Pascal Schleich
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Im Jahr 1989 veröffentlichte der britische Schriftsteller Ken Follett eines seiner herausragendsten Werke, „Die Säulen der Erde“. In diesem fast 1.300 Seiten Opus magnum schildert Follett die Ereignisse um den zehntelang andauernden Bau einer Kathedrale in England. Angelehnt hat der Schriftsteller sein Werk an den Bau Kathedrale von Salisbury, deren Grundstein im Jahre gelegt wurde und deren Bau 46 Jahre lang dauerte. Wer sich dieses prächtige Gotteshaus heute ansieht, erstarrt oft im bloßen Erstaunen darüber, was menschliche Schaffenskraft bereits vor Hunderten von Jahren ohne ße technische Hilfsmittel zu leisten imstande war. (Beifall AfD) In das gleiche Erstaunen verfällt man bei so manchem Sakralbaubesuch in Hessen, ob beim Wetzlarer Dom, Kaiserdom in Frankfurt, beim Dom zu Limburg oder den vielen kleinen Kirchen in unseren Orten und Dörfern. Sakralgebäude und Kirchen sind oft jahrhundertealte gen unserer Geschichte, unserer Kultur und in Fällen auch unseres Glaubens. Als Monumente christlichabendländischer Prägung legen sie Zeugnis ab über Identität und unsere Heimat. (Beifall AfD) Ein Bekannter hat mir einmal erzählt, wie sein Großonkel im Winter 1946 aus russischer Kriegsgefangenschaft kehrte. Nur knapp überlebt, musste er nach einer Odyssee noch eine heute kaum mehr vorstellbare zu Fuß laufen. Doch irgendwann erblickte er in der den charakteristischen Kirchturm seines Dorfes und auf die Knie; denn er wusste: Jetzt bin ich zu Hause. Vermutlich könnte fast jeder Sakralbau in Hessen von kleinsten Kapelle bis zum größten Dom mit ähnlichen schichten aufwarten, wenn Gebäude sprechen könnten. Ja, Kirchengebäude als Ausdruck unserer kulturellen gung stehen heute vor Herausforderungen. Man darf tatenlos zusehen, wie diese steinernen Zeugen Identität geschliffen werden, verrotten oder für immer loren gehen. (Beifall AfD) Meine Damen und Herren, das dürfen wir nicht zulassen. Der Staat muss hier tragfähige Lösungen finden, und außerhalb einer reinen Steuerlast für die Bürger. Kann aber wirklich das Ziel sein, die Hüllen zu erhalten, rend man das Innere unserer Sakralbauten im wahrsten Sinne des Wortes entkernt? (Beifall AfD) Wenn es dem Erhalt von baulichen Zeugnissen christlichabendländischer Prägung, von Bestandteilen des len Erbes unserer Vorfahren und Ahnen dient, dann man einerseits das bekannte Diktum „Koste es, was wolle“ bemühen. Das ist eine Position, die man durchaus vertreten kann. Man kann sich aber auch die Frage wann der Preis zu hoch wird oder wann man vielleicht genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich Pascal erreichen möchte. (Beifall AfD) Meine Damen und Herren, Kirchen- und Sakralgebäude werden nicht nur durch ihre bauliche Substanz und ihre Herren! kulturelle Bedeutung geprägt. Ihren religiös-spirituellen Charakter und ihre besondere Schutzwürdigkeit gewinnen nämlich sie vielmehr erst durch ihre Bedeutung für die Gläubigen, langen die sich besonders hier ins Zwiegespräch mit Gott begejahrben. Hier suchen sie Rat, Trost und Festigkeit in herausfordernden Lebenslagen, in der Trauer, manchmal einfach aus der Dankbarkeit. Oft suchen Gläubige den Rat Gottes oder den Rat der Kirche dann, wenn weltliche oder zeitgeistliche Lösungsmögder lichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen, oder aus dem Grund, dass man der Überzeugung ist, es gebe etwas über gro- den Menschen, auch über den Menschen als Gesellschaftswesen. Religion, insbesondere die christliche Religion, gewinnt gewissermaßen ihre Legitimität aus dem Überzeitlichen. Überzeitlich ist nun einmal das Gegenteil von Zeitgeistbeim lich. bei (Beifall AfD) Zeu- Insofern ist es ein gefährlicher Weg, wenn sich insbesondevielen re die evangelische, aber auch mehr und mehr die katholische Kirche auf die abschüssigen Pfade von Zeitgeist und unsere sozialer Erwünschtheit begeben. (Beifall AfD) Kirchen sollten Halt geben und ein trostspendender Anker gerade in Zeiten von immer rasanteren und immer stärheim- ker forcierten gesellschaftlichen Veränderungen bleiben. wahren Sie verlieren ihre metaphysische Legitimation, wenn sie Strecke mehr und mehr wie ein x-beliebiger und letztlich auch ausFerne tauschbarer politischer oder zivilgesellschaftlicher Akteur sank auftreten, (Beifall AfD) der der glaubt, sich an die Spitze des Zeitgeistes und der poGelitischen Wetterlage stellen zu müssen. Wenn Kirchenverantwortliche im trauten Einklang mit den Regierenden die Prä- Gotteshäuser heute dazu missbrauchen, eine nicht genehnicht me Demonstration von Oppositionellen mit Glockengeläut unserer zu übertönen, wenn in Kirchen Drag- oder Queer-Gottesver- dienste abgehalten werden, (Lisa Gnadl (SPD): Das ist unglaublich! – Weitere Zurufe) wenn sich Kirchenvertreter mehr zu tagespolitischen Thezwar men als zu Fragen der Seelsorge oder des Glaubens äußern, es dann weiß man, dass der Zeitgeist längst begonnen hat, wäh- (Beifall AfD) das Überzeitliche, das Transzendentale in unseren Kirchen zu verdrängen. – Ihre Zwischenrufe beweisen es eindeutig. (Beifall AfD – Zuruf Daniel May (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)) kulturelkönnte Meine Damen und Herren von CDU und SPD, Sie müssen es sich der Gefahr bewusst sein, die darin liegt, wenn Sie Sakralräume immer weiter öffnen. So schreiben Sie in Ihrem stellen, Antrag davon – Zitat –, „Kirchen- und Sakralgebäude auch für soziale, kulturelle, bildungsbezogene oder gemeinwesensorientierte Zwecke öffnen“ zu wollen. (Ines Claus (CDU): Haben Sie etwas dagegen?) Ich will gar nicht von vornherein in Abrede stellen, dass solche Maßnahmen kurzfristig geeignet sein können, dass Kirchengebäude wieder vermehrt genutzt werden. So könnten solche Maßnahmen im Sinne des oben Genannten – was immer es kostet – auch tatsächlich dazu geeignet sein, die Gebäude zu erhalten. Doch ist hier Vorsicht angesagt; denn man muss doch die Frage stellen, warum die Sakralgebäude heute nicht mehr die Nutzung erfahren wie noch vor wenigen Jahren oder gar Jahrzehnten. Dass den Kirchen die Mitglieder in Scharen davonlaufen, ist unbestritten. Doch was zu diesem Schwund an Mitgliedern und Gläubigen führt, ist umso heftiger umstritten. (Beifall AfD) Manche Stimmen sehen den Grund vornehmlich darin, dass die Kirchen nicht mehr zeitgemäß seien. Dabei verkennen sie die Tatsache, dass es gerade nicht die Aufgabe der Kirche ist, besonders zeitgemäß zu sein. (Beifall AfD) Andere Kritiker sehen gerade die Zeitgeistbesessenheit der Staatskirchen als Grund für die Verdrossenheit vieler Gläubiger an. Hätten diese Kritiker recht, meine Damen und Herren von CDU und SPD, dann würden sie mit einer immer weiteren weltlichen Orientierung und Öffnung unserer Kirchen sprichwörtlich den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. (Beifall AfD) Wir als AfD-Fraktion erkennen Ihr Bemühen an, unsere Kirchen- und Sakralbauten langfristig als Zeugen unserer Kultur zu erhalten. Aber der Weg, den Sie jetzt hierfür beschreiten wollen, birgt viele Gefahren. Ich weiß nicht, ob Sie sich dessen in vollem Umfang bewusst sind. Wir sprechen hier, wie beschrieben, nicht einfach nur über Bauten. Wir sprechen auch nicht über Denkmäler oder über Kultur. Wir sprechen hier auch über das, was jeden Menschen, ob gläubig oder nicht, im Innersten berühren kann. Aus diesem Grunde werden wir über Ihren heute aufgerufenen Entschließungsantrag ganz bewusst nicht geschlossen als Fraktion abstimmen. – Ich danke Ihnen für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit. (Beifall AfD)
