Astrid Wallmann
Vielen Dank. – Für die Landesregierung darf ich nun das Wort an den Minister für Kultus, Bildung und Chancen geben, Herrn Staatsminister Schwarz. Bitte schön. Armin Schwarz, Minister für Kultus, Bildung und Chancen: Hochverehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer durch Hessen reist, begegnet ihnen in jeder Stadt, in jedem Dorf, den Kirchtürmen, die über die Dächer und Plätze ragen, den Kirchen- und Sakralbauten, die unsere Dörfer und Städte prägen. Für viele Menschen sind das vertraute Orientierungspunkte. Sie erzählen von der Geschichte einer Gemeinde, oft eng verbunden mit einer persönlichen Geschichte. Viele Menschen verbinden schlicht und ergreifend die eigene Biografie genau mit diesen Gebäuden, von der Taufe über die Konfirmation oder Kommunion bis zur Trauung. Mit all diesen Ereignissen hängen diese Gebäude zusammen. Insofern hängen viel Emotion und viel Persönliches da mit drin. Deshalb sind es herausragende und wichtige Gebäude. (Beifall CDU und SPD) Deshalb sind Kirchen- und Sakralgebäude mehr als historische Bausubstanz. Sie sind Orte des Glaubens, sie sind Orte der Erinnerung, sie sind Orte der Tradition und der Orientierung, Orte der Kunst, im Übrigen auch Orte der Begegnung, der Bildung und der Musik. Meine Vorredner, Kollegin Ines Claus und Kollege Sebastian Sack, sind darauf eingegangen: Sie sind auch Orte des Ehrenamts. Was in diesen Gebäuden an ehrenamtlicher Leistung – und damit an gesellschaftlichem Zusammenhalt – steckt, ist gar nicht zu unterschätzen. Man muss es anerkennen und auch so einordnen. (Beifall CDU und SPD) Selbstverständlich muss man die Dinge realistisch sehen. Die Gesellschaft steht vor Veränderungen, und auch die Kirchen stehen in einer Zeit der Veränderung. Es wurde darüber gesprochen, dass die Mitgliederzahlen sinken, aus verschiedenen Gründen. Deswegen stellt sich die Frage, wie wir – das ist unser fester Wille – langfristig diese Gebäude erhalten und sinnvoll nutzen können. Insofern sind die Veränderungen und die daraus entstehenden Konsequenzen uns alles andere als gleichgültig. Deshalb war es richtig – und ich bin dafür sehr dankbar –, dass die Initiative ergriffen worden ist, dass beim Zukunftskongress zu Sakralbauten im Januar dieses Jahres die Kirchen, Politik und Zivilgesellschaft in den Dialog eingetreten sind. Es geht darum, verantwortungsvoll nach vorne zu schauen. Es geht darum, Kirchen- und Sakralbauten weiterhin als Orte des Glaubens mit neuen Möglichkeiten der Begegnung in irgendeiner Form zu versehen. Kirchen- und Sakralbauten können Raum bieten für Kultur, für soziales Engagement, für Bildung, für Initiativen, die Menschen vor Ort zusammenbringen. Deswegen ist das eine Chance, die besondere Bedeutung dieser Orte zu erhalten. Die Städtebauförderung – darüber muss man in der Tat sprechen – ist eine geeignete Förderkulisse, um Sakralbauten bei der Transformation und der Entwicklung neuer Nutzungskonzepte zu unterstützen. So wird im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ beispielsweise die Entwicklung Sankt Kunigundis’ in Kassel durch Fördermittel des Bundes und auch des Landes unterstützt. Das Ziel ist, diese Kirche in zwei Bauabschnitten zu einer multifunktionalen Versammlungsstätte umzubauen. Das ist ein sehr pragmatischer Ansatz, ein gutes Beispiel für ein neues Nutzungskonzept. Mit genau dieser Kreativität, mit genau diesem Willen, zu einer Lösung zu kommen, muss man an die Sache herangehen. Zugleich gilt: Kirchen- und Sakralbauten sind keine beliebig verfügbaren Räume. Neue Nutzungen müssen immer mit religiöser Bedeutung dieser Gebäude, ihrer Geschichte und Würde entsprechend, einhergehen und dieser gerecht werden. Entscheidungen über die Zukunft müssen die Eigentumsverhältnisse und die Eigenständigkeit der Kirchen achten. Ohne das wird es nicht gehen. Der begleitet und ermöglicht und unterstützt den Dialog, der Staat entscheidet natürlich nicht über den geistlichen Auftrag oder gar über die innerkirchlichen Entwicklungsprozesse. Es gibt aber nicht nur die eine Lösung für alle de. Das ist immer individuell zu betrachten, immer gemäß der Gestaltungshoheit vor Ort. Die Akteure Ort müssen eingebunden werden. Deshalb: Gemeinsam mit der Kirchen, den Kommunen, der Denkmalpflege gesellschaftlichen Akteuren vor Ort tragfähige Lösungen herbeizuführen, das ist verantwortungsvoll. Dieser wortung werden die regierungstragenden Fraktionen natürlich auch diese Landesregierung gerecht: im zu sein und gute Lösungen zu finden. Es geht um die Frage, welche Orte eine Gesellschaft braucht, damit der Zusammenhalt auf die Dauer leistet ist. Unsere Demokratie lebt von den Menschen, Verantwortung übernehmen und achtungsvoll miteinander umgehen an den Orten, an denen die Gemeinschaft lich gelebt und praktiziert wird. Kirchen- und Sakralbauten sind in vielen Städte und Gemeinden genau solche denn dort engagieren sich die Ehrenamtlichen, die ich gerade erwähnt habe. Dort gibt es Hilfsangebote, dort den auch junge Menschen Zugänge zu Geschichte. Menschen finden dort auch Zugänge zu Kultur und gion, etwa bei Gottesdiensten, Konzerten, Projekten Begegnungen vor Ort. Deswegen will ich ein Beispiel geben. Der bekenntnisorientierte Religionsunterricht ist ein Beispiel dafür, Staat und Kirche in eigener Verantwortung und in bewährter Zusammenarbeit zur Bildung junger schen beitragen. Auch tragen die Kirchen die Mehrheit Schulen in freier Trägerschaft. Auch das ist eine Funktion, die nicht zu unterschätzen ist. Wir haben ca. 200 in freier Trägerschaft. Ich bin den kirchlichen Trägern dankbar, dass sie dort tolle Bildungsangebote machen Ergänzung zum staatlichen Bildungsauftrag. Auch darf man einmal hinweisen. (Beifall CDU und SPD) Deswegen stehen wir auch in engstem Austausch mit Verband der Privatschulen. Die Auseinandersetzung der Würde, mit Verantwortung sowie mit respektvollem Dialog, mit anderen Überzeugungen ist auch ein Kern sen, was wir als weiteren Aspekt bei unserer WerteDemokratiebildungskampagne – ich nenne als Stichwort die WERTvoll-Plattform – auf den Weg gebracht Das ist ein weiteres Beispiel dafür, was gut in diesen sammenhang passt. Noch heute soll dieser Landtag darüber beschließen, Werte- und Demokratiebildung im Bildungs- und hungsauftrag unserer Schulen gesetzlich zu verankern. soll heute Nachmittag stattfinden. Damit wird klar: Schulen sollen die Schülerinnen und Schüler darin demokratische Werte zu leben, Verantwortung zu men, Unterschiede auszuhalten und sich respektvoll unser Gemeinwesen einzusetzen. Wir unterstützen Schulen dabei ganz konkret. Ich habe eben schon auf unsere WERTvoll-Plattform digitalen Informations- und Vernetzungsangeboten wiesen. Das ist ein weiterer Aspekt dabei, dass Raum und kirchlicher und sakraler Raum wunderbar sammenpassen. Dort bündeln wir Unterrichtsmaterialien, Staat erprobte Projekte, Fortbildungs- und Beratungsangebote aber mit den Kooperationspartnern sowie Praxisbeispiele. Deswegen: Wir brauchen Partner und sichtbare Orte in unserer Gesellschaft, und genau deshalb ist es richtig, Kirchen- und Sakralbauten nicht nur als Denkmäler zu Gebäubetrachten, sondern auch als Orte einer lebendigen, demoauch kratischen, sozialen und bildungsbezogenen Kultur. Dafür vor steht die schwarz-rote Landesregierung, dafür stehen CDU und SPD. und Kirchen- und Sakralbauten erzählen davon, woher wir Verantkommen. Die Frage, wie wir mit ihnen umgehen, sagt aber und viel darüber, welche Gesellschaft wir in Zukunft haben Dialog wollen. Insofern ist es nicht trivial oder gar egal, was mit diesen Gebäuden geschieht. Wir wollen eine Gesellschaft sein, die ihre Geschichte achtet; eine Gesellschaft, die die Freiheit des Glaubens schützt und für Respekt, gewährfür die Achtung der Menschenwürde und für unsere dedie mokratische Werteordnung eintritt; eine Gesellschaft, die Begegnungen ermöglicht, das Ehrenamt stärkt und Räume tatsächerhält, in denen Verantwortung, Bildung und Zusammenhalt wachsen können. Orte; eben Der Antrag setzt dafür ganz wichtige Impulse. Ich darf finsagen, ich bin den regierungstragenden Fraktionen sehr Junge dankbar dafür. Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, Relidass Kirchen- und Sakralbauten in Hessen auch in Zukunft oder Orte des Glaubens, der Heimat, der Bildung, der Verantwortung und des Miteinanders für unsere Bürgerinnen und Bürger sind. Ich zitiere Frau Kollegin Claus und Herrn Kollegen Sack – wir sind uns einig darin –: Lassen wir die dass zugleich Kirche im Dorf. – Herzlichen Dank für Ihre AufmerksamMen- keit und gutes Gelingen. der (Beifall CDU und SPD) Schulen sehr
