Dr. Ralf-Norbert Bartelt
Morgen Verehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kolleermögli- gen! Heute ist es so: Wenn nach der chirurgischen Behandlung eines Krebspatienten eine weitere Therapie anes geraten wird, weil noch Krebszellen im Körper vorhanschwere den sind oder vorhanden sein könnten, stehen uns heute eine die sogenannte zytostatische Behandlung oder die Bestrahlungstherapie zur Verfügung. Beide haben den Nachteil, dass sie den gesamten Körper betreffen, insbesondere sich schnell teilende Zellen, sodass es zu massiver Unverträglichkeit kommt. Darüber hinaus wirkt die Therapie nicht so schnell, wie die Krebszellen mutieren, sodass diese Behandlung irgendwann an das Ende ihrer Wirksamkeit stößt. Die neue, personalisierte Therapie hat hingegen den Ansatz, dass das eigene Immunsystem mobilisiert wird, diese Krebszellen selbst abzutöten. Eine Technik ist die sogenannte mRNA-Technik, bei der gegen die Krebszelle individuell eine Abwehrzelle mobilisiert wird, die dann diese Krebszelle abtöten kann. Dies kann mit weiteren immunologischen Verfahren kombiniert werden. Das führt zu einer besseren Verträglichkeit einerseits, und andererseits – das wurde uns bei einem Besuch in der Universitätsklinik Frankfurt erklärt – kann diese Therapie die Zellen so schnell abtöten, dass sie in der Geschwindigkeit die Mutationsfähigkeit der Krebszelle überholt. Das ist ein faszinierender Therapieansatz. Leider ist das noch nicht die First-Line-Therapie, also die primäre Therapieform, aber es gibt sehr viele hoffnungsvolle klinische Studien auf diesem Gebiet, insbesondere bei Krebsen, die sehr häufig sind, etwa bei dem Lungenkarzinom, dem malignen Melanom – was mich als Dermatologe sehr freut –, aber auch bei dem Ovarialkarzinom oder dem schnell wachsenden Pankreaskarzinom. Hier hat das Bundesland Hessen, insbesondere die Universität Frankfurt – aber auch andere Universitäten, auch in Kooperation mit dem Krebszentrum Heidelberg –, eine Spitzenstellung inne, und darauf können wir wirklich stolz sein. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Wie können wir diesen Prozess, das Engagement der Wissenschaftler und der Therapeuten, politisch begleiten? Dazu möchte ich kurz fünf Punkte nennen. Zum einen müssen wir stolz darauf sein und es auch bekannt machen, dass wir Hessen hier spitze sind, statt, wie es von einer anderen Partei einmal angeregt worden ist, die mRNA-Forschung aus ideologischen Gründen einzustellen. Das wäre völlig kontraproduktiv. (Beifall CDU und SPD) Zweitens wäre es eine Möglichkeit, zu prüfen, ob man diese Forschung in künftigen Hochschulpakten explizit nennen sollte. Ich habe mir dazu noch kein abschließendes Urteil gebildet, aber es wäre eine Überlegung wert. Drittens. Bei unserem Besuch in den Universitätskliniken Frankfurt am Main wurden wir gefragt, ob man sicherstellen könne, dass das Zulassungsverfahren unbürokratisch wird und auf die Gruppe, also auf das Prinzip der Therapie, zusammengefasst werden kann. Denn theoretisch ist es so, dass man für jeden einzelnen Patienten ein individuelles Medikament herstellt. Da könnte jemand auf die Idee kommen, für jede einzelne Therapie ein Zulassungsverfahren zu fordern. Das muss von vornherein ausgeschlossen werden. Da müssen wir den Wissenschaftlern Sicherheit geben. Weiterhin muss in die Diskussion über die Einsparung bei den Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen eingebracht werden, dass wir sicherstellen, dass das System der Rabattverträge, das sehr problematisch ist, auf solche innovativen Therapieformen keine Anwendung findet. Hierüber sollte man im Interesse der Krebspatienten noch einmal speziell diskutieren. Ein letzter Punkt. Man sollte die Beschlüsse des EU-Parlamentes nutzen, damit nicht nur das preisgünstigste, sondern auch das wirksamste und auch das in Deutschland und Europa hergestellte Medikament bei Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen Berücksichtigung findet. So wollen wir diesen hoffnungsvollen Therapieansatz durch eine Spitzenstellung in Hessen unterstützen. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU, SPD und Marcus Bocklet (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))
