Sebastian Sack
für können Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten DaHier men und Herren! Eine Kirche ist ein Haus für alle Menschen, aber es ist eben kein Haus wie jedes andere. Unabhängig davon, ob Sie, wie ich, religiös oder gläubig veranlagt sind, bitte ich Sie, einmal selbst an Ihre eigene dort, Kirche in Ihrem Heimatdorf oder – je nachdem, wie Sie soauch zialisiert sind – an Ihre Synagoge oder Moschee zu denken und an das, was Sie damit verbinden. nach Archi- Egal, aus welcher Richtung ich in mein Heimatdorf hineinbeschäf- fahre, in dem ich auch schon immer zu Hause bin: Schon wenn ich mich dem Dorf nur nähere, ragt die Kirche heraus. Sie sticht ins Auge: neugotischer Bau, hoher Turm, Schieferdach. Egal, wie man im Ort weiterfährt und welhistoche Richtung man dann einschlägt: An der Kirche führt erkein Weg vorbei, oder – im wahrsten Sinne – alle Wege Akteure führen genau dorthin. vorgeBau- (Beifall SPD und CDU) nur So ist es dann auch in meinem Leben gewesen, meine damit Damen und Herren. Kurz nach der Geburt war genau dort die Taufe des kleinen Sebastian. Das war für meine Familie etwas ganz Besonderes, für mich bestimmt auch – ich erinnere mich allerdings nicht mehr so richtig daran. Dann kam die Erstkommunion. Das war für einen kleinen öffentKatholiken etwas ganz Besonderes: eigens ein KommunioAuch nanzug. Und auch wenn Sie jetzt anderes denken und hinSteleinrufen wollen: Das hier ist er nicht, er passt selbst mir Unnicht mehr. Weg (Vereinzelte Heiterkeit) kreative Natürlich war ich direkt danach Ministrant und beim ersten Für Mal unheimlich aufgeregt. Lektor, Kommunionhelfer und des viele Gottesdienste in genau dieser Heimatkirche schlossen sie sich an – genauso wie die Hochzeiten guter Freunde, aber prägen auch die Beerdigungen guter Freunde. Wenn Sie mich so reden hören, dann wird es den meisten hier so ähnlich ergangen sein. So haben Sie sicherlich ähnliche Erfahrungen in Ihrer Kirche gemacht; diese Kirchenoder Sakralbauten haben Sie durchaus durch das Leben begleitet – mehr oder weniger –, seit Generationen, seit Jahrhunderten, meine Damen und Herren: das erste Weihnachten – vielleicht waren Sie ebenfalls Ministrantin oder Ministrant, Lektor oder Organistin –, das erste Krippenspiel usw. Kirchen- und Sakralbauten waren und sind, und sie bleiben in all den Jahrhunderten besondere Orte. (Beifall SPD und CDU) Wir verbringen zentrale, durchaus prägende Ereignisse unseres Lebens dort. Sie sind sakral, sie sind geweihte Orte. Auch wenn der eine oder andere nicht religiös ist, so bleiben diese Orte etwas Besonderes, schon alleine aus Respekt vor dem Glauben, meine Damen und Herren. Die meisten Menschen, die mich kennen, wissen, wie lebendig ich sein kann – manch einer würde vielleicht böserweise hyperaktiv sagen –, aber in meiner Kirche zu Hause, in den alten Kirchenbänken, vor dem großen Altar und den bunten Fenstern, da komme selbst ich zur Ruhe. Hier entfaltet sich eben jene erhabene Wirkung, auch schon seit Jahrhunderten, meine Damen und Herren. (Beifall SPD und CDU) Auch heute prägen diese Räume uns Menschen. Sie geben uns Ruhe und Geborgenheit. Sie führen uns an ganz zentralen Festen zusammen. Sie lassen uns gemeinsam feiern, lachen, aber auch weinen, beten und trauern. Selbst wenn man sie nicht aus christlicher oder religiöser Perspektive würdigen kann, weil man eben nicht gläubig ist, so ist es doch auch aus sozialer Perspektive heraus zu würdigen, wie sehr sie Gemeinschaft gestiftet haben, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammengeführt haben und noch zusammenführen, welche karitativen Leistungen aus ihnen heraus erbracht wurden und wie viele soziale Initiativen aus ihren Mauern entstanden sind, meine Damen und Herren. (Beifall SPD und CDU) So stehen sie auch seit Jahrhunderten im wahrsten Sinne des Wortes zumeist im Mittelpunkt unserer Städte und Gemeinden, bis in die kleinsten Dörfer hinein. Das Leben hat sich um sie herum abgespielt. Gerade die alten Kirchen prägen unseren Ortskern. Sie stehen zu Recht unter Denkmalschutz. Kurzum: Kirchen- und Sakralbauten sind Häuser für alle Menschen, aber eben keine Häuser wie alle anderen. (Beifall SPD, CDU und Dirk Gaw (fraktionslos)) Meine Damen und Herren, die christlich-soziale Koalition hat aus eben jenen Perspektiven – der christlichen und der sozialen, aber auch der kulturhistorischen Perspektive – diesen Entschließungsantrag eingebracht, den die CDU mit der überaus geschätzten Kollegin Ines Claus als Setzpunkt auf die Tagesordnung gebracht hat. Vielen Dank dafür. (Beifall SPD und CDU) Weil eben jene Kirchen- und Sakralbauten uns in der Vergangenheit über Jahrhunderte hinweg gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägt haben, wollen wir uns gemeinsam auf den Weg machen, sie und ihre Wirkung für die Zukunft zu erhalten – eben auch als Häuser für alle. Denn trotz alledem stehen wir als Gesellschaft und auch die Kirchen vor einem strukturellen und durchaus auch einem finanziellen Wandel. Nicht alle Kirchen lassen sich bis in den kleinsten Ort hinein als Sakralgebäude weiter nutzen. Das lässt die Menschen vor Ort über eine Umnutzung oder eben auch eine erweiterte Nutzung nachdenken. Als Koalition wollen wir unserem christlich-sozialen Auftrag auch gerecht werden. Wir wollen jene Gesellschaft bei diesem Wandel nicht nur begleiten, sondern sie auch dabei unterstützen, diese Kirchen, diese Sakralbauten auch weiterhin als besondere Orte weiterzuentwickeln, damit sie im sozialen, im kulturellen und im gemeinschaftlichen Sinne im Mittelpunkt bleiben können – durchaus auch mit dem Bildungsgedanken und der religiösen Würde, die ihnen innewohnt, meine Damen und Herren. (Beifall SPD und CDU) So sagen wir heute ganz klar, dass wir als Koalition auch weiterhin Verantwortung für die Entwicklung gemeinsamer Lösungen vor Ort und dafür, wie die Bauten nachhaltig genutzt werden können, übernehmen werden. Wir gehen hierzu in den regelmäßigen Austausch mit den Kirchen, Kommunen, Verbänden und Initiativen – kurzum, mit der Gesellschaft vor Ort. Wir machen hierbei auch in diesem Hohen Hause noch einmal ganz deutlich – die Kollegin Claus hat es bereits getan –, welche religiöse Bedeutung, welchen historischen Wert diese Gebäude haben und dass wir die Entwicklung neuer Konzepte mit dem gebührenden Respekt vor dieser Bedeutung und auch vor den Eigentumsverhältnissen vor Ort angehen wollen. Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und der möglichst breite Nutzen für die Menschen vor Ort sollen im Fokus liegen, damit sie eben Mittelpunkt der gesamten Gesellschaft sein können. Meine Damen und Herren, mit diesem weiten Blick auf Gebäude und Gesellschaft wollen wir uns auf den Weg machen, diese zukunftsfähig zu machen – zu Orten für Ehrenamt, Bildung, Soziales, Kultur und Glauben. Wir schaffen einen Dialogprozess, der wirklich alle einbindet. Um sakrale Gebäude und ihre wichtige Rolle für unsere historische und gesellschaftliche Identität auch in Zukunft erhalten zu können, möchten wir dabei unterstützen, die Funktionen in vielfältigerem Umfang nutzen zu können. Möglich sind Modelle der erweiterten Nutzung – wir haben es gerade schon gehört –, vielleicht für eine Kita oder eine Schule, die es den Kommunen, aber auch den ansässigen Vereinen und Verbänden ermöglichen, eine gemeinsame Nutzung anzugehen. Hier kann man Synergien entwickeln. Wir setzen dabei – das ist uns an dieser Stelle auch ganz wichtig – nicht auf irgendeine Top-down-Regelung, die Vorschriften macht, wo keine notwendig sind. Diese Modelle werden gemeinsam auf Augenhöhe im regelmäßigen Austausch mit Kirchen, Kommunen, Verbänden, Denkmalbehörden, Initiativen, Stiftungen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren erarbeitet. Die Vernetzung steht an oberster Stelle. Denkmalschutz, Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und sozialräumliche Bedarfe, die wir je nach Ort haben, werden natürlich angemessen berücksichtigt. Damit werden diese Gebäude als Orte des Glaubens, der Kultur, des Ehrenamtes und der Gemeinschaft erhalten, ohne die religiöse Bedeutung der Gebäude einzuschränken. Natürlich wollen wir auch schauen, welche zusätzlichen Fördermöglichkeiten wir vom Bund und der Europäischen Union haben. Das könnte vielleicht auch das Infrastrukturprogramm einschließen. Gemeinsam wollen wir auch Abbau möglicher bürokratischer, rechtlicher oder tungspraktischer Hemmnisse vorantreiben. Es ist also Prozess, der alle Perspektiven einbindet – als zentrale der Gemeinschaft für die Zukunft. (Beifall SPD und CDU) Ich freue mich wirklich über diesen gemeinsamen der Verantwortung. Er stellt eine Win-win-Situation dar unsere Kirchengemeinden, Kommunen, Vereine, Verbände und vor allem für die Menschen vor Ort, für die wir Politik machen. Diese Dialoge, die bereits angegangen wurden, sind die Grundlage für vielleicht neue Synergien und Symbiosen unserer gesellschaftlichen Akteure, ob jetzt religiös oder ehrenamtlich orientiert sind. meine Damen und Herren: Wir möchten gemeinsam Orte mit einer solch tiefgreifenden religiösen und schen Bedeutung in jeder Hinsicht zukunftsfähig machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, daher lassen Sie schließen – auch das verbindet die Kollegin Claus mich –: Lassen Sie mit uns gemeinsam die Kirche im und stimmen Sie dem Antrag zu. – Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU und Dirk Gaw (fraktionslos))
