Pascal Schleich
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Doch, Herr Leyh, genau diesen Antrag braucht es; denn, wer über Jagdrecht spricht, spricht nicht über ein Randthema. Es geht um den Schutz unserer Kulturlandschaft, um Artenschutz, um Respekt vor den Menschen, die in Wald und Flur Verantwortung übernehmen. Dass das bisherige Jagdrecht nicht praxisgerecht war, wie in der Überschrift Ihres Antrags treffend beschrieben, darüber wurde hier im Hohen Hause schon des Öfteren gestritten. Ich freue mich natürlich, dass Sie langsam, aber sicher, Ihre Fehler und Versäumnisse einsehen. (Beifall AfD) Die hessischen Jäger leisten einen unverzichtbaren Dienst. Sie hegen unsere Wildbestände, schützen heimische Arten, unterstützen den Naturschutz, helfen bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest und übernehmen Aufgaben, die für unser Land von großer Bedeutung sind. Dafür verdienen sie nicht nur Dank, sondern echte politische Rückendeckung, die sie von Ihnen aber nicht bekommen. (Beifall AfD und Maximilian Müger (fraktionslos)) Der Antrag von CDU und SPD enthält richtige Punkte. Ja, die Jagd ist ein Kulturgut. Ja, die Jägerschaft braucht Vertrauen. Ja, Bürokratie muss abgebaut werden. Aber der Antrag der Koalition bleibt, wie so oft, beim Selbstlob stehen. Unser Antrag geht weiter. Er benennt die Probleme und fordert konkrete Lösungen. Ein Beispiel ist der Waschbär. Er ist eine invasive Art und längst zu einer ernsten Bedrohung für heimische Tiere geworden, insbesondere für Bodenbrüter, Amphibien und andere geschützte Arten. Wer hier wirksamen Artenschutz will, muss der Jägerschaft die notwendigen Mittel geben. (Lena Arnoldt und Dominik Leyh (CDU): Machen wir doch!) Deshalb fordern wir eine Abschussprämie als Aufwandsentschädigung. Die Jagd invasiver Arten kostet Zeit, Geld und Material. (Beifall AfD – Lena Arnoldt (CDU): Das ist schon längst erledigt! – Dominik Leyh (CDU): Man muss Papier auch einmal lesen können!) Dasselbe gilt für weitere invasive Arten wie Nilgans, Nutria, Marderhund und Amerikanischen Nerz. (Lena Arnoldt (CDU): Haben wir alles schon erledigt!) Es reicht nicht, einzelne Jagdzeiten anzupassen. Wir brauchen einen klaren Grundsatz: Invasive Arten dürfen nicht durch Schonzeiten geschützt werden, während heimische Arten unter Druck geraten. Artenschutz muss praktisch wirken und darf nicht ideologisch blockiert werden. Auch bei der Afrikanischen Schweinepest zeigt sich, wie wichtig die Jägerschaft ist. Ohne ihre Ortskenntnis, ihre Erfahrung und Einsatzbereitschaft wäre eine wirksame Bekämpfung kaum möglich. Gleichzeitig müssen wir aber über Verhältnismäßigkeit sprechen. Sie fordern mehr Freiheit und Eigenverantwortung für die hessische Jägerschaft. Das hört sich natürlich erst einmal sehr gut an. (Lena Arnoldt (CDU): Das fordern die Jägerinnen und Jäger auch!) – Ich komme gleich dazu, Frau Arnoldt. – Der ehrenamtliche Einsatz der hessischen Jägerschaft bei Hege und Pflege von Wald und Wild wird in diesem Entschließungsantrag als positiv herausgestellt, auch das Engagement bei der Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest als wichtiger Beitrag zur öffentlichen Sicherheit. Umso unverständlicher ist es dann in diesem Kontext, dass die zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest erforderliche Kadaversuche vom hessischen Landwirtschaftsministerium nicht mehr an ortskundige hessische Hundeführer bzw. Jäger vergeben wird. Auch hier werden nämlich die Stimmen der hessischen Jägerschaft durch die Landesregierung bzw. das hessische Landwirtschaftsministerium ignoriert. (Beifall AfD – Lachen Minister Ingmar Jung) – Herr Minister, Sie lachen. – Stattdessen werden die Aufträge an die Firma TCRH, Training Center Retten und Helfen GmbH, ein nicht in Hessen ansässiges Unternehmen, vergeben. Im Gegensatz zu unseren hessischen Hundeführern bzw. Jägern erfolgt die Nachsuche durch ortsunkundige Mitarbeiter dieser Firma, und das unbewaffnet. Wie ein mit ASP infiziertes Wildschwein im Falle eines Lebendfundes unmittelbar erlegt werden soll, bedarf Ihrer Erklärung. Unser Antrag verbindet Wertschätzung mit Konsequenz. Wir wollen Hegegemeinschaften stärken, Bürokratie abbauen, moderne Fallenjagd ermöglichen, invasive Arten wirksam bekämpfen, die ASP mit Augenmaß eindämmen und beim Wolf endlich handlungsfähig werden. Sehr geehrte Damen und Herren, wer die Jägerschaft ernst nimmt, darf sie nicht nur loben, er muss ihr vertrauen, ihr Verantwortung zutrauen und ihr die passenden rechtlichen Instrumente geben. Stimmen Sie deshalb unserem Antrag zu – für ein praxistaugliches Jagdrecht, für echten Artenschutz, für unsere Weidetierhalter und für die hessische Jägerschaft. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall AfD)
