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Dr. Josefine Koebe

SPD 19.03.2026 Sitzungen 21/63

Eines meiner letzten Projekte, die ich bei einem deutschlandweit engagierten Kita-Träger mitbegleiten durfte, bevor ich Teil dieser Runde wurde, ist der Frage nachgegangen, wie Sprachbildung in der Kita wirksamer und gerechter werden kann. Denn Sprache, das wissen wir alle, ist ein zentraler Qualitätsfaktor frühkindlicher Bildung und der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und Integration. Sprache ist der Schlüssel zur Teilhabe – zum Mitmachen, zum Lernen, zum Dazugehören. Kinder, die ihre Gedanken ausdrücken können, beteiligen sich, stellen Fragen, entdecken die Welt aktiver. Sprache gibt ihnen Orientierung, Sicherheit und Selbstvertrauen. Sie öffnet Türen – im Alltag und im gesamten Bildungsweg. Daraus folgt eine klare bildungspolitische Konsequenz: Wenn wir Chancengerechtigkeit ernst nehmen, müssen wir sprachliche Bildung systematisch stärken – und zwar frühzeitig und wirksam. Sprachbildung, das klingt formell – und im Gesetzesentwurf der FDP auch etwas entrückt von den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Sprachförderung als Querschnittsaufgabe in unseren Kitas manifestieren. Eben nicht als Projekt, sondern als fester Bestandteil der Bildungspläne, der Fachberatung und der Personalentwicklung. Ich will Sie kurz mit in die Praxis nehmen, wo ich mir Verfahren zur datengestützten Sprachbildung schon mehrfach anschauen durfte. Man hat wahrscheinlich erst mal eine klassische Testsituation vor Augen, wo Kinder abseits der Gruppe in eine unangenehme Abfragesituation gebracht werden. Umso größer der Aha-Effekt, wenn man die datengestützte Sprachstandserhebung als alltagsintegriertes Beobachtungsverfahren erlebt. Jedes Jahr rund um den Geburtstag eines jeden Kindes bietet ein digitales Verfahren den Fachkräften die Möglichkeit, anhand validierter Fragen Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zu beobachten und damit über den gesamten Kita-Verlauf auf der Basis dieser Zeitreihe eine individuelle, datengestützte Sprachförderstrategie abzuleiten. Es erkennt die Verbesserungen und Verschlechterungen auf unterschiedlichen Bereichen der Sprachentwicklung über die Zeit frühzeitig und macht vor allem Fachkräften auch konkrete Vorschläge, wie sie im Kita-Alltag entsprechend intervenieren und fördern können. Auf ein solches System zielt auch der Koalitionsvertrag auf Bundesebene, der derzeit eng mit der Sprachförderstrategie auf Landesebene abgestimmt wird. In Hessen verfolgen wir den Ansatz, sprachliche Bildung als Gesamtkonzept zu denken – nicht als isolierte Förderung, sondern als integralen Bestandteil des pädagogischen Alltags. Denn die Forschung zeigt eindeutig: Sprachförderung ist dann am wirksamsten, wenn sie alltagsintegriert stattfindet – in Spielsituationen, in der Interaktion. Genau hier liegt jedoch die Herausforderung: Alltagsintegrierte Sprachbildung ist fachlich anspruchsvoll. Sie setzt voraus, dass die sprachliche Situation erkannt, gezielt aufgegriffen und professionell gestaltet wird. Gleichzeitig haben wir die Situation, dass es umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse zur Sprachentwicklung gibt. Diese müssen jedoch auch in die Praxis überführt werden, damit Wissen und Anwendung nicht auseinanderfallen. Wenn wir diese beiden Situationen zusammen betrachten, ergibt sich eine klare Schlussfolgerung: Wir brauchen eine Struktur, die Wissen bündelt, aufbereitet und verlässlich in die Praxis überführt. Genau hier setzt das von Frau Staatsministerin Hofmann bereits vorgestellte hessische Kompetenzzentrum für sprachliche Bildung und Förderung „Kinder. Sprachen. Zukunft!“ an. Es schafft eine notwendige Struktur, um auf den erfolgreichen Säulen des Sprach-Kita-Programms aus Fachberatung, Qualifizierung und Praxisentwicklung aufzubauen. Eine Ergänzung durch die oben beschriebenen datengestützten Sprachstandserhebungen ist aus meiner Sicht dringend geboten und wird aktuell in Abstimmung mit dem Bundesgesetzgeber auf den Weg gebracht. (zurück zum Text auf Seite 4707) Anlage 5 (zu Tagesordnungspunkt 12) Nach § 109 Absatz 2 GOHLT zu Punkt der Tagesordnung, Drucks. 21/3429 zu 21/3113 zu Drucks. 21/2391, zu Protokoll ne Stellungnahme

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