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Lena Arnoldt

CDU 19.05.2026 Sitzungen 21/67

müs- Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kolsein, legen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben heute eine lange, teilweise gute Debatte geführt. Viele Mög- mussten lange suchen, bis sie das Haar in der Suppe gefunden haben. Einige waren hungrig, manche waren müde. (Vereinzelter Beifall CDU – Zurufe AfD: Hä? – Was?) Erlauben Sie mir, am Ende dieser Aussprache den Blick noch einmal zu weiten und zugleich auf einen Ort, auf ein Konzept und auf einen Anspruch zu konzentrieren. Staatsminister Jung hat die Markthalle Werra-Meißner in Eschwege ausdrücklich genannt. Ich danke ihm für diese Erwähnung. Ich möchte Sie heute an diesen Ort mitnehmen, weil er für unsere ganze Initiative „Hessen schmecken“ sinnbildlich ist. Ich freue mich sehr, dass Lisa Roth-Gebhard vom Verein für Regionalentwicklung für die Initiative der Markthalle Werra-Meißner heute auch zu Gast ist und der Plenardebatte folgt. Die Markthalle liegt in der Klosterstraße 1 in Eschwege auf dem Gelände der alten Klosterbrauerei. Wer dort früh am Morgen vorbeikommt, sieht etwas, was so ganz und gar nicht zu den Klischees passt, die die Kollegen Schleich und Knell und manch andere in dieser Debatte über den ländlichen Raum verbreitet haben. Man sieht keinen Niedergang, man sieht keine resignierten Betriebe, sondern man sieht Lieferwagen, die mit Möhren, mit Kartoffeln, mit Fleisch, mit Milch und mit Käse anrollen. Man sieht auch Ahle Worscht – an dem Tag, an dem der Staatsminister da war, war die anscheinend ausverkauft. Man sieht eine Halle, in der Listen abgearbeitet werden, in der Bestellungen kommissioniert werden, in der Waren verteilt werden, die in der Region erzeugt wurden und in der Region nachgefragt werden. Man sieht Menschen, die wissen, was sie tun: die Landwirtinnen und Landwirte, die hier liefern, und das Team der Markthalle, das täglich dafür sorgt, dass aus Erzeugnissen Produkte und aus Produkten verlässliche Lieferungen werden. Meine Damen und Herren, das ist die Markthalle Werra-Meißner. Sie ist mehr als ein lokales Projekt. (Beifall CDU und vereinzelt SPD) Sie ist das beste Anschauungsbeispiel dafür, was die Regionalität in Hessen heute leistet und worauf wir mit „Hessen schmecken“ politisch aufbauen. Erlauben Sie mir, kurz von den Anfängen zu erzählen. Denn dort liegt der entscheidende Gedanke. Die Idee für eine Markthalle entstand nicht in einem Ministerium. Sie entstand im Kreisbauernverband Werra-Meißner. Der Geschäftsführer und der Vorsitzende haben sich vor einigen Jahren eine sehr einfache Frage gestellt. Sie lautete: Wenn wir bei uns vor Ort hochwertige Lebensmittel erzeugen, warum gelangen sie dann nicht in die Großküchen, Kantinen und Mensen, die diese Region versorgen? Warum fährt ein Lkw mit Kartoffeln aus Norddeutschland an einem Acker mit hessischen Kartoffeln vorbei, um in einer hessischen Schulküche entladen zu werden? Auf diese Fragen ist eine Antwort gewachsen, eine Antwort, an der mehrere Hände gleichzeitig gearbeitet haben. Der Kreisbauernverband, der Verein für Regionalentwicklung, die Ökomodellregion Nordhessen und eine erste Förderung mit LEADER-Mitteln des Landes und der Europäischen Union machten 2021 den Aufbau möglich. Aus einer Idee wurde eine Halle. Aus einer Halle wurde eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts aus Landwirtinnen und Landwirten. Aus einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts wurde ein Vertriebssystem, das heute wöchentlich aktualisierte Angebote an Großküchen, Caterer, Kantinen und die Gastronomie verschickt. Das geschieht telefonisch, per Mail, per WhatsApp, und zwar ohne einen Mindestbestellwert, frei Haus geliefert. Es ist keineswegs nur die Rohware, die ausgeliefert wird; das sind auch geschälte Kartoffeln und gewürfelte Zwiebeln. Das sind genau die vorverarbeiteten Produkte, die eine Großküche tatsächlich verarbeiten kann und ohne die ein Küchenchef im einengenden Alltag eben doch wieder zu Produkten des standardisierten Großhandels greift. Das ist Regionalität, wie sie funktionieren muss, nicht als Etikett, nicht als Erzählung, sondern als verlässliche Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller. Das ist eine Erfolgsgeschichte. (Beifall CDU und vereinzelt SPD) Im September des vergangenen Jahres durfte ich beim Abend der heimischen Landwirtschaft in Eschwege dabei sein. Staatssekretär Michael Ruhl hat dem Kreisbauernverband an diesem Abend einen weiteren gezielten Förderbescheid in Höhe von 80.000 Euro überreicht, um die Vermarktung regionaler Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung weiter zu stärken. Im Januar dieses Jahres stand das Team der Markthalle erstmals in der Hessenhalle auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Vorbereitet wurde das von der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen. Es gab Mohn vom Meißner, Fleisch aus der Region, Nudeln und Honig. Das war ein kleines, konzentriertes Nordhessen mitten in der Hauptstadt. Das ist eine Win-win-win-Situation. Das ist gut für den Erzeuger, gut für den Verarbeiter und gut für den Verbraucher. Genau dieses Dreieck können Sie in der Markthalle Werra-Meißner mit Händen greifen. Der Landwirt bekommt einen besseren Preis, weil er nicht über fünf Zwischenstufen verkauft. Die Großküche bekommt frische, planbare Ware mit kurzen Wegen. Der Gast in der Kantine, der Patient im Krankenhaus und das Kind in der Schule bekommen ein Mittagessen, von dem man weiß, woher es kommt. Drei Gewinner an einem Tisch – mehr Beweise braucht es nicht. (Beifall CDU und vereinzelt SPD) Warum erzähle ich Ihnen das so ausführlich? Das mache ich, weil da in einem einzigen Beispiel zusammenkommt, was wir mit „Hessen schmecken“ landesweit aufgreifen wollen. Wir machen aus dem, was sich in der Praxis bewährt hat, eine politische Logik für ganz Hessen: Erstens. Regionalität gelingt, wenn Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung zusammengedacht werden. Genau diese drei Säulen sind das Rückgrat unserer neuen Förderrichtlinie. Wir lösen die alte Trennung auf, bei der die Förderung des Anbaus mit dem Schließen der Hoftür endete. Wir folgen dem Produkt weiter durch die Schlachtstätte, durch die Käserei und durch die Logistik bis hin zum Verkaufstresen und der Großküche. Zweitens. Regionalität gelingt nicht durch das Gegeneinander von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft. Sie gelingt, wenn beide an einem Tisch sitzen. (Beifall CDU und Lisa Gnadl (SPD)) Die Landwirtinnen und Landwirte der Markthalle sind teils konventionell und teils ökologisch organisiert. Sie liefern in dieselbe Halle. Sie nutzen dasselbe Warenwirtschaftssystem. Das kommt denselben Großküchen zugute. diese Logik schreiben wir mit „Hessen schmecken“ in Förderrahmen unseres Landes. Wir entwickeln die Ökomodellregionen weiter, aber indem wir sie aufgeben, sondern dadurch, dass wir öffnen. Wir öffnen sie für konventionelle Betriebe und etablierte Regionalmarken. Wir öffnen das für alle, regionale Wertschöpfung tragen. Drittens. Regionalität gelingt, wenn die Förderung nah ist. Die Markhalle in Eschwege wäre nicht das, sie heute ist, wenn man ihr in den ersten Jahren in ter Linie Beratungsstunden, Netzwerktreffen und Strategieworkshops angeboten hätte. Sie brauchte Kühltechnik, brauchte Regale. Sie brauchte eine Software, mit der die Bestellungen verwalten kann. Sie brauchte Fahrzeuge. Genau da liegt der eigentliche Paradigmenwechsel neuen Richtlinie. Wir verschieben den Schwerpunkt der Beratungsstruktur hin zu Investitionen, von Netzwerken zu Vorhaben und von der Begleitung zur Befähigung. Das geschieht nicht für die Schublade, sondern für Menschen im Land, für die Landwirtin und den Landwirt, für den Dorfmetzger und für die Bäckerei im Ortskern. Konkret heißt das: Wir fördern Dorf- und Hofläden, vielen Gemeinden das letzte Stück Nahversorgung Wir fördern automatisierte Verkaufsstellen, die rund die Uhr regionale Produkte verfügbar machen. Wir regionale Schlacht- und Verarbeitungsstätten. Deren len ist seit Jahren eine offene Wunde in der ländlichen Wertschöpfung. Wir fördern Logistiklösungen nach dem Vorbild Markthalle. Wir fördern digitale Vermarktungsplattformen, Erzeugerzusammenschlüsse und Start-ups, die zeigen, möglich ist, wenn Tradition und neue Ideen zusammenfinden. Es geht noch weiter. Regionalität gelingt, wenn die konditionen zu denen passen, die sie nutzen sollen. haben es im ländlichen Raum überwiegend mit kleinen kleinsten Unternehmen zu tun. Wir haben es mit Familienbetrieben, Direktvermarktern, Genossenschaften und jungen Gründerinnen und Gründern zu tun. Wer von diesen Menschen erwartet, dass sie 80 % Projekts aus eigener Tasche vorfinanzieren, wird in Praxis keine Wirkung erzielen. Deshalb sind die quoten unserer neuen Richtlinie so kalibriert, dass sie schen 45 % und 70 % der nötigen Investitionen tragen. ist eine Quote, die die Vorhaben tatsächlich anschiebt. Hinzu kommt: Mit über 4 Millionen Euro pro Jahr len wir eine Größenordnung bereit, die in der Fläche kommt. Ja, diese Mittel kommen aus dem auslaufenden Ökoaktionsplan. Wir setzen sie aber dort ein, wo sie größere Wirkung entfalten, also bei ganz konkreten titionen, bei realen Projekten, bei den Betrieben, die durch wachsen können. Das ist verantwortliche Haushaltspolitik in herausfordernden Zeiten. Ich sage Ihnen mit großer Klarheit: Unsere Landwirtinnen und Landwirte, unsere Handwerker und unsere Direktvermarkter brauchen keine zusätzlichen Vorgaben aus den. Sie brauchen erst recht keine zusätzlichen Vorgaben aus Berlin. Sie brauchen Partner. Sie brauchen Verlässlichkeit. Herr Dr. Grobe, ich weiß ganz genau, was die vermarkter und die Landwirte von der AfD halten. brauchen ein Land, das ihre Arbeit anerkennt und ihnen Genau das Werkzeug an die Hand gibt, mit dem sie etwas aufbauden en können. Der Minister hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die nicht, Landesregierung zunächst bei sich selbst angefangen hat. sie Wenn das Land tagt, empfängt oder feiert, kommen hessifür sche Produkte auf den Tisch. Das ist ein konkretes Signal die des Vertrauens und der Anerkennung. Wenn sich das Land dazu verpflichtet, Produkte aus Hessen einzukaufen, dann ist das mehr als nur eine schöne Geste. Das ist ein Auftrag praxisan alle, die in Hessen Verantwortung tragen, und zwar in was den Kommunen, in den Kreisen und in den öffentlichen ersEinrichtungen. Es ist daran, es uns gleichzutun. sie Auch eine Schulmensa kann Produkte aus Hessen einkauman fen. Auch die Stadtverwaltung kann Produkte aus Hessen einkaufen. Auch ein Krankenhaus kann Produkte aus Hessen einkaufen. Wir geben das Beispiel. Wir fördern jetzt unserer die Strukturen, die den anderen den Weg dahin leichter von macht. Genau diese Politik machen wir in Hessen unter Ministerdie präsident Boris Rhein und mit unserem Landwirtschaftsminister Ingmar Jung. Das ist eine Politik, die die Landwirtschaft als Teil der Lösung versteht und nicht als Teil des die in Problems. sichern. Diese Verlässlichkeit kommt in der Region an. Sie kommt um in den Höfen an. Sie kommt auch bei den Verbänden an. fördern Wer mit den Bauernverbänden spricht, wer mit den MenFehschen aus den Markthallen spricht, wer mit den Menschen aus den Hofläden in ihrer Region spricht, der wird das so bestätigt bekommen. unserer Am 22. Mai 2026 wird unser Landwirtschaftsminister die neue Förderrichtlinie in einer weiteren Markthalle in Kaswas sel vorstellen. Das ist ein bewusst gewählter Ort, weil er den Geist von „Hessen schmecken“ atmet. Damit komme ich wieder zurück nach Eschwege, zurück Förderin die Klosterstraße 1, zurück in die Markthalle WerraWir Meißner. Wenn dort am Morgen die ersten Lieferwagen und anrollen, ist das kein nostalgisches Bild. Das ist Wirtschaft. Das ist Wertschöpfung. Das sind Arbeitsplätze. Das sind mit Steuern. Das ist Versorgungssicherheit. Und das, ja auch das, ist ein Stück hessischer Lebensart, das wir nicht vereines lieren dürfen und das wir auch nicht verlieren werden, der solange diese Koalition Verantwortung trägt. Förder- (Beifall CDU und SPD) zwiDas „Hessen schmecken – mehr Heimat auf dem Teller“ ist deshalb mehr als ein Programm. Es ist ein politisches Bekenntnis, ein Bekenntnis zu den Menschen, die jeden stelan- Tag, oft seit Generationen, mit Leidenschaft und mit harter Arbeit unsere Lebensmittel erzeugen, ein Bekenntnis zu den Menschen, die regionale Produkte veredeln, ein Beeine Inves- kenntnis zu den Direktvermarktern, die zwischen Erzeuger da- und Verbraucher die entscheidende Brücke schlagen, ein Bekenntnis zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die wissen wollen, was auf ihrem Teller liegt, und die immer öfter ganz bewusst entscheiden, woher es kommt. Und es ist ein Versprechen, nämlich das Versprechen, dass Wiesba- dieses Land an der Seite seiner ländlichen Räume steht, nicht in Sonntagsreden, sondern Werktag für Werktag – mit einer politischen Haltung, die unsere Bauern und unsere Direkt- Direktvermarkter ernst nimmt und ihnen das Vertrauen entSie gegenbringt, das sie verdient haben. Die Markthalle Werra-Meißner hat dieses Vertrauen längst zurückgegeben: in regionalen Kreisläufen, in geschlossenen Wertschöpfungsketten, in einem Stück Heimat, das man tatsächlich schmecken kann. Ich freue mich im Namen unserer Landwirtinnen und Landwirte über die weitere Unterstützung auf ihrem Weg, im Namen unserer ländlichen Räume, aber vor allem im Namen aller, für die „Heimat“ nicht nur ein Wort, sondern vor allem auch ein Geschmack ist. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und SPD)

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