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Astrid Wallmann

20.05.2026 Sitzungen 21/68

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Bamberger. – Als Nächster hat der Abgeordnete Yanki Pürsün von den Freien Demokraten das Wort. Yanki Pürsün (Freie Demokraten): Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gibt politische Debatten, bei denen man sehr genau aufpassen muss, dass man nicht nur über Menschen spricht, sondern mit Menschen. Mit Menschen, deren Leben durch politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen geprägt wurde. Genau darum geht es heute. Viele gehörlose und stark hörgeschädigte Menschen in Hessen haben erlebt, dass ihnen etwas Grundlegendes nicht selbstverständlich offenstand: der Zugang zur Sprache. Sprache ist weit mehr als Kommunikation. Sprache bedeutet Bildung, Teilhabe, Selbstbestimmung, Nähe, Vertrauen und Freiheit. Für uns Freie Demokraten ist klar: Das ist kein Randthema der Sozialpolitik. Das ist eine Frage von Bürgerrechten. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt SPD) Es geht darum, ob Menschen ihr Leben selbstbestimmt führen können oder ob sie durch Barrieren, Bürokratie oder fehlende Angebote daran gehindert werden. Wer Kindern den Zugang zur Sprache erschwert, erschwert ihnen oft ein ganzes Leben lang gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb ist es richtig, dass die historische Sprachdeprivation gehörloser und hörgeschädigter Menschen hier und heute klar benannt wird. Deshalb ist es auch richtig, dass der Hessische Landtag anerkennt, dass es über viele Jahre Fehlentwicklungen gab, die für Betroffene reale Folgen hatten. Viele Hörende unterschätzen bis heute, was fehlende barrierefreie Kommunikation bedeutet. Selbst geübtes Lippenlesen bleibt immer bruchstückhaft und fehleranfällig. Man stelle sich vor, in der Schule, beim Arzt, im Bewerbungsgespräch oder bei einer Behörde nur Teile dessen zu verstehen, was gesagt wird. Das ist keine gleichberechtigte Teilhabe. Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, aus heutiger Sicht wirkt vieles kaum vorstellbar: dass gehörlosen Kindern der Zugang zur Deutschen Gebärdensprache häufig erschwert oder institutionell nicht ermöglicht wurde, dass einseitig auf Lautsprache gesetzt wurde, dass man glaubte, Teilhabe entstehe dadurch, dass Betroffene sich möglichst weit an die hörende Mehrheitsgesellschaft anpassen sollten. Heute wissen wir, dass sich das für viele Betroffene nicht als Förderung, sondern als Einschränkung ausgewirkt hat. Das muss man offen aussprechen. Aber auch das gehört zur Ehrlichkeit. Historische Verantwortung anzuerkennen heißt auch, Fehlentwicklungen offen zu benennen, ohne ihre Folgen zu relativieren. Das entbindet nicht von Verantwortung. Unser Auftrag ist, es besser zu machen. Zwar wurden bereits Schritte unternommen. Ein wichtiger Meilenstein ist aber gerade einmal zwei Jahrzehnte Erst im Jahr 2002 wurde die Deutsche Gebärdensprache Deutschland rechtlich als eigenständige Sprache anerkannt. Das bedeutet, die Folgen von Sprachdeprivation noch bis in die Gegenwart. Hier müssen weitere gegangen werden. Für uns Freie Demokraten ist dabei zentral: Es darf mals um ein ideologisches Entweder-oder gehen – Gebärdensprache oder Lautsprache, technische Unterstützung oder DGS, Inklusion oder spezialisierte Förderung. Unser Maßstab ist ein anderer: Was hilft dem einzelnen Menschen? Was ermöglicht dem einzelnen Kind den ten Zugang zu Sprache, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe? Wir Freie Demokraten sagen: keine Schablonen, keine Bevormundung, keine Einheitslösung, sondern viduelle Chancen durch frühe Förderung. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt CDU) Wir sind der Auffassung, dass gute Sozialpolitik früh setzen muss, nicht erst dann, wenn Defizite entstanden sind. Frühkindliche Förderung, frühe Diagnostik und linguale Konzepte sind hierfür zentrale Instrumente. sagen aber auch klar: Frühe Förderung darf nicht nur dem Papier stehen. Sie muss erreichbar sein in der Stadt, genauso wie ländlichen Raum. Ob ein Kind frühzeitig Unterstützung bekommt, darf nicht davon abhängen, ob eine in Frankfurt, Kassel, im Vogelsberg oder im Odenwald lebt. Gerade im ländlichen Raum fehlen oft Fachkräfte, Beratungsangebote oder ambulante Strukturen. Aber dort entscheidet sich, ob frühe Förderung tatsächlich tioniert. Deshalb bleibt aus unserer Sicht auch Kritik notwendig. Der Antrag beschreibt historische Verantwortung, gute sichten und richtige Ziele. Aber an einigen Stellen bleibt unkonkret. Es ist viel von Weiterentwickeln, Prüfen, barmachen und Stärken die Rede. Wir messen die nicht an Überschriften, wir fragen: Was kommt konkret den Menschen an? Denn die eigentlichen Herausforderungen liegen doch in: Es gibt zu wenige Gebärdensprachdolmetscher, en warten teilweise lange auf Beratung, Unterstützungsangebote sind regional nur sehr unterschiedlich verfügbar, barrierefreie Kommunikation ist im Alltag vielerorts immer nicht selbstverständlich. Ein Schwerpunktjahr symbolische Anerkennung allein reichen nicht aus. Was wir brauchen, ist echte Teilhabepolitik: eine die Barrieren abbaut, statt Zuständigkeiten zu verschieben, eine Politik, die Familien wirklich stärkt, statt sie mit Bürokratie alleinzulassen, und eine Politik, die Möglichkeiten konsequent nutzt. Denn Barrierefreiheit heute auch eine digitale Frage. Wie steht es um den Zugang zu allgemeinen Warnsystemen? Eine moderne Verwaltung muss für alle erreichbar sein, auch für Menschen, die anders kommunizieren. gitale Verwaltungsleistungen, Informationen in Gebärdensprache, einfache Zugänge zur Unterstützung und Zuständigkeiten dürfen kein Zukunftsversprechen sie müssen Standard werden. heute (Beifall Freie Demokraten) Andere Länder zeigen bereits, wie das besser funktionieren kann. In Sachsen-Anhalt zum Beispiel werden Behörden her. gezielt dabei unterstützt, digitale Verwaltungsangebote barin rierefrei und auch in Gebärdensprache zugänglich zu machen. Hier könnte Hessen etwas ambitionierter sein. reichen Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und KolSchritte legen, Teilhabe bedeutet für uns vor allem eines: Das Ziel muss es sein, den Menschen größtmögliche Selbstbestimnie- mung und Unabhängigkeit im Alltag zu ermöglichen. Das nicht gilt auch und gerade für Menschen mit Behinderungen. Viele gehörlose Menschen verstehen sich auch als Teil einer eigenen Sprach- und Kulturgemeinschaft. Genau diesen Respekt schulden wir ihnen. besDie eigentliche Arbeit beginnt erst nach dieser Debatte; denn die gute Absicht allein schafft noch keine Teilhabe. Entscheidend ist einmal mehr, ob daraus konkrete Verbesindiserungen entstehen: mehr Fachkräfte, schnellere und unkompliziertere Unterstützung, mehr Wahlfreiheit, mehr digitale Barrierefreiheit, mehr echte Teilhabe im Alltag. Ich bin überzeugt, eine freie Gesellschaft erkennt man nicht andaran, wie laut die Mehrheit spricht, sondern daran, ob auch diejenigen selbstverständlich dazugehören, die anders bikommunizieren. Wir auf (Beifall Freie Demokraten, vereinzelt CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) im

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