Frank Lortz
Vielen Dank. – Das Wort hat der Kollege Pürsün, FDPFraktion. Yanki Pürsün (Freie Demokraten): Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich eine junge Frau aus Hessen vor, Anfang 30, berufstätig, sportlich, engagiert, mitten im Leben. Nach einer Infektion kommt sie nicht mehr auf die Beine. Erst ist es Erschöpfung, dann Konzentrationsverlust, dann Kreislaufprobleme. Irgendwann wird der Weg vom Bett ins Bad zur Tagesaufgabe. Arbeiten geht nicht mehr. Freunde ziehen sich zurück, weil niemand versteht, warum ein Mensch, der doch gesund aussieht, nicht einfach wieder funktionieren kann. In Deutschland teilen über 650.000 Menschen ein ähnliches Schicksal. Viele von ihnen kämpfen doppelt, gegen die Krankheit selbst und gegen Zweifel, aber auch gegen ein Gesundheitssystem, das auf komplexe postinfektiöse Erkrankungen noch immer zu oft keine Antwort hat. Für uns Freie Demokraten ist klar: Betroffene dürfen nicht länger von Arzt zu Arzt geschickt werden, ohne ernst genommen zu werden. (Beifall Freie Demokraten) Wer krank ist, darf nicht zusätzlich durch ein träges System entmutigt werden. Betroffene brauchen eine Medizin, die zuhört, sauber diagnostiziert und wissenschaftlich arbeitet. Gleichzeitig müssen wir seriös bleiben. Auch bei Post-Vac braucht es Aufklärung, Forschung und Hilfe für Betroffene, ohne daraus eine pauschale Impfdebatte oder eine verschwörungsideologische Erzählung zu machen. Liberale Gesundheitspolitik bedeutet, Menschen ernst zu nehmen und nicht alleinzulassen, und gleichzeitig neue Therapiemöglichkeiten durch Forschung und Innovation zu eröffnen. Auch Sichtbarkeit ist ein wichtiger Faktor. ME/ CFS-, Long-COVID- und Post-Vac-Beschwerden müssen mehr Aufmerksamkeit in Forschung und Öffentlichkeit erfahren. (Beifall Freie Demokraten) Die Liegend-Demonstration vom 10. Mai in Frankfurt ist ein Beispiel dafür. Das fördert Akzeptanz. Sichtbarkeit allein reicht aber nicht. Es braucht konkrete Verbesserungen. Am 12. November vergangenen Jahres hat der Landtag den Antrag der Koalitionsfraktionen zur Verbesserung der Situation von Betroffenen einstimmig angenommen. Ich betone: einstimmig. Bei der SPD hatte ich so ein bisschen das Gefühl, dass sie noch, immer, weiter oder wieder im Oppositionsmodus ist. In diesem Antrag, den wir einstimmig verabschiedet haben, wurde vieles angekündigt: bessere Fortbildung, Schulungen für Rettungsdienste und Pflege, Informationsblätter für Schulen und Kitas, Hilfestellung zum Nachteilsausgleich, Haus- und Onlineunterricht, Prüfung von Unterstützung bei Existenzsicherung und Erwerbsminderung, Einsatz für Off-Lable-Therapien, Telemedizin und aufsuchende Versorgung. Das sind alles wichtige Punkte. Deshalb haben wir diesen Antrag gemeinsam beschlossen. Genau deshalb frage ich heute die Antragstellerin SPD: Was ist denn eigentlich der Anlass Ihrer Aktuellen Stunde gewesen? Von den anderen Fraktionen hat das niemand so richtig verstanden. (Zuruf Tobias Eckert (SPD) – J. Michael Müller (Lahn-Dill) (CDU): Das ist ja wie bei euch!) – Nein, alle haben zugehört. Anscheinend habt ihr nicht zugehört, weil alle Redner gewisse Zweifel geäußert haben. (Tobias Eckert (SPD): Nee!) Gibt es in der SPD-Fraktion Zweifel an der Arbeit des Gesundheitsministeriums? Als kritischer Oppositionsabgeordneter habe ich diese Zweifel nicht. Deswegen verstehe ich nicht den Anlass dieser Aktuellen Stunde. (Beifall Freie Demokraten und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Kollegin Sommer hat das UKGM angesprochen. UKGM spielt eine wichtige Rolle im Land Hessen. wegen kann ich auch nur an alle Fraktionen und an Landesregierung appellieren, das UKGM im Vergleich anderen Gesundheitsinstitutionen gleichwertig zu fördern. Ich habe es damals im Plenum schon betont und will auch heute noch einmal unterstreichen. Wir Freie kraten fordern mehr Forschung, schnellere Diagnostik weniger Bürokratie. Wir brauchen klare Fortbildungsangebote für Hausärztinnen und Hausärzte, eine bessere zung von Universitätsmedizin, niedergelassenem Reha, Sozialmedizin und Selbsthilfe. Wir brauchen eine gitale Reha und Telemedizin sowie individuelle Bildungsund Teilhabemöglichkeiten für betroffene Kinder und gendliche. Schließlich müssen wir Kinder und Jugendliche und Familien besonders in den Blick nehmen. Wer heitsbedingt nicht regelmäßig in die Schulen kann, individuelle Lernwege, aber keine zusätzlichen Wer Angehörige pflegt, braucht Orientierung statt ein ständigkeits-Pingpong. Die liberale Antwort heißt: mehr Wissen, mehr Innovation, mehr Zugang, mehr Selbstbestimmung. Die Betroffenen können nicht warten. Deshalb muss aus Awareness Versorgung werden. (Beifall Freie Demokraten)
