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Jennifer Gießler

CDU 20.05.2026 Sitzungen 21/68

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir heute über Sprachdeprivation bei gehörlosen und stark hörgeschädigten Menschen sprechen, dann sprechen wir über weit mehr als Sprache. Wir sprechen über Lebenswege, Chancen, die genommen wurden, und über Inklusion. Wir sprechen darüber, ob Menschen von Anfang an die Möglichkeit haben, selbstbestimmt mitten in unserer Gesellschaft zu leben. Was das Fehlen von Sprache bedeutet, hat mein Kollege Dirk Bamberger gerade sehr eindrücklich geschildert, und ich möchte alle Betroffenen um Entschuldigung bitten. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Ich freue mich, dass so viele aus der Community heute hier sind. Heute wissen wir, fehlender barrierefreier Sprachzugang kann schwerwiegende Folgen haben für die kognitive Entwicklung, für die emotionale Entwicklung, für schulische Chancen und für das gesamte weitere Leben. Genau das beschreibt der Begriff Sprachdeprivation. Besonders wichtig ist dabei: Der Zugang zur Deutschen Gebärdensprache darf nicht vom technischen Hörstatus abhängig gemacht werden. Auch moderne Hörhilfen und Cochlea-Implantate ersetzen keinen sicheren und barrierefreien Zugang zur Sprache. Jedes Kind braucht die Chance auf eine vollwertige Sprachentwicklung von Anfang an. Meine Damen und Herren, wir haben in Hessen in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte gemacht durch bessere Frühförderung, stärkere Beratungsangebote und die Weiterentwicklung bilingualer Bildungsangebote. Doch die Herausforderungen bleiben noch groß. Echte Inklusion endet nicht mit einem gesetzlichen Anspruch, sie muss im Alltag funktionieren, in der Kita, in der Schule, in der Ausbildung, im Berufsleben, bei Behördengängen und Arztbesuchen, im Ehrenamt und auch hier im politischen Prozess. Deshalb ist der frühe Zugang zu Sprache so entscheidend. Kinder dürfen nicht erst später aufholen müssen. Sie brauchen von Anfang an die Möglichkeit, Sprache vollständig zu erleben, unabhängig davon, ob dies lautsprachlich, gebärdensprachlich oder bilingual geschieht. Es muss auch eine individuelle Entscheidung sein, welche Schule persönlich die richtige Wahl ist. Wir brauchen ausreichend Gebärdensprachedolmetscherinnen und Gebärdensprachedolmetscher. Wir brauchen mehr Sensibilität für Barrierefreiheit bei Behörden, Bildungseinrichtungen und im Gesundheitswesen, und wir müssen dafür sorgen, dass moderne Technik, Digitalisierung und künstliche Intelligenz nicht neue Hürden schaffen, sondern Chancen für mehr Teilhabe eröffnen. Meine Damen und Herren, eine inklusive Gesellschaft entsteht nicht von allein. Sie entsteht dort, wo Barrieren erkannt und konsequent abgebaut werden, zuallererst im Kopf. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten)

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