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Kerstin Geis

SPD 30.04.2026 Sitzungen 21/66

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Es mag die Kolleginnen und Kollegen von GRÜNEN und FDP überraschen, aber die beiden Anträge verbindet eine zentrale Erkenntnis, die wir ausdrücklich teilen: Digitale Kompetenzen sind heute eine ganz wesentliche Voraussetzung für Bildungserfolg, für gesellschaftliche Teilhabe und für Orientierung in einer zunehmend digital geprägten Welt. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir diese Debatte nicht mit Schlagworten führen, die zu kurz greifen, und dass wir keine schiefen Bilder stellen, die der politischen Zuspitzung dienen, aber nicht von der Realität unserer Schulen gedeckt sind. Die Opposition zeichnet aber gerade ein solches schiefes Bild, wenn es um die Rahmenbedingungen des Faches „Digitale Welt“ geht. Sie stellt es so dar, als werde mit den vorgesehenen Veränderungen ein funktionierendes, flächendeckendes Angebot abgeschafft. Das aber entspricht so nicht der Realität. „Digitale Welt“ war ein Pilotprojekt mit begrenzter Reichweite. Es hat wichtige Impulse geliefert – Herr May, das können wir ausdrücklich anerkennen –, aber es hat eben nicht die Fläche erreicht. Genau darum geht es uns aber: nicht um Rückbau, sondern um die Frage, wie wir digitale Bildung tatsächlich breiter verankern; denn im Moment – das hat Frau Ziegler gesagt, und das ist Teil der Wahrheit – erreichen wir mit dem Pilotversuch rund 600 Schülerinnen und Schüler an 80 von 600 weiterführenden Schulen im ganzen Land. Unser Anspruch ist aber, dass alle die Chance bekommen müssen, an digitaler Bildung teilzunehmen, ohne dabei unsere Schulen sowie die Schülerinnen und Schüler zu überlasten. Die Antwort der Opposition erscheint erst einmal simpel. Ein Pflichtfach am Vormittag – das klingt vielleicht plausibel, aber es greift zu kurz, (Beifall SPD und vereinzelt CDU) als garantiere ein vormittägliches Pflichtfach aus sich heraus das Gelingen, als sei das ein Automatismus. Ein Fach auf dem Papier allerdings bedeutet keineswegs eine gute Umsetzung in der Praxis. Entscheidend ist, wie Inhalte vermittelt werden und wie gut sie in den Schulalltag integriert sind. Diese Integration ist entscheidend. Es ist Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis – das haben wir übrigens auch unlängst wieder in der Enquetekommission gehört –, dass digitale Bildung breit und strukturell im Schulalltag verankert sein muss. (Zuruf Lara Klaes (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Daraus folgt, dass digitale Bildung keine ausschließlich isolierte Zusatzkomponente sein sollte, die man in ein einzelnes Fach auslagert. Die Digitalisierung durchzieht nahezu alle Lebens- und Lernbereiche – von technischen Fertigkeiten, vom Programmieren bis hin zu Fähigkeiten wie Quellenkritik oder Fact-Checking. Wer sich in digitalen Räumen bewegt, braucht Urteilsfähigkeit und Medienkritik. Das ist, an die Damen und Herren der AfD adressiert, mehr als Informatik. (Heiko Scholz (AfD): Was?) Diese Fähigkeiten werden in einer ganzen Reihe von Fächern reflektiert und eingeübt. Eine Fach „Digitale Welt“ kann Aspekte näher beleuchten, Interessen vertiefen oder ausbauen. Aber eine eindeutige Erkenntnis ist doch: Digitale Bildung muss notwendigerweise auch eine Querschnittsaufgabe aller Fächer sein. Exakt das hat diese Landesregierung im Schulgesetz verankert. Sie geht genau den Weg, der auch wissenschaftlich als erfolgreich beschrieben wird. Digitalisierung ernst nehmen und Räume für Vertiefung schaffen, das ist es, was wir tun. Das Ergebnis wird sein, dass statt einiger Schulen alle Schulen die Möglichkeit für ein Fach „Digitale Welt“ erhalten werden (Daniel May und Sascha Meier (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die Möglichkeit!) und dabei eigenverantwortlich eigene Schwerpunkte setzen können. (Beifall SPD und CDU) Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der mich doch etwas kopfschüttelnd zurückgelassen hat, nämlich Ihre implizite Geringschätzung des Ganztags. Wenn die Anträge suggerieren, dass eine Verlagerung in den Ganztag faktisch einer Abschaffung oder einer Marginalisierung gleichkomme, wird ein zentraler Bestandteil von moderner Schule schlicht schlechtgeredet und seine Bedeutung völlig verkannt. Der Ganztag ist kein beliebiges und unwichtiges Anhängsel, sondern ein eigenständiger, wesentlicher dungsraum. Gerade dort können Formate entstehen, die digitale Bildung besonders geeignet sind: stärkere orientierung, interdisziplinäre Ansätze und größere nähe. Übrigens haben wir genau diese besonderen Möglichkeiten für neue Formate gerade im Schulgesetz verankert. das abwertet und den Ganztag kleinredet, der verkennt Realität an unseren Schulen. Im Gegenteil, der mit seinen Möglichkeiten ist der ideale Ort für die gration von digitaler Bildung. Das ist auch den bewusst und trifft deren Interessen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass „Digitale Welt“ künftig einen Platz in deren Curricula einnehmen wird. Das unterm Strich eine weitere Stärkung unseres hochwertigen Ganztagsangebots. (Beifall SPD)

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