Karina Fissmann-Renner
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! 247 Start-up-Gründungen in Hessen im Jahr 2025, das ist ein deutlicher Anstieg und zunächst einmal eine gute Nachricht. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Hessen ist ein attraktiver Standort für Gründerinnen und Gründer: Ideen entstehen, Innovation wächst, neue Geschäftsmodelle entwickeln sich, und das kommt nicht von ungefähr. Es gibt in Hessen ein breites Ökosystem: Gründungszentren an Hochschulen, Programme wie „Hessen Ideen“, Netzwerke, Wettbewerbe, spezialisierte Angebote von KI bis Raumfahrt. Ich finde, das ist eine solide Grundlage. Wenn man den vorliegenden Antrag liest, könnte man den Eindruck gewinnen, es bräuchte vor allem mehr Programme und mehr Netzwerke. Aber vieles davon gibt es in Hessen schon. Entscheidend ist nicht nur, wie viele Start-ups gegründet werden; entscheidend ist, was aus ihnen wird. Bleiben sie hier, wachsen sie hier, oder gehen sie dorthin, wo die Bedingungen besser sind? Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob aus Innovation wirtschaftliche Stärke entsteht. Genau hier liegt auch unsere Herausforderung. In der frühen Phase funktioniert vieles gut – zum Beispiel mit Stipendien, Programmen, Netzwerken und Coachings. Das hilft beim Start, und daran arbeitet das Land Hessen auch; da gibt es überhaupt keine Zweifel, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall SPD und CDU) Aber wenn ein Unternehmen wächst, wenn es skaliert, wenn es in größere Märkte geht, dann verändert sich die Situation grundlegend. Dann geht es nicht mehr um Beratung, dann geht es um Kapital. An dieser Stelle müssen wir ehrlich sein: Diese Größenordnung von Finanzierung kann ein Bundesland allein nicht leisten. Das ist auch überhaupt kein hessisches Problem, das ist in ganz Deutschland eine strukturelle Herausforderung; denn in späteren Finanzierungsrunden sprechen wir über zweistellige Millionenbeträge und teilweise auch deutlich darüber hinaus. Das ist kein klassisches Feld staatlicher Förderung. Genau deshalb orientieren sich Start-ups an Standorten, an denen dieses Kapital verfügbar ist. Dann müssen sich die Unternehmen andere Geldgeber suchen. Das ist hier auch der entscheidende Punkt. Hessen hat mit Frankfurt einen der stärksten Finanzplätze Europas. Aber dieses Kapital findet noch zu selten den Weg in wachstumsstarke Start-ups. Wir müssen privates Kapital stärker für Start-ups mobilisieren und nicht ständig immer weitere staatliche Fördergelder und Programme fordern, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall SPD und CDU) Frau Kinkel hat das gut angesprochen: Wir müssen Investoren, Unternehmen und die Gründerszene gezielter zusammenbringen. Wir müssen dafür sorgen, dass junge, innovative Unternehmen auch bei öffentlichen Aufträgen eine echte Chance haben; denn Wachstum entsteht nicht allein durch Programme. Wachstum entsteht dort, wo Kapital, Ideen und der Markt zusammenkommen. Lassen Sie mich einen Punkt besonders betonen, weil er mir am Herzen liegt. Wenn wir über Start-ups sprechen, dürfen wir nicht nur die großen Zentren im Blick haben. Auch im ländlichen Raum gibt es Innovation, Unternehmergeist und viele gute Ideen. (Beifall SPD und CDU) Aber dort sind die Wege oft länger und die Zugänge schwieriger. Deshalb muss es unser aller Anspruch sein, diese Verbindungen in ganz Hessen zu stärken. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Hessen hat die Voraussetzungen in der Stadt und auf dem Land: Ideen, Talente, Hochschulen, einen starken Finanzplatz und den Gründergeist, auch in unseren ländlichen Regionen. Jetzt kommt es darauf an, diese Stärken besser zusammenzubringen. Daran arbeiten wir Tag für Tag, damit bei uns aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen werden. Ich danke dem hessischen Wirtschaftsminister, dass er das anbringt, dass er mit seinem Team daran arbeitet und so in eine gute Zukunft kommen. – Herzlichen Dank. (Beifall SPD und CDU)
