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Dr. Josefine Koebe

SPD 11.06.2026 Sitzungen 21/72

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Darüber, dass Sprache der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit, zu Teilhabe und zu gelingender Integration ist, sind wir uns in diesem Hause einig. Das zeigen auch die heutigen Anträge, die wir zu beraten haben. Wir streiten also nicht über das Ob, sondern über das Wie. Genauer gesagt: Wie sichern wir gute Sprachbildung, Herr Martin? Nicht nur für ein Programm und nicht für eine Förderwelle, sondern dauerhaft für jedes Kind in jeder hessischen Kita? (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Meine Antwort und die Antwort dieser Koalition ist klar: Jede Kita muss eine Sprach-Kita sein. (Lara Klaes (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wie soll das denn so funktionieren?) Lassen Sie mich kurz erklären, warum ich davon so überzeugt bin. Bevor ich Teil dieser Runde werden durfte, durfte ich bei einem großen Kita-Träger über Jahre mitbegleiten, wie Sprachbildung in der Praxis wirklich gelingt, wie regelmäßiges, alltagsintegriertes Beobachten der Kinder – gekoppelt an ganz konkrete Fördermaßnahmen und Ideen für Fachkräfte – Wirkung entfaltet und welche Wirkung auch das stärkere Wertschätzen von Mehrsprachigkeit für Kinder und Familien hat. Ich habe dabei vor allen Dingen eines gelernt: Sprachförderung ist nicht das, was hinter einer geschlossenen Tür in einer Kleingruppe passiert – einmal in der Woche mit der einen Kollegin, die dafür zuständig ist. (Lara Klaes (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Doch! Genau so ist es!) – Nein. – Wirksame Sprachbildung passiert überall und ständig, oder sie passiert eben gar nicht. (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist doch nicht Ihr Ernst, was Sie hier erzählen!) Sprachbildung darf deshalb kein Sonderprojekt am Rand sein, das mit einer befristeten Stelle steht und fällt. (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Das ist jetzt aber auch eine interessante Wendung! – Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Und deshalb streichen Sie 500 Stellen? – Glockenzeichen) Sie muss fest im pädagogischen Alltag verankert sein: in der Eingewöhnung, am Mittagstisch, im Freispiel, in jeder Interaktion. Genau das leistet unser Antrag. (Beifall SPD) Wir verbessern die grundsätzlichen Rahmenbedingungen (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das glauben Sie doch selbst nicht!) so, dass jede Fachkraft Sprachförderung leisten kann – nicht nur in ausgewählten Kitas oder durch eine einzelne Expertin pro Einrichtung. Ich gehe auf das Bundesprogramm noch genug ein, Herr Martin. (Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Landesprogramm! Seit vier Jahren!) – Sie haben noch Zeit, mit mir darüber zu sprechen. Dass das der richtige Weg ist – die ganze Einrichtung statt einer einzelnen Stelle –, sage nicht nur ich, das ist das Ergebnis der wissenschaftlichen Evaluation des Bundes selbst. Ich hoffe, Sie haben sich die zur Vorbereitung einmal angeschaut. Ich habe den Abschlussbericht ganz genau gelesen. Der zentrale Befund lautet: Alltagsintegrierte sprachliche Bildung wirkt dann, wenn sie als Konzept der ganzen Einrichtung verstanden wird und nicht als Aufgabe Einzelner im Team. (Zurufe Lara Klaes und Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Der Bund hat seine zusätzliche Fachkraft selbst ausdrücklich als Multiplikator gedacht, als jemanden, der das ganze Team befähigt, und über die Programmlaufzeit ist genau das passiert. Der Schwerpunkt hat sich verschoben – von der Arbeit am einzelnen Kind hin zur Beratung und Qualifizierung des gesamten Teams. Zu Beginn sah nicht einmal jede Fünfte dieser Fachkräfte, die befragt wurden, ihren Tätigkeitsschwerpunkt in der Beratung des Teams. Am Ende war es fast jede Zweite. Das ist keine zufällige Verschiebung. Das war das Ziel: nicht eine Stelle stark zu machen, sondern die gesamte Einrichtung. (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Und das mit weniger Stellen!) Wenn das jetzt der Erfolgsfaktor ist – das ganze Team, die ganze Einrichtung, (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Dann braucht man weniger Stellen!) die gesamte Struktur –, dann ist die richtige Konsequenz nicht – hören Sie mir doch einfach einmal zu –, (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Habe ich ja, deshalb rege ich mich ja so auf! – Glockenzeichen) einzelne Stellen, einzelne Einrichtungen zu konservieren. Die richtige Konsequenz ist, die ganze Struktur zu stärken. Genau das tun wir, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall SPD und CDU – Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Mit weniger Stellen!)

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