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Heike Hofmann

20.05.2026 Sitzungen 21/68

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Stellen Sie sich ein Kind in den Fünfziger-, Sechzigerjahren vor, ein Kind, das in seiner Familie, in seinem nächsten Umfeld die Gebärdensprache spricht und damit in seinem familiären Umfeld Kontakt hat, und wie selbstverständlich die Gebärdensprache Teil des Lebens dieses Kindes ist. Es kann sich mit dieser Gebärdensprache ausdrücken, verständlich machen und teilhaben. Langsam, Schritt für Schritt, kommt es mit mehr Menschen in der Außenwelt, mit unserer Gesellschaft in Kontakt, mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen, eine Sprache, die man hören muss, eine Sprache mit einer anderen Grammatik, sodass selbst die Schriftsprache für das Kind nur schwer oder gar nicht zugänglich ist. Das ist schon verdammt schwer, meine Damen und Herren. Dann stellen Sie sich vor, dass das Kind etwa in eine Schule kommt und verboten bekommt, unter Strafe gestellt bekommt, in der Gebärdensprache zu kommunizieren, das zu machen, was für das Kind selbstverständlich und überlebensnotwendig ist. Dieses Kind, von dem ich gerade spreche, heißt Martin. Es wird gezwungen, Lautsprache zu verwenden, die er weder hören noch sprechen kann. Er soll Lippenlesen, obwohl nur 30 % der Buchstaben am Mundbild erkennbar sind. Martins Kultur, Sprache, Identität werden völlig ignoriert und fast geleugnet. Meine Damen und Herren, das Schicksal Martins ist kein alleiniges Schicksal. Es wird leider von vielen gehörlosen Menschen aus dieser Zeit bis in die jüngere Vergangenheit hinein geteilt. Mit dem Antrag, den CDU und SPD in das Parlament eingebracht haben, schafft dieses Parlament ein historisches Ereignis, zu sagen: Es sind historische Fehler begangen worden, die wir sehen und anerkennen. – Danke für diesen historischen Antrag, für dieses starke Signal und Zeichen. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Meine Damen und Herren, lassen Sie mich ein anderes Zitat verwenden, was Sprache bedeutet: „Sprache ist das Tor zur Welt.“ Wenn ich nicht sprechen kann, wenn ich mich nicht ausdrücken kann, dann bedeutet das nicht nur mangelnde Teilhabe allgemein, sondern das bedeutet Einsamkeit, Ohnmacht, Scham, Frustration, Angst. Wenn Menschen in solchen Lebenssituationen sind, dann hat das nicht nur schlimmste Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit, sondern auch gravierende Folgen für ihr komplettes späteres Leben. Deshalb ist es so wichtig, dass wir mit dem heutigen Antrag nicht nur dieses Leid, das es über Jahrzehnte bis in die jüngere Vergangenheit hinein gegeben hat, sichtbar machen, sondern uns auch klar dazu bekennen, dass hier gravierende Fehler gemacht worden sind. (Beifall CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE NEN) Gleichermaßen ist es wichtig, dass wir anerkennen sagen, wo wir heute stehen und was wir erreicht haben. Ich bedanke mich bei Ihnen, den Verbänden und ven, den Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetschern, Ihnen allen, die heute zu dieser batte erschienen sind. Das ist ein wichtiges Signal an heutigen Tag. Meine Damen und Herren, obwohl wir gedenken, zu machen, was wir bis heute erreicht haben und auf chem Weg wir sind, ist gleichermaßen wichtig: Wir fen alle für eine inklusivere Gesellschaft – zumindest demokratischen Kräfte arbeiten gemeinsam –, weil sie bessere Gesellschaft ist. Herr Enners, ich will Ihnen klar widersprechen: on ist ein universelles Menschenrecht. Das haben Sie Kenntnis zu nehmen und zu realisieren. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Auch durch das großartige Engagement, den Mut die Entschlossenheit vieler gehörloser oder hörbehinderter Menschen, durch ihre Lebensleistung, ihren Mut und re Entschlossenheit, trotz aller Widrigkeiten ihren weg zu gehen, können wir heute sagen, was wir alles reicht haben. Etwa, dass die Gebärdensprache Anfang 2000er-Jahre anerkannt wurde. Das entsprechende blinden- und Gehörlosengeld wurde eingeführt. Herr Martin, wir werden das Gesetz nach der Sommerpause angepasst, novelliert, erneuert, verbessert in den schen Landtag einbringen. Das werden wir so machen. Wir haben uns in vielerlei Hinsicht professionalisiert. die Menschen unterstützen wir für mehr Teilhabe und Barrierefreiheit, etwa indem wir die Beratungsstrukturen für Familien verbessert und Barrieren abgebaut haben. sage Ihnen deutlich: Die Gebärdensprache und Gehörlosenkultur sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft, dazu steht diese Landesregierung. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt Freie Demokraten) Meine Damen und Herren, ich will an dieser Stelle eines deutlich machen: Die Gebärdensprache und Gehörlosenkultur anzuerkennen, bedeutet auch, dass es für Menschen nicht erstrebenswert ist, solch eine Fähigkeit Hörens zu besitzen, oder auch keine Norm, die sie len möchten. Die Entscheidung für oder gegen das ist eine ganz persönliche, individuelle Entscheidung. welche Entscheidung man trifft: Sie sind Teil unserer sellschaft, sie sind mitten in unserer Gesellschaft, und ist zentral. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt Freie Demokraten) Meine Damen und Herren, die Landesregierung hat Fördermittel für die Sozialberatungsstelle für hörbehinderte und gehörlose Menschen trotz angespannter Haushaltslage mehr als verdoppelt, weil uns dieses Thema der sion und Teilhabe so wichtig ist. Herr Pürsün, zum Thema, das Land Hessen müsse bei Digitalisierung der Barrierefreiheit noch mehr tun: Das GRÜ- genteil ist der Fall. Wir sind beim Thema barrierefreie IT Spitzenreiter bundesweit mit unserer Landesbeauftragten Prof. zu Bexten und der ressortübergreifenden Zusammenund arbeit mit Prof. Sinemus. Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist Hessen führend, und das wird so bleiben. Initiati- (Beifall CDU und SPD) De- Ja, wir haben ein Maßnahmenpaket angekündigt – nicht dem nur angekündigt, sondern wir werden es auch in diesem Jahr umsetzen. Wir wollen die Deutsche Gebärdensprache noch bekannter machen und den Mangel an Gebärdendeutlich sprachdolmetschern mit verschiedenen Maßnahmen minweldern. Dieses Maßnahmenpaket werden wir jetzt Schritt für kämpSchritt umsetzen, damit unsere Gesellschaft noch inklusidie ver und noch besser wird. eine (Beifall CDU und SPD) Es ist wichtig – so, wie es in dem Antrag angesprochen Inklusiworden ist –, dass die Weiterentwicklung bilingualer und zur barrierefreier Bildungsangebote für Kinder und Familien erfolgt, dass vollwertige sprachliche Zugänge in die Deutsche Gebärdensprache erfolgen und bilinguale Konzepte in Bildungseinrichtungen sowie die Elternberatung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit gestärkt werden. Genau und das tut die Hessische Landesregierung. ih- Der Antrag implementiert die Frage, wie der Zugang zur Lebens- Gebärdensprache unabhängig vom technischen Hörstatus ergesichert werden kann und wie betroffene Fachkräfte und der Familien noch besser unterstützt werden können. Das ist Landes- Bestandteil des Antrags. Das ist nicht nur eine gesundheitliche Frage, sondern eine Frage von Barrierefreiheit und Teilhabe. Deshalb ist es gut, dass es in diesem Antrag ausdrücklich Platz findet. Hessi- (Beifall CDU und SPD) Auch mehr

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