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Dr. Daniela Sommer

19.03.2026 Sitzungen 21/63

Ich darf Sie an die Redezeit erinnern. – Vielen Dank, Frau Ministerin. Sie waren schon fertig. Damit sind wir am Ende der Aussprache zu Tagesordnungspunkt 20 und zu Tagesordnungspunkt 57. Vereinbart ist: Wir überweisen den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Drucks. 21/3716, sowie Tagesordnungspunkt 57, Dringlicher Entschließungsantrag von CDU und SPD, Drucks. 21/4082, an den zuständigen Arbeits- und Sozialpolitischen Ausschuss und mitberatend an den Innenausschuss. Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 21 und 59 auf: Antrag Fraktion der Freien Demokraten HPV-Impfung schützt Gesundheit und entlastet das Gesundheitssystem – Drucks. 21/3747 – Dringlicher Entschließungsantrag Fraktion der CDU, Fraktion der SPD HPV-Prävention in Hessen – Stärkung und Nutzung bestehender Strukturen – Drucks. 21/4084 – Die vereinbarte Redezeit beträgt fünf Minuten. Für die antragstellende Fraktion hat zunächst Frau Knell, die Fraktionsvorsitzende der Freien Demokraten, das Wort. Bitte sehr. Wiebke Knell (Freie Demokraten): Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich eine junge Frau vor, Anfang 20. Sie studiert, plant ihre Zukunft, denkt vielleicht auch irgendwann an eine Familie. Dann kommt diese Diagnose: eine schwere HPV-bedingte Zellveränderung. Die Folge ist dann eine Operation am Gebärmutterhals. Für viele Frauen bedeutet das nicht nur die Angst vor Krebs, es ist auch oft eine zutiefst persönliche Frage, ob man noch Kinder bekommen kann. Was viele nicht wissen: Solche Situationen sind kein Einzelfall. Jedes Jahr erleben Tausende von Frauen in Deutschland genau das. Ich spreche nicht nur abstrakt darüber. Ich war selbst auch schon HPV-positiv, wie die meisten in meinem Alter, einfach deshalb, weil es in unserer Jugend noch keine Impfung gab. Ich kenne auch die Operation. Ich kenne auch die Situation nach auffälligen Abstrichen. Ich kenne auch das Gefühl, das viele Frauen dann begleitet, nämlich die Angst vor Krebs oder einer Krebsvorstufe. Ich kenne auch die Frage, die plötzlich im Raum steht: Was bedeutet das für meine Zukunft? Liebe Kolleginnen und Kollegen, HPV kann Krebsvorstufen verursachen, die operativ entfernt werden müssen. Diese Eingriffe sind medizinisch notwendig, aber sie bleiben eben auch nicht immer ohne Folgen. Das eigentlich Tragische daran ist, dass in vielen Fällen genau das vermeidbar gewesen wäre; denn inzwischen gibt es eine Impfung. Das ist eine sichere, wirksame Impfung, die vor den wichtigsten krebsauslösenden HPV-Typen schützt. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Jungen und Mädchen bereits ab neun Jahren. Wenn rechtzeitig geimpft wird, dann ist der Schutz auch nahezu vollständig. Trotzdem zeigt der Blick nach Hessen: Weniger als 55 % der 15-jährigen Mädchen sind vollständig geimpft. Bei Jungen liegt die Quote sogar nur bei rund 30 %. Das heißt, wir haben wirksame Prävention, aber sie kommt nicht ausreichend an. Wir Freie Demokraten begrüßen ausdrücklich die vielen Maßnahmen, die im Entschließungsantrag der Koalition stehen: die Integrierte Landesimpfstrategie – ILIS –, die J1-Jugenduntersuchung mit HPV-Beratung, auch die Kampagnen, die Zusammenarbeit mit der Landesärztekammer und auch digitale Tools. Das sind wichtige Schritte. Aber die entscheidende Frage bleibt: Wann erreichen diese Maßnahmen wirklich auch diejenigen, die sie erreichen müssen? Die J1 ist freiwillig. Das hängt eben stark vom Engagement der Eltern ab, so wie in vielen anderen Bereichen. Was passiert aber, wenn Eltern nicht ausreichend informiert sind, wenn ein Termin im Alltag schlicht untergeht, wenn man nicht das Wissen hat? Auch klassische Formate wie Ausstellungen oder Newsletter erreichen oft nur diejenigen, die ohnehin schon sensibilisiert sind. Die andere, die eigentlich entscheidende Zielgruppe bleibt dann außen vor: Jugendliche, die sich selbst organisieren müssen, Jugendliche, für die niemand einen Arzttermin vereinbart. Genau da möchten wir ansetzen; denn für uns ist klar: Prävention muss dort ankommen, wo junge Menschen auch sind – also einfach zugänglich, niedrigschwellig, unabhängig vom Elternhaus. Deshalb wollen wir kostenlose Impfangebote in Kooperation mit Schulen direkt vor Ort, ohne irgendwelche Terminschwierigkeiten, die regelmäßige Aufklärung an weiterführenden und beruflichen Schulen mit Lehrkräften und Schulsozialarbeit als Multiplikatoren, eine digitale Ansprache über Apps, über Social Media und Online-Sprechstunden, also genau da, wo sich Jugendliche heutzutage informieren. Wir wollen auch Beratungsstrukturen in der Frauengesundheit stärken, etwa bei pro familia, aber ausdrücklich auch in der Männergesundheit; denn HPV betrifft eben nicht nur Frauen, HPV betrifft alle. Wir wollen auch endlich eine transparente Datenlage, jährliche Berichte zu Impfquoten – differenziert nach Alter, nach Geschlecht und nach Region. Denn am Ende ist es so: Nur wer die Realität kennt, kann auch gezielt handeln. Es geht auch um eine sehr einfache Wahrheit: Wer informiert ist, kann entscheiden. Wer entscheiden kann, kann sich schützen. Genau darum geht es; denn die beste Medizin ist die, die es verhindert, dass Menschen überhaupt krank werden. – Vielen Dank. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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