannt!) Sie Jahr für Jahr planbar und mit gerechteren Chancen für jedes Kind. ver- (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Dann Aufgaverraten Sie doch einmal, was Sie vorhaben! Mir ist nichts bekannt!) der können Ja, das kostet Geld. Ich habe schon mehrfach vorgerechnet, dass sich jeder frühe Euro, den wir in die frühe Bildung investieren, doppelt und dreifach auszahlt. Deshalb ist VerDarstetigung keine Ausgabe, die wir uns leisten. Sie ist eine Investition, die sich auszahlt. Diese Weiterentwicklung endet nicht an der Kita-Tür. Sprache wächst zuerst zu Hause. AnsätDeshalb ist die Zusammenarbeit mit den Familien kein nettes Beiwerk, sondern ein grundlegender Bestandteil guter den Sprachbildung. worden. zum Eine wirkungsvolle Strategie beruht auf einer vertrauensvollen Bildungspartnerschaft, die wir in diesem Antrag auch ganz klar zwischen Kita, Grundschule und Elternhaus wieder fokussieren. Genau diese Partnerschaft stärken wir wertschätzend und auf Augenhöhe für alle Familien, egal von lässt welchen Sprachen die Kinder zu Hause zusätzlich profitieren. Aber – das ist auch der Punkt, der mir persönlich bei diesem Antrag mit am allermeisten am Herzen liegt 90/DIE – am Ende muss jedes einzelne Kind von dieser Sprachförderung profitieren können – jedes. Bundes Deshalb gehört zu guter Sprachbildung, wie ich sie persönlich schon miterleben durfte, beides untrennbar zusammen: die Verankerung im ganzen Team und die individuelle Förderung jedes Kindes. Individuelle Förderung beginnt hat nun einmal mit Hinschauen, mit einer alltagsintegrierten, wissenschaftlich fundierten Beobachtung der sprachlichen und Entwicklung. Ich weiß nicht, wie viele der 30 Kitas, die kön- Sie besucht haben, so etwas schon implementiert haben. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Jede Strube Kita macht das!) Unser heißt: Aber zukünftig wird genau das möglich sein: eben nicht als unangenehme Testsituation, sondern eingebettet in den Alltag. So entsteht über die gesamte Kita-Zeit genau diese – individuelle Förderstrategie, die den Fachkräften ganz kondas krete Maßnahmen an die Hand gibt. Dieses Monitoring, das übrigens auch im Rahmen des angesehenen Qualitätshaentwicklungsgesetzes des Bundes verankert werden soll, mitge- komplementiert genau diese Strategie, die passgenau zu und „made in Hessen“ passt. Denn nur, wer die Entwicklung eines Kindes kennt, kann auch gezielt fördern. Wür- Ich möchte aber auch noch ein paar Worte zu dem noch hastig eingereichten Antrag der AfD sagen. Über weite Strecken reduziert er ein Bildungsthema – das kennen wir in diesem Haus schon – auf eine Herkunfts- und Migrationsdebatte. Sprachbildung ist kein Integrationsverdacht gegenüber bestimmten Kindern. Sie ist eine Chance für alle Kinder. Diese Verengung lehnen wir ganz entschieden ab. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Geben Sie doch wenigstens zu, dass Sie kürzen! Haben Sie doch wenigstens den Mut, es zuzugeben!) Mehr ist dazu nicht zu sagen. (Beifall SPD und vereinzelt CDU)
