Hartwig Jourdan
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Gagel, das haben Sie sich heute wieder einmal zurechtgelegt, wie Sie es immer so gern machen. Sie negieren den Klimawandel und wollen uns hier erzählen, dass steigende CO -Gehalte in der Atmosphäre grundlegend etwas Gutes sind und weltweit zu einem besseren Pflanzenwachstum führen. (Andreas Lichert (AfD): Das sagen nicht wir, das sagen Wissenschaftler!) – Das sagen Wissenschaftler, die Sie sich aussuchen. – Es gibt ganz viele weltweite Studien dazu. Ich empfehle Ihnen einen Wissenschaftler, der in Darmstadt Abitur gemacht hat, Justus von Liebig. Da können Sie sich einmal mit dem Gesetz vom Minimum befassen. Das kann ich Ihnen ganz genau erklären. (Zuruf Andreas Lichert (AfD)) Fakt ist, CO ist ein wichtiger Pflanzennährstoff. CO ist 2 2 ein ganz wesentlicher Treiber dafür, dass die Fotosynthese in der Pflanze funktioniert, dass die Pflanzen wachsen und Masse produzieren. Sie haben eben etwas von C3-Pflanzen erzählt. Sie haben gleichzeitig von Weizen und Mais gesprochen. Das ist schon ein ganz klarer Fehler. Da sieht man, dass Sie überhaupt keine Ahnung haben. Weizen ist eine C3-Pflanze, Mais ist eine C4-Pflanze. Das sind von ihrer Art her grundlegend andere Pflanzen. Ja, speziell bei C3-Pflanzen, beim Weizen, führt der etwas höhere CO -Gehalt durchaus zu höheren Erträgen. Gleichzeitig führt er aber zu massiven Qualitätsproblemen, weil andere Nährstoffe fehlen. So haben Sie dann zum Beispiel massive Probleme mit dem Eiweißgehalt im Korn. Das hat alles damit zu tun. Die C4-Pflanzen wie Mais oder Hirse profitieren von einer Änderung des Klimas. Auch das lässt sich ganz einfach erklären. Wer hätte denn vor 30 Jahren gedacht, dass in der Pfalz, dass im Hessischen Ried Melonen wachsen, dass Landwirte im Taunus Sonnenblumen anbauen? Ja, das ist eine Veränderung des Klimas, und deshalb funktioniert das. (Klaus Gagel (AfD): Ist das schlimm?) Aber gleichzeitig ist der Anbau massiv gefährdet von Änderungen des Klimas. Da kommen wir wieder zu dem besagten Justus von Liebig: Immer der Nährstoff, der am wenigsten vorhanden ist, bestimmt den Ertrag. – Wenn Sie etwas mehr CO haben, dann ist das erst einmal gut. Ganz klar ist aber auch, dass durch den menschengemachten Klimawandel – darüber brauchen wir nicht zu diskutieren – mehr CO in die Atmosphäre verbracht wird, als die Pflanzen verwerten können. Auch das ist Fakt, das dann auch den Pflanzen nichts mehr. (Klaus Gagel (AfD): Das stimmt nicht!) – Doch, das stimmt. (Zuruf AfD: Nein, das stimmt nicht!) – Sie suchen sich Ihre eigenen Studien. Bringen Sie nicht durcheinander damit. – Wenn jetzt die Pflanze derbar wächst, aber zu wenig – – (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Wiebke Knell (Freie Demokraten) – Klaus gel (AfD): Man will es nicht zur Kenntnis nehmen!) Justus von Liebig hat es schon Mitte der 1800er-Jahre erforscht. Wenn sie einen Nährstoff haben, der ausreichend ist, dann ist das wunderbar. Gleichzeitig fehlt ein stoff, der dann den maximalen Ertrag bestimmt. ist er immer nur so hoch wie der Nährstoff, der am nigsten vorhanden ist. Das ist das sogenannte Gesetz Minimum. Dazu gibt es ein wunderbares Schaubild, das das mit den Fassdauben. Das können Sie sich gerne in der landwirtschaftlichen Literatur heraussuchen. Ein Riesenproblem, verursacht durch den Klimawandel, sind natürlich auch die Hitzeperioden und mittlerweile ungleiche Verteilung von Niederschlägen. Bei den rüben haben wir heute zum Beispiel durch die Verlängerung des Vegetationszeitraums Erträge, die man vor Jahren nicht für möglich gehalten hätte, weil sie Anfang März ausgesät werden können, weil es ist, und dann noch bis in den November hinein können. Das kommt denen natürlich zugute. Das ist nur: Wenn es im August keinerlei Niederschläge, Gewitter gibt und über Wochen 35 Grad warm ist, kommt wieder unser Minimum zum Tragen – dann wird nämlich nichts, weil die Pflanzen schlicht und ergreifend vertrocknen.
