Dr. Josefine Koebe
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Für dieses Zehnte Gesetz zur Änderung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches haben wir alle zusammen schon eine größere und längere Reise hingelegt. Wir haben uns gestritten. Es wurde auch einmal emotional. Ich habe ein bisschen gegiftet, wie die „Frankfurter Rundschau“ den jüngsten Schlagabtausch zwischen Herrn Martin und mir bezeichnete hat. So ganz offiziell haben wir uns noch gar nicht vertragen, aber das kommt vielleicht noch. Schließlich haben wir ein Adventsplenum. Giften will ich heute auch nicht; denn heute ist ein guter Tag für Hessen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich habe die Rede gestern geschrieben, an einem Tag – Wiebke, da fühle ich mit dir –, an dem um 7:22 Uhr eine Bitte im EMail-Postfach landete mit einem Verweis auf die Personalampel. Ich habe diese Personalampel schon oft angeführt. Wenn es heute keine Jahrhundertrede wird, dann wissen Sie auch, warum. Die Elternsolidarität lebe hoch: Wenn möglich, sollten die Kinder doch bitte zu Hause betreut werden können. Warum komme ich immer wieder an mit den Ampeln? Wie viele von uns weiß ich, was da draußen los ist. Ich weiß aber auch, dass unsere Gesetzesänderung nicht dazu führen wird, dass all diese Ampeln hessenweit von heute auf morgen von Rot auf Gelb und wieder auf Grün springen. Ich weiß aber auch, dass diese Landesregierung auf dem Weg ist nach fünf Jahren Bräsigkeit, die Ihnen auch die Kommunalen Spitzenverbände attestiert haben – da waren sie sich bei der Anhörung sehr einig –, und einen wichtigen Meilenstein geht. (Jürgen Frömmrich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wo waren Sie?) Für diesen Weg möchte ich Frau Staatsministerin Hofmann und namentlich Frau Staatssekretärin Manuela Strube herzlich danken. (Beifall SPD und CDU) Sehr geehrte Damen und Herren, uns allen würde es guttun, mehr über die Potenziale zu sprechen, die noch vor uns liegen, als uns ständig mit dem Jammern über den Mangel aufzuhalten, von dem wir heute auch schon einiges gehört haben. Was passiert, wenn wir immer aus dieser Situation des Mangels heraus die Debatte führen? Die gumentation hat doch per se schon von vornherein negativen Startpunkt. Es geht immer um Defizite, es immer um Knappheit, und das ist einfach nicht sexy. (Zuruf Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Der Fokus liegt damit auf dem, was noch nicht ist möglicherweise verloren geht, statt auf dem, was schon und was noch möglich werden kann. Letzteres kommt in der gesamten Debatte zu kurz. Das bedeutet nicht, dass der Fachkräftemangel nicht ist, aber die Art und Weise, wie darüber in dieser gesprochen wird, prägt, ob man allein die Probleme die Chancen sieht, ob das Glas halb voll oder halb leer Die Anforderungen an Kindertageseinrichtungen sich in den vergangenen Jahren sicherlich sehr verändert. Immer mehr Kinder unter drei Jahren besuchen die ta. Die Anzahl der Kinder mit nicht deutscher Herkunftssprache ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig werden die Kinder tendenziell länger in betreut. Dies alles sind Anforderungen an ein System, stetig wächst und das seit der Erfindung des Kindergartens im Jahr 1840 von Friedrich Fröbel eine ganze Reihe Meilensteinen hinter sich gebracht hat. Sehr geehrte Damen und Herren, heute will ich mit über Chancen sprechen. Welcher junge Mensch hat Lust, in einem System anzufangen und sich einzubringen, in dem es scheinbar nur Probleme gibt? Diese Landesregierung will es zur Chance machen, in einer hessischen ta zu arbeiten. Ich habe mir eine Maßnahme herausgepickt. Nehmen wir beispielsweise die Maßnahme, den Fachkräftekatalog bedarfsgerecht zu öffnen und damit einen in Richtung multiprofessionelle Teams zu gehen. Das de übrigens von Verbänden und Trägern begrüßt. werden mehr geeignete Personen mit einem pädagogiknahen Hintergrund als Fachkräfte zur Mitarbeit ohne fallprüfung anerkannt. Aus einem halb leeren Glas getrunken könnte man viele Köche verderben den Brei. Aus einem halb Glas getrunken aber könnte man sehen, dass multiprofessionelle Teams unterschiedliche Kompetenzen zusammenbringen, die Kinder in ihrer Entwicklung vielfältig stützen können. Je nach Blinkwinkel entsteht entweder Problem oder eine Chance für innovative Betreuungsformen. Ich persönlich bin eher „Team Chance“ und habe in ner Zeit vor dem Abgeordnetendasein in einem sprechenden Ansatz von multiprofessionellen Teams erleben können, welch eine Magie entstehen kann, verschiedene Kompetenzen zusammenkommen. Keine Frage: Damit Multiprofessionalität ihre voll entfalten kann, bedarf es einer konsequenten und Personalentwicklung. Das sind sehr wichtige und Voraussetzungen für eine gelungene Zusammenarbeit. Hinzu kommt die sinnvolle Integration von Kompetenzen; denn es ist wichtig, dass in multiprofessionellen verschiedene Professionen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern gemeinsam einen ganzheitlichen Ansatz gen. An dieser Stelle kommt die wachsende Bedeutung der ta-Leitung ins Spiel. Auch das wurde in unserem Gesetzesvorhaben thematisiert. Jede oder jeder, der oder die Ar- lich die Gelegenheit hatte, beim bundesweiten Vorlesetag einen mit Kita-Leitungen ins Gespräch zu kommen – wir machen geht das sehr regelmäßig –, weiß, dass es immer weiter gehende Kompetenzen erfordert, eine moderne Kita zu managen. Nach dieser Gesetzesnovelle werden Absolventen des Studiengangs Sozialmanagement nach der Fortbildung als oder freigestellte Kita-Leitungen anerkannt. Aktuell scheitern ist viele engagierte Personen ganz knapp an formalen Hürden, mir obwohl sie hervorragende Leitungsfachkräfte wären. Diese Hürden wollen wir abbauen, werden wir abbauen und weitere Aufstiegschancen innerhalb des Systems ermöglichen. real Debatte (Beifall SPD und CDU) oder ist. Wir haben es schon mehrfach im Plenum gesagt: Wir wollen die Besten für die Jüngsten. Wir haben neben der Gehaben setzesänderung – die Frau Staatsministerin hat es bereits angekündigt – in unserem Kita-Paket trotz angespannter Kiwirtschaftlicher Lage an vielen weiteren Stellschrauben gedreht, um genau diese Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, zum Beispiel den Fokus auf gesundheitsfördernde Kitas Maßnahmen und damit auf Prävention zu richten. das Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir lesen in Ihren Voran schlägen viele konstruktive Ideen, insbesondere zum Thema Sprachförderung. Sie können sich sicher sein, dass dieses Thema für uns von zentraler Bedeutung ist. Ihnen denn Wie ich aber auch schon im Ausschuss gesagt habe, gibt es aktuell bundespolitische Debatten. Wer den Koalitionsvertrag von SPD und CDU gelesen hat, der weiß, dass das KiThema Sprachförderung auch auf Bundesebene eine große Rolle spielt und deshalb sinnvollerweise auch in die Arbeit unserer Landesregierung einfließen wird. Schritt Die Beratungen zum Qualitätsentwicklungsgesetz dauern wurnoch an. Aus diesem Grund verlängern wir insbesondere Künftig die Geltungsdauer des bestehenden HKJGB bis Mitte 2027 – sofern das Ihre Frage von vorhin beantwortet –, um auch Einzeldiese Entwicklung in eine elfte Novelle des HKJGB zu gießen. meinen, Sehr geehrte Damen und Herren, an dieser Stelle wollte vollen ich eigentlich schließen mit der Voraussicht, dass nach der Novelle vor der Novelle ist. Ich muss aber doch noch etwas sagen, weil ich der vorangegangenen Debatte zur unterFamilien- und Frauenpolitik lauschen durfte. ein Herr Richter ist gerade nicht im Saal. Herr Bärsch, Sie werden gleich sicherlich noch etwas sagen. Ich muss noch etwas zu dieser „Wolf im Schafspelz“-Methode sagen, die meiwir hier ständig hören. Es widerstrebt mir, auf Ihren Invielverternetseiten unterwegs zu sein. Der NDR hat das für die selbst Landtagswahl in Niedersachsen einmal zusammengefasst. wenn Sie versuchen hier immer vermeintlich konstruktiv, progressive Ansätze zum Ausbau der Kindertagesbetreuung Chancen darzustellen. TeamSchauen wir uns aber einmal an, wie Sie Ihr traditionelles Themen Frauenbild definieren: Viele Kinder soll sie bekommen und sich in Vollzeit um die Familie kümmern. Was Sie unter „traditionell“ verstehen, kann man beispielsweise Teams im Landtagswahlprogramm oder in Ihrem Grundsatzprogramm nachlesen: Die ideale Frau betreut die Kinder, führt verfolden Haushalt und kümmert sich um die pflegebedürftigen Eltern in der Nachbarschaft. Es ist auch folgender Satz Ki- zu finden: „Keine Familie darf aus finanziellen Gründen dazu gezwungen sein, ihr Kind in eine Kita abgeben zu kürz- müssen.“ Ich will an dieser Stelle sagen, sehr geehrte Damen und Herren: Hier sitzen Wölfe, keine Schafe. Schauen Sie sie sich genau an. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und CDU)
