Turgut Yüksel
Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! In Hessen unterrichten im Schuljahr 2024/2025 nach den Daten des Statistischen Bundesamtes rund 14 % der Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung. Das ist die Lage, mit der wir es zu tun haben. Sie ist ernst. Sie verlangt Antworten, und sie verlangt Antworten, die tragen. Wir erkennen, dass der Entwurf an mehreren Stellen Forderungen aufgreift, die im SPD-Wahlprogramm stehen: die Sommerferienbezahlung der Lehrkräfte, die Vergütung des Praxissemesters, der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte. Heute wollen wir uns auf den inhaltlichen Kern des Entwurfs konzentrieren. Die Kultusministerkonferenz hat im Juni 2024 klar gesagt, die Länder sollen vor allem dafür sorgen, dass genug reguläre Studienplätze für angehende Lehrkräfte vorhanden sind. Neue Wege sind erlaubt, aber nur als Ergänzung. In Hessen gibt es schon heute mehrere Wege in den Lehrerberuf. Der Entwurf würde noch zwei weitere Wege hinzufügen: ein duales Lehramtsstudium und einen neuen Master für Quereinstieg. Dann hätten wir insgesamt fünf parallele Wege ohne klare Abstimmung untereinander und ohne mehr Geld für die Hochschulen. Wenn man immer neue Wege schafft, aber die bestehenden nicht stärkt, besteht die Gefahr, dass keiner richtig funktioniert. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Am Ende führen verschiedene Ausbildungswege zwar gleich in den Beruf, werden aber nicht überall gleich anerkannt. Das ist aber unfair. Diese Ungleichheit zieht sich durch den ganzen Entwurf. Besonders deutlich wird das an einem Beispiel. In der Förderpädagogik, also der Arbeit mit Kindern mit besonderem Förderungsbedarf, sagt der Entwurf: Im Querschnittsmaster ist das nicht möglich, weil die Anforderungen für nur vier Semester zu hoch sind. Gleichzeitig erlaubt der Entwurf Förderpädagogik im dualen Studium mit Praxistagen schon früh im Studium. Das passt nicht zusammen, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Das ist kein politischer Streitpunkt, sondern ein konzeptioneller Widerspruch im Entwurf. Er folgt einer anderen Logik, die nicht klar ausgesprochen wird. Ich möchte hier die Position meiner Fraktion deutlich machen. Bei der bisherigen Reform in Hessen ging es nicht nur um den Bedarf. Es ging auch darum, Lehrkräfte zu unterstützen, die lange unter unsicheren Bedingungen gearbeitet haben, oft ohne Aussicht auf Verbeamtung. Diese Situation ist übrigens auch in Zeiten entstanden, in denen die GRÜNEN zehn Jahre lang in Hessen regiert haben. Mit der Reform des Lehrerbildungsgesetzes haben wir begonnen, das zu ändern. Diese Lehrkräfte bekommen einen klaren Weg zur Qualifikation mit zweiter Staatsprüfung, besserer Bezahlung – A 13 – und der Chance auf Verbeamtung. Das war ein Schritt zu mehr Gleichbehandlung. Der Entwurf der GRÜNEN geht einen anderen Weg. Er schafft neue parallele Ausbildungswege und unterscheidet dabei nach Schulformen. Das bedeutet: Wer an einer Schule in schwieriger Lage arbeitet, soll einen anderen Ausbildungsweg gehen als am Gymnasium. Der Weg ist kürzer, stärker gebunden und anders aufgebaut. Am Ende entscheidet dann nicht nur die Eignung, sondern auch das Geld, welchen Weg jemand wählen kann. Auf dem Papier sind alle Wege gleichwertig. In der Realität entsteht aber eine Lehrerschaft mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Genau hier liegt unser Hauptkritikpunkt. Wir können diesen Weg so nicht mitgehen. (Beifall SPD) Im schlimmsten Fall verstärkt der Entwurf die bestehenden Unterschiede an den Schulen noch weiter. Was bei Schülerinnen und Schülern schon ungleich ist, setzt sich dann bei den Lehrkräften fort. (Zuruf Daniel May (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Über diese Fragen werden wir im Ausschuss weiterhin diskutieren und warten darauf, was die Anhörung bringt. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und CDU)
