Dr. Daniela Sommer
Nun hat für die Freien Demokraten der Abgeordnete Dr. Büger das Wort. Bitte sehr, Herr Kollege. Dr. Matthias Büger (Freie Demokraten): Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Eine Promotion ist der höchste akademische Grad, den man in Deutschland erwerben kann. Sie ist der Nachweis, dass der Promovierte zu vertiefter eigenständiger Arbeit fähig ist. Was muss deshalb das Wichtigste sein, wenn man an eine Promotion denkt? Was ist unser Anspruch? Ganz klar: Es kann und es muss nur die Qualität sein – ganz klar die Qualität. (Beifall Freie Demokraten) Aber leider sprechen wir heute nicht über die Qualität. Wir sprechen auch nicht über die Zustände an den Universitäten, mit denen die Doktoranden zu kämpfen haben. Dem Kollegen May bin ich dankbar, er hat davon gesprochen, aber die anderen Kollegen leider nicht. Nein, Sie feiern, dass vor zehn Jahren den Hochschulen für angewandte Wissenschaften unter bestimmten Bedingungen das Recht zugestanden wurde, Promotionen durchzuführen. Wir haben das als Freie Demokraten – das wurde auch schon erwähnt – seinerzeit kritisch gesehen, und zwar nicht, weil wir es den Hochschulen für angewandte Wissenschaften nicht gegönnt hätten, sondern weil wir in einer Ausweitung des Promotionsrechts mehr Risiken als Chancen gesehen haben und weil uns eine Vermischung der Profile von Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften nicht klug erschien. Was können wir jetzt nach zehn Jahren sagen? Ja, die Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind verantwortungsvoll mit dem Promotionsrecht umgegangen. Dafür möchte ich auch den Hochschulen für angewandte Wissenschaften danken. Aber wir sprechen hier ganz klar von einer kleinen Nische. In den letzten zehn Jahren wurden an hessischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften gerade einmal 100 Promotionen abgeschlossen, also im Schnitt zehn pro Jahr, bei – damit man ein Gefühl dafür hat – mehr als 2.000 Promotionen, die es an hessischen Universitäten gibt. Wir reden also von weniger als 0,5 %. Geschätzter Kollege Franz, das sind die zahlreichen Promotionen: weniger als 0,5 %. Im Übrigen arbeiten auch nach zehn Jahren mehr als 98 % der Doktoranden an einer Universität. Deswegen darf ich fragen: Hätte es für die 0,5 % der Promotionen nicht auch Lösungen in Kooperation zwischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten gegeben? Das muss man fragen. (Beifall Freie Demokraten – Zuruf Stephan Grüger (SPD)) Hierzu habe ich mir auch einen Rat von Experten eingeholt. Ich habe nämlich einmal geschaut, was der Wissenschaftsrat dazu sagt; er muss es wissen. Wir haben eine Studie ganz speziell zur Promotion vom Wissenschaftsrat aus dem Jahr 2023; da war das Promotionsrecht auch schon einige Jahre alt. Der Wissenschaftsrat schreibt: „Der Wissenschaftsrat spricht sich erneut dafür aus, die kooperative Promotion von Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die zur Wahrung der gemeinsamen Qualitätsstandards beiträgt, weiterhin zu stärken. Er fordert die Mitglieder beider Hochschultypen auf, diese Promotionsform auch künftig zu praktizieren.“ Ich finde, das ist deutlich. Vor allem: War das eigentlich mit den 0,5 % das drängendste Problem der hessischen Hochschullandschaft, dessen Lösung wir jetzt nach zehn Jahren so groß feiern? – Ich meine, nicht. Deswegen stelle ich fest: Das Promotionsrecht für einzelne Fachbereiche an Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist umgesetzt und wird sicher nicht mehr zurückgenommen. Das ist aufgrund der Erfahrungen auch okay. Bei 0,5 % der Promotionen ist das allerdings ein Nischenthema. Wir müssen aber Prioritäten setzen. Priorität hat für uns nur die Sicherung guter Bedingungen und der Qualität der Promotion, aber nicht die Ausweitung von Institutionen, die Promotionen anbieten. Das Traurige ist, dass Sie beim eigentlichen Thema sind. Ich höre, dass aufgrund des schlechten Hochschulpakts Promotionsstellen gestrichen werden. Das habe erst gestern wieder in der Diskussion gehört. Ich auch keine Qualitätsoffensive Promotion. Ich stelle dass sich die Landesregierung gern für Leistungen lobt. Deshalb ist mit Blick auf die Hochschulen leider Grund zur Sorge als zur Freude gegeben. Ich schließe dem ehemaligen Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft und der Deutschen Forschungsgemeinschaft an, Prof. Matthias Kleiner, der beim Festakt, bei dem ich war, sagte: „Wir brauchen nicht mehr Promotionen, dern bessere Promotionen.“ (Beifall Freie Demokraten) Sehr geehrte Damen und Herren, ich komme zum und schließe mit einem Wort von Nietzsche: „Die steckt in der Qualität.“ – Vielen Dank. (Beifall Freie Demokraten)
