Frank Lortz
Vielen Dank. – Das Wort hat Frau Kollegin Ziegler für die CDU-Fraktion. Christin Ziegler (Schwalm-Eder) (CDU): Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Wenn man die beiden vorliegenden Anträge der FDP und der GRÜNEN liest, könnte man den Eindruck gewinnen, in Hessen würde Bildung, insbesondere digitale Bildung, zurückgebaut, gestrichen oder gar abgeschafft. (Zuruf Freie Demokraten: Ja!) Das Gegenteil ist der Fall. (Beifall CDU und SPD – Zuruf Freie Demokraten: Steile These!) Digitale Bildung stärken wir nicht mit Schlagzeilen, wir stärken sie auch nicht mit Symbolfächern, sondern mit Substanz, mit Reichweite und mit Verantwortung für alle Schulen bei uns in Hessen. Liebe GRÜNE, Sie sprechen in Ihrem Antrag von einer Kürzungsorgie, von Täuschung und von Scheinprojekten. (Zuruf BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das sind große Worte, aber sie werden der Realität an Hessens Schulen keineswegs gerecht. (Beifall CDU und SPD) Dass der Bildungsetat in Hessen im Jahr 2026 auf ein kordniveau von 6,2 Milliarden Euro angestiegen ist, den Sie vollkommen aus. (Vereinzelter Beifall CDU) Dass unsere Schulen eine Lehrkräftezuweisung über der Grundunterrichtsversorgung erhalten, blenden vollkommen aus. Dass gezielt weiter in Ganztag, in Unterstützung und in pädagogische Fachkräfte investiert wird, auch das, so müssen wir feststellen, blenden Sie fensichtlich vollkommen aus. (Zuruf Freie Demokraten) Wenn einzelne Maßnahmen herausgegriffen und dann Gesamtbefund erklärt werden, zeichnen Sie hier ein verzerrtes Bild der Realität. Gleiches gilt bei Ihrer stellung der integrierten Gesamtschulen und der sozial dizierten Förderung. Sie greifen einen einzelnen heraus, ohne den Blick auf die Gesamtregelung zu den. Die Streichung von 90 Lehrerstellen an integrierten Gesamtschulen stellen Sie hier als massiven Einschnitt (Zuruf Freie Demokraten: Was denn sonst?) Hier wird nicht pauschal gekürzt, sondern verantwortungsvoll abgewogen und gezielt gesteuert. Zudem ist die Anpassung – auch darüber verlieren Sie einziges Wort – auf das Haushaltsjahr 2026 begrenzt. CDU sagen wir klar, dass die integrierten Gesamtschulen ein fester Bestandteil unserer Schullandschaft sind einen enormen Beitrag zur individuellen Förderung Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen setzungen leisten. Ich selbst war einmal Schülerin einer integrierten schule, stehe bis heute im Austausch und weiß, wichtigen Beitrag sie leisten. Integrierte Gesamtschulen sind uns als Koalition den eben genannten Gründen wichtig. Deshalb Schulen mit vollständiger Binnendifferenzierung weiterhin einen geringen Klassenteiler von 25 Schülerinnen Schülern und damit – das ist entscheidend – deutlich nere Lerngruppen als in anderen Schulformen und auch anderen Bundesländern. (Beifall CDU und SPD) Darüber hinaus stehen weiterhin 1.100 Stellen für pädagogische Fachkräfte zur Verfügung. Außerdem den die Ganztagsstellen – auch hiervon habe ich in Ausführungen nichts gehört – auf 5.730 Stellen ausgebaut, eben um den Ganztag an Hessens Schulen weiter zu ken. Das erwähnen Sie, liebe GRÜNE, natürlich mit einzigen Silbe. Beim Thema „Digitale Welt“ wird die Verkürzung Darstellung dann erst besonders deutlich. Wenn Sie haupten, dass diese Angebote gestrichen werden, die Mittel vollständig entfallen und die Öffentlichkeit täuscht werde, dann wird auch hier Ihre Darstellung tatsächlichen Entwicklung einfach nicht gerecht. (Vereinzelter Beifall CDU) Denn das Pilotprojekt „Digitale Welt“ wird nicht schafft. Nein, ganz im Gegenteil, es wird ausgeweitet von 80 Pilotschulen auf 600 Schulen bei uns in Hessen. (Beifall CDU und SPD) Re- Das ist keine Kürzung, sondern ein Schritt vom Modell blen- in die Fläche. Die Umsetzung im Ganztag stellen Sie hier als Nachteil dar. Tatsächlich ermöglicht sie aber genau das, was digitale Bildung braucht, nämlich ein praxisnahes Arbeiten und eine flexible Umsetzung vor Ort. Gleichzeitig ermöglicht sie ein flächendeckendes Angebot und stärkt deutlich die Ganztagsangebote in Hessen. Sie soziale Die Anschubfinanzierung des Modellprojekts entfällt. Da haben Sie wohl recht. Das Angebot wird jedoch bewusst ofin den Ganztag überführt. Das ist keine ersatzlose Streichung, sondern eine Weiterentwicklung. Es ist eine Weiterentwicklung vom Modellprojekt – ich habe es eben schon gesagt – hin zu einem flächendeckenden Angebot in die zum bereits bestehenden Strukturen. sehr Dar- Die „Digitale Welt“ wird natürlich auch in Zukunft durch in- Materialien, durch Fortbildungen und mit wissenschaftliAspekt cher Begleitung unterstützt. Hier von einem „Scheinprowen- jekt“ zu sprechen, ist eine Herabwürdigung – eine Herabwürdigung des Faches und auch der Lehrkräfte, die Tag für dar. Tag digitale Inhalte lehren. Ich möchte auch auf die Darstellung des Kollegen Promny von der FDP zum Thema Intensivklassen eingehen. Wir haben hier deutlich reduzierte Schülerzahlen zu verzeichnen. Deshalb ist der Weg kein Sparkurs, sondern eine zielkein genaue Anpassung. Die Migrationswende wirkt an dieser Stelle. Als (Beifall CDU) und von Allerdings zu Recht weisen Sie auf die Bedeutung digitaler VorausKompetenzen als Voraussetzung für Bildungserfolg und eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft hin. GesamtAber auch Ihre Schlussfolgerungen greifen mir hier aus welchen folgenden Gründen viel zu kurz: Erstens. Sie stellen die Situation dar, als fehle es grundaus sätzlich an systematischen Ansätzen zur digitalen Bildung. erhalten Dabei ist die Förderung digitaler Kompetenzen bereits Bestandteil in den allermeisten Fächern. Die Lehrkräfte wisund sen durchaus um die Wichtigkeit. Durch die Öffnung der klei„Digitalen Welt“ für den Ganztag werden diese sogar noch in deutlich ausgeweitet. Zweitens. Sie fordern in Ihrem Antrag ein verbindliches Angebot für die Sekundarstufe I. Digitale Bildung entfaltet sozial- Ihre Wirkung allerdings erst dann, wenn sie in unterschiedwer- lichen Fächern und Kontexten vermittelt wird. Daher setIhren zen wir auf eine Kombination aus verbindlichen Inhalten und ergänzenden Angeboten, statt ein zusätzliches starres stär- Fach zu schaffen. keiner Drittens. Sie fordern mehr Flexibilität und Gestaltungsspielräume. Dazu möchte ich Ihnen sagen: Grundsätzlich Ihrer ist es für mich vollkommen nachvollziehbar, doch der Unbeterschied ist, wie das Ganze erreicht werden soll. Struktudass relle Eingriffe in die Stundentafel unserer Schulen und ge- neue Pflichtangebote haben wirklich nichts mit Flexibilität der und Gestaltungsspielräumen zu tun. Daher setzen wir auf die Integration des Themas in bestehende Strukturen, nämlich in den Ganztag. Viertens. Aus bestehenden Herausforderungen leiten Sie abgestrukturelle Vorgaben ab. Die Umsetzbarkeit im Schulall– tag hinsichtlich Zeit, Personal und Organisation bleibt hier aber total unberücksichtigt. Es ist nicht entscheidend, wie viele neue Bildungsmodelle geschaffen werden, sondern wie und ob sie im Unterricht dann tatsächlich funktionieren. Meine Damen und Herren, ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung als Lehrerin sagen: Fachkompetenzen entstehen niemals in einer isolierten Unterrichtsstunde. Sie entstehen, wenn Schülerinnen und Schüler Zusammenhänge verstehen, das Gelernte anwenden und ihr Wissen in unterschiedlichen Situationen nutzen. Das gilt ebenso für digitale Kompetenzen: wenn Informationen bewertet werden, Daten eingeholt werden oder eingeordnet werden und gelernt wird, Medien zu reflektieren. Deshalb setzen wir auf eine Verankerung von digitalen Kompetenzen im regulären Unterricht und auf die Ergänzung durch freiwillige, praxisorientierte Angebote, wie die „Digitale Welt“ im Ganztag. Wir stehen für eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung der digitalen Bildung, die nicht an einem einzelnen Pflichtfach hängt. Mit der Überführung des Faches „Digitale Welt“ in den Ganztag erreichen wir Schülerinnen und Schüler in der Breite. Das bedeutet nicht weniger digitale Bildung, sondern eine andere, neue Struktur mit mehr Reichweite. Meine Damen und Herren, die Anträge der GRÜNEN und der FDP greifen wichtige Themen auf, aber sie ziehen Schlussfolgerungen, die wir nicht teilen können. Die Koalition aus CDU und SPD steht für einen klaren Weg, für eine breite Verankerung und praxisnahe Angebote im Ganztag, für Substanz statt Symbolpolitik, für Reichweite statt Modellprojekte, für Verantwortung für das gesamte Schulsystem, immer auch mit Blick auf eine verantwortungsvolle Haushaltsführung. Wir lehnen deshalb die beiden Anträge ab. – Herzlichen Dank. (Anhaltender Beifall CDU und SPD)
