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Dr. Daniela Sommer

13.11.2025 Sitzungen 21/54

Für die Freien Demokraten spricht die Fraktionsvorsitzende, Frau Abgeordnete Knell. Bitte schön, Sie haben das Wort. Wiebke Knell (Freie Demokraten): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt diesen Moment im Plenum, in dem man eine neue Drucksache der Landesregierung liest, die Stirn runzelt und sich denkt: „Moment mal, das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Da arbeitet man an einem Antrag, bringt ihn ein, und ein halbes Jahr später findet man ihn fast wortgleich wieder, nur mit einem anderen Briefkopf – und genau das ist hier passiert. (Zuruf Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten)) Wir Freie Demokraten haben im März unseren Antrag „Digitale Zukunft für alle – Mädchen und Frauen in der ITBranche stärken“ eingebracht, und siehe da: Im September legt die Landesregierung plötzlich ihren Antrag „Digital Durchstarten – Mehr Frauen für mehr Innovation und mehr Gleichberechtigung“ vor. Ich sage: Nachmachen ist ausdrücklich erlaubt, aber ein kleiner Quellennachweis wäre nett gewesen. (Beifall Freie Demokraten) Natürlich freuen wir uns auch, wenn gute Ideen Schule machen. Aber wenn man dann beide Anträge nebeneinanderlegt, fällt auf: Die Landesregierung schreibt bei uns ab, aber ohne die Konsequenz mitzunehmen. (Oliver Stirböck (Freie Demokraten): Das war mit ChatGPT! – Zurufe) – Ich warte einmal, bis Sie fertig sind mit Lachen. – Wir sagen: Informatik gehört als Pflichtfach ab Klasse 5 in die Schulen – benotet und versetzungsrelevant. Die Landesregierung sagt: Wir haben ein tolles Pilotprojekt an 80 Schulen von 1.800. – Wir sagen: Mädchen brauchen reale Vorbilder, Expertinnen aus der Praxis, die sie inspirieren. – Die Landesregierung sagt: Wir haben eine Veranstaltungsreihe „Women go digital“. – Das ist nett, aber ein Nachmittag alleine reißt es dann auch nicht heraus. Wir sagen: Es braucht gezielte Mentorinnenprogramme, damit Schülerinnen selbst zu Botschafterinnen digitaler Kompetenzen werden. – Die Landesregierung sagt: Wir machen Mentoring. – Irgendwie, irgendwo: Keiner weiß so richtig, wie. Kurz gesagt: Wir liefern ein Konzept, Sie liefern Schlagworte. Genau das ist das Problem dieser Landesregierung. Sie erkennt an, dass es eine digitale Kluft zwischen Männern und Frauen gibt. Sie schreibt auch schöne Sätze darüber. Frau Kraft hat auch sehr schöne Worte dazu gefunden. Aber wenn es um konkrete, messbare Maßnahmen geht, dann bleiben Sie halt im Pilotprojektmodus stecken. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ein Pflichtfach Informatik: Fehlanzeige. Ein verbindliches Curriculum: Fehlanzeige. Ein flächendeckendes Mentorinnenprogramm: Fehlanzeige. Es ist ein bisschen so, als würden Sie behaupten, Sie könnten schwimmen, weil Sie einmal den großen Zeh ins Wasser gehalten haben. Dabei wissen wir doch alle, die Zahlen sind alarmierend. Nur 19 % der IT-Fachkräfte in Deutschland sind Frauen. Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld. Gleichzeitig fehlen in Hessen bis 2035 rund 495.000 Fachkräfte. Das ist ein riesiges Potenzial, das wir verschenken, wenn wir Mädchen und Frauen nicht gezielt fördern. (Beifall Freie Demokraten) Herr Kollege Bletzer, beim AfD-Frauenbild weiß ich manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Wenn Sie an Frauen denken, dann denken Sie an 99 % Kosmetikerinnen. (Heiko Scholz (AfD): Was?) Wenn ich an Frauen denke, dann denke ich auch an die Kosmonautin. Wir sollten doch Frauen befähigen, dass sie alles werden können. (Beifall Freie Demokraten, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) Dafür müssen wir an diesem Bildungssystem etwas ändern. Dafür brauchen wir auch weibliche Vorbilder. Wir brauchen Pflichtfach, Praxisbezug, Peer-to-Peer-Lernen. Ich sage es ganz offen: Wenn Sie sich schon an unseren Ideen bedienen, greifen Sie beherzt zu, aber dann übernehmen Sie auch die Substanz und nicht nur die Verpackung. Meine Damen und Herren, die digitale Zukunft wartet nicht. Sie verlangt nach mutigen Entscheidungen, und zwar heute. Wir Freie Demokraten stehen bereit, diesen Weg mit konkreten, durchdachten Konzepten zu gehen, aber nicht nur mit wohlklingenden Überschriften und Pilotprojekten ohne Wirkung. – Vielen Dank. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Protokoll ↗