Astrid Wallmann
Vielen Dank. – Als Nächster hat der Abgeordnete Yanki Pürsün von den Freien Demokraten das Wort. Yanki Pürsün (Freie Demokraten): Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Psychotherapeutische Versorgung geht uns alle an. Wir sprechen über Menschen, die in einer Krise Hilfe brauchen, über Kinder, die nicht mehr in die Schule gehen können, über Jugendliche, die unter Angst, Depressionen und Essstörungen leiden, über Eltern, die monatelang telefonieren und trotzdem keinen Therapieplatz finden. Deshalb sage ich zu Beginn ganz klar: Ich bin dankbar für diesen Setzpunkt – wir haben auch einen Antrag geschrieben, der vielleicht auch so auf die Tagesordnung gekommen wäre –, und drei verschiedene Anträge zu diesem Thema zeigen sehr deutlich, welchen Stellenwert die psychotherapeutische Versorgung in der öffentlichen Debatte einnehmen sollte. Genauso deutlich will ich das Engagement der vielen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Hessen hervorheben. Sie leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag, um psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Versorgungslage ist vielerorts angespannt, besonders für Kinder und Jugendliche und außerhalb der Ballungsräume. Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zahlen sind deutlich: 2025 fühlte sich ein Viertel der Schülerinnen und Schüler psychisch belastet, 2024 waren es noch 21 %. Besonders betroffen sind Kinder aus einkommensschwächeren Familien. Das ist ein Warnsignal aus unseren Klassenzimmern. Auch in Hessen sehen wir die Folgen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes waren psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen im Jahr 2024 der häufigste Grund für stationäre Krankenhausbehandlungen bei 15- bis 25- Jährigen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 26,8 Tagen. Auch arbeitsmarktpolitisch ist das Thema mehr als relevant. Der DAK-Psychreport Hessen weist für 2024 ca. 348 Fehltage je 100 Versicherte aufgrund psychischer Erkrankungen aus, leicht über dem Bundesdurchschnitt von 342 Fehltagen. Vor diesem Hintergrund ist die Absenkung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um zum 1. April 2026 das völlig falsche Signal. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die KBV weist darauf hin, dass fast alle entsprechenden Leistungen betroffen sind, also auch Sprechstunde Akutbehandlung. So bleibt die politische Frage: Ist wirklich der Zeitpunkt, ambulante psychotherapeutische Praxen wirtschaftlich zusätzlich unter Druck zu setzen? Wir Freie Demokraten sagen Nein. Viele Praxen bereits an ihrer Belastungsgrenze: mehr Patientinnen Patienten, mehr Krisen, mehr Verantwortung, aber Vergütung. Das ist die völlig falsche Botschaft an nigen, die diese Versorgung täglich tragen. Wer neue derlassungen im ländlichen Raum will, darf Praxen mit zusätzlicher Unsicherheit belasten. Wer psychische Krisen früher behandeln will, darf die Akutversorgung nicht schwächen. Wir Freie Demokraten sehen – wie auch die GRÜNEN den Bund in der Pflicht. Aber an dieser Stelle formulieren wir eine klare Erwartung: Die Landesregierung muss beim Bund für eine Korrektur der Absenkung einsetzen und die Bundesgesundheitsministerin auffordern, ihre anstandungs- und Ersatzfestsetzungsmöglichkeiten zu fen. (Beifall Freie Demokraten) Die rechtliche Prüfung laufe noch, hört man aus BMG. Zeit wäre also da. CDU und SPD vermeiden klare Position gegen diese Kürzung, obwohl Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten landesweit protestieren. Wer psychische Gesundheit zur Priorität erklärt, darf bulante Versorgung nicht gleichzeitig schwächen. (Beifall Freie Demokraten und Katy (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Wenn Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Landtag schreiben und auf die Straße gehen, dann sie keine ausweichenden Prüfvermerke, sondern politische Haltung. (Unruhe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Glockenzeichen) Während Betroffene monatelang auf Hilfe warten Therapeutinnen und Therapeuten protestieren, diskutiert die Politik über Zuständigkeiten und Rechenmodelle. zeigt, wie weit Teile dieser Debatte inzwischen von Realität der Versorgung entfernt sind. Gefragt sind kennung für die Arbeit, Respekt für Leistung, Sicherung der Versorgung und Sicherung der Zukunft des Berufes. CDU und SPD verweisen auf runde Tische, Gremien Koordinierungsstellen. Austausch ersetzt keine Therapieplätze. Runde Tische behandeln keine Patientinnen Patienten. Koordinierungsstellen verkürzen keine langen Wartezeiten. Nehmen wir als Beispiel die psychologie. 155 Stellen sind ein erster wichtiger Schulpsychologie ist wichtig, ersetzt aber nicht die lante Kinder- und Jugendpsychotherapie. Besonders deutlich wird das bei den Krisendiensten. und SPD sprechen von leistungsfähigen Krisendiensten. Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine ge vom Juni 2025 zeigt aber, dass ihr entsprechende senhilfen nur in einzelnen Regionen bekannt waren, etwa 4,5 % im Schwalm-Eder-Kreis, in Frankfurt und im Kreis Darmstadt-Dieburg. Eine landesweite Krisenhotline wurde nicht eingeführt. Einzelne regionale Angebote ersetzen keine flächendeckende hessische Krisenstruktur. Sie zeichnen ein Bild von Versorgungssicherheit, das und den tatsächlichen Behandlungskapazitäten nicht vollstänjetzt dig entspricht. Das führt zum Kernproblem: der Bedarfsplanung. Auf dem Papier gilt ein Gebiet als gut versorgt, während Eltern monatelang verzweifelt nach Hilfe für ihr Kind suchen. Die Kassensitze allein sagen wenig über rearbeiten elle Wartezeiten, Teilzeitquoten oder regionale Erreichbarund keit aus. Deshalb sagen wir in unserem Antrag: „Rechneweniger rische Überversorgung darf reale Versorgungslücken nicht diejeverdecken.“ Hessen braucht ein echtes Versorgungsbild: Nienicht (Beifall Freie Demokraten und Lara Klaes (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Wo fehlen Angebote? Wie lange sind Wartezeiten? Wo – sind Krisenhilfen nicht erreichbar? Laut KV Hessen wurde der Bedarfsplan 2026 ohne Beanstandung durch das hessische Gesundheitsministerium beschlossen. Daher sich muss sich die Landesregierung, wenn sie die Diskrepanz Be- zwischen rechnerischer Versorgung und realen Terminen kennt, fragen lassen: Warum handelt sie nicht offensiver? prüWarum wartet Schwarz-Rot auf Bundesreformen, statt die hessischen Handlungsspielräume konsequent zu nutzen? Ein weiterer Punkt ist die Weiterbildung. Die GRÜNEN dem eine sprechen die Finanzierung richtigerweise an. CDU und SPD erkennen die Bedeutung an. Aber Anerkennung schafft keine Weiterbildungsstellen. Wir Freie Demokraten am- hingegen fordern ein hessisches Konzept, das gemeinsam mit Hochschulen, Kammern, Kliniken, ambulanten Weiterbildungsstätten und Krankenkassen aufgesetzt wird. Alle Walther Räder müssen ineinandergreifen. dem (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) erwarten Wer morgen Versorgung will, muss heute die Ausbildung und die Weiterbildung sichern. Schließlich müssen wir über modernere Zugänge sprechen. Niedrigschwellig heißt nicht, dass es nur mehr Broschüren und gibt. Niedrigschwellige Zugänge bedeuten heute auch digitale Terminvermittlung, Videosprechstunden und hybride Das Behandlungsmodelle. Das ersetzt keine Präsenztherapie. der Aner- Aber das kann Wege verkürzen und Erstkontakte erleichtern. Das kann gerade im ländlichen Raum helfen. Auch das steht in unserem Dringlichen Antrag. und Wer die psychotherapeutische Versorgung schwächt, spart nicht. Er verschiebt das Leid. Die Menschen dieses Landes und erwarten zu Recht mehr als Prüfaufträge und Zuständigmonatekeitsdebatten. Wer Hilfe braucht, braucht einen erreichbaSchulren Termin und keine statistische Versorgung. Deswegen Schritt. brauchen wir in Hessen realistische Bedarfsplanung, verambulässliche Weiterbildung, digitale Zugänge und erreichbare Krisenhilfen. Genau dafür steht unser Dringlicher Antrag. Ich bitte Sie: Stimmen Sie dem Dringlichen Antrag der CDU Freien Demokraten zu. – Vielen Dank. Anfra- (Anhaltender Beifall Freie Demokraten) Kri-
