hessischer-landtag.de ↗

Kathrin Anders

GRÜNE 11.12.2025 Sitzungen 21/57

GeKommen wir zu dem Thema, das niemals, nie digitalisiert Förderwerden wird. Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich eine hochschwangere Frau vor. Es ist spätabends, die Wehen haben eingesetzt, sie werden Herr regelmäßig, sie werden stärker, der Mann packt hektisch die Tasche, sie fahren los, und auf der anderen Seite des Telefons sagt die vertraute Hebamme: Ich werde heute hanicht dabei sein. Ich habe aufgehört. Es ist nicht mehr zu schaffen. – Diese Vorstellung ist für viele Frauen in Hessen keine ferne Zukunft mehr, sie ist bittere Realität. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) lange In dem Moment, in dem eine Frau verwundbar ist, überfordert, hoffend, ängstlich und gleichzeitig voller Kraft, Inbraucht sie vor allem eine Person an ihrer Seite: die HebFür amme. Hebammen sind nicht austauschbar, sie sind nicht beliebig ersetzbar, sie sind Vertrauenspersonen, medizinials sche Fachkräfte, Beschützerinnen. Sie sind es, die deutschdigitalen landweit gerade in Scharen drohen, ihren Beruf aufzugeben. Grund dafür ist der neue Hebammenhilfevertrag, der seit 1. November gilt. Hessen Freiberufliche Hebammen im Belegsystem erhalten zukünftig weniger Geld. Der so wichtige 1:1-Zuschlag gilt Welt nur für zwei Stunden vor und nach der Geburt und fällt nehmen. vollständig weg, sobald Parallelgeburten betreut werden. Wir wissen aus dem hessischen Hebammengutachten, dass GRÜHebammen durchschnittlich drei Geburten gleichzeitig betreuen. Das ist die Regel statt die Ausnahme. Zwei Frauen mit Wehen, eine dritte möglicherweise mit Komplikatioich nen, und dann arbeitet eine Hebamme doppelt und dreidie fach, trägt dreifache Verantwortung für Frauen und Kinder und wird zu 30 % oder gar nicht entlohnt. Das ist ein Skandal, werte Damen und Herren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Rund 20 % der Geburten in Hessen werden von Beleghebammen begleitet. Wenn diese Strukturen wegbrechen, bricht Versorgung weg. Die Belegteams in Groß-Umstadt, Hofgeismar, Fritzlar und Limburg haben bereits gekündigt oder sind kurz davor. Selbst der Landesverband der Hessischen Hebammen sagt, die Hebammen schaffen es nicht mehr wirtschaftlich. Das heißt übersetzt, sie hören auf. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Frauen alleingelassen werden, die Wege in die Kliniken länger werden. Es bedeutet, dass Geburten hektischer und damit riskanter werden. Es bedeutet weniger Begleitung, weniger Sicherheit, weniger Würde. Es ist sehr bedauerlich, dass dem Bundeskanzler dieses Problem nicht bekannt ist, wie er diese Woche in der „Arena“ im Fernsehen bekannt gegeben hat. Meine sehr verehrten Damen und Herren, hier hätte er einmal seine Töchter fragen sollen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Wiebke Knell (Freie Demokraten)) Jetzt werden Sie gleich sagen: Der Hebammenhilfevertrag, das wird ja nicht in Hessen geregelt, hat alles nichts mit Hessen zu tun. – Das stimmt, aber die unversorgten Frauen, die Gebärenden und die Hebammen leben und arbeiten nun einmal hier in Hessen, und denen müssen Sie helfen. Sehr verehrte Damen und Herren, es braucht nun Maßnahmen. Was es nicht braucht, ist es, den Unis Geld zu streichen und somit auch Studienplätze im Hebammenwesen, so wie es die University of Applied Sciences schon angekündigt hat. Das ist sicherlich keine geeignete Maßnahme, genauso wenig wie 500.000 Euro Mittel für die Maßnahmen des runden Tisches Geburtshilfe zu streichen. Das ist auch kein geeignetes Mittel. Beides liegt in Ihrer Verantwortung, und ich fordere Sie dringend auf, den runden Tisch wieder einzuberufen; denn da sitzen alle Akteure zusammen, da sollten Maßnahmen entwickelt werden, damit die Versorgung aufrechterhalten werden kann. Hier können Sie konkret handeln, also tun Sie es auch. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Wiebke Knell (Freie Demokraten)) Handeln Sie für die Frauen in Hessen, für ihre Kinder, für eine Geburtshilfe, die genauso stark ist wie Hessen. Stärken Sie Frauen in unserem Land, und werden Sie vor allem Ihrer eigenen Regierungserklärung von vor zwei Tagen auch gerecht. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Wiebke Knell (Freie Demokraten))

Alle Reden von Kathrin Anders Protokoll ↗