Astrid Wallmann
Vielen Dank. – Als Nächste darf ich das Wort an Abgeordnete Dr. Daniela Sommer von der SPD-Fraktion geben. Dr. Daniela Sommer (Waldeck-Frankenberg) (SPD): Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! der Debatte im Plenum, nach der im Ausschuss und der Auswertung der Anhörung ging es mir wie Frau ders. Wir sind uns eigentlich einig, dass dieses sinnvoll sein wird. Die Regeln, die eingeführt werden, gute Regeln. Das wurde auch von den Sachverständigen begrüßt. Das Kindergesundheitsschutz-Gesetz setzt klar das dass die gesundheitliche Vorsorge für die Kinder ein trag an die öffentliche Hand ist. Das Gesetz wird Ungleichheiten ausgleichen. Denn die Kinder bekommen unabhängig von der Herkunft oder dem Einkommen der Eltern gleichen Chancen auf Gesundheit. Das stärkt die Entwicklungschancen jedes einzelnen Kindes. (Beifall SPD) Durch die Frühuntersuchungen können Krisen und heiten frühzeitig erkannt oder verhindert werden. tig kann Hilfe angeboten werden. Langfristig wird Kosten sparen. Dieses Gesetz wird also helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, bevor sie zu Krisen werden. wird helfen, rechtzeitig Unterstützung zu leisten. (Beifall SPD) Mein besonderes Augenmerk möchte ich auf die J1 ten. Vielleicht erinnern Sie sich daran: Ich habe schon der ersten Lesung davon berichtet, dass die J1 nicht gut wahrgenommen wird. Die Inanspruchnahme liegt bei 32,9 %. Woran liegt das? – Viele Jugendliche Eltern kennen die J1 gar nicht. Viele Jugendliche sich gesund und haben keinen Bedarf. In dem Alter es aber auch so, dass man Scham oder Unsicherheit über sensible Themen zu sprechen. Hinzu kommen fehlende Motivation und fehlende Zeit. Wir haben es gehört: Bisher haben die Praxen nicht laden. Das wird demnächst gemacht werden. Es ist voll, das zu fixieren. Die J1 ist nämlich im Hinblick die Prävention enorm wertvoll. Denn sie setzt in entscheidenden Lebensphase an, der Pubertät. In Zeit werden gesundheitliche Weichen für das ganze gestellt. Eine erhöhte Teilnahme bedeutet, dass körperliche derungen oder Krankheiten, zum Beispiel Schilddrüsenprobleme oder Essstörungen, früh erkannt und behandelt werden. Das gilt auch für psychische Probleme wie pression, Angst, Selbstverletzung oder Mobbing. Das ben wir schon gehört. Dann kommt hinzu, dass die Gesundheitskompetenz durch gestärkt und gefördert wird. Denn wer früh heitsroutinen und Aufklärung erfährt, hat ein geringeres Risiko, später, also im Erwachsenenalter, an chronischen Krankheiten zu erkranken. Sie sehen: Eine erhöhte Teilnahme an der J1 ist ein scheidender Schritt, um die Jugendlichen frühzeitig sundheitlich zu stärken, Risiken zu erkennen und sie ein gesundes Erwachsenenleben vorzubereiten. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Frau Mehr Teilnahme bedeutet mehr Prävention. Schließlich haben diese Menschen dann auch eine gesündere Zukunft. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Das verpasste Potenzial aufgrund der geringen Teilnahmequote an der J1 gehen wir jetzt an. Wir wollen eine bessere Nach Teilnahme, eine bessere Gesundheitsvorsorge, frühere Hilfen bei Problemen und eine stärkere Kompetenz hinsichtnach An- lich der Gesundheit mit positiven Auswirkungen auf das Gesetz ganze Leben aller Jugendlichen ermöglichen. sind Das Kindergesundheitsschutz-Gesetz mit den U-Untersuchungen und der J1 ist wichtig, richtig und notwendig, um eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung in Signal, der Kindheit und der Jugend zu fördern. Sie ist praktisch Auf- ein stabiles Fundament für das ganze Leben. Sie legt den Grundstein für die Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit und die Zufriedenheit. die Deswegen möchte ich hervorheben: Menschen, die früh gelernt haben, auf ihren Körper und ihre Psyche zu achten, haben im Erwachsenenalter meist ein geringeres Risiko, zu erkranken oder ein Burn-out oder eine Depression zu bekommen. Sie entwickeln Resilienz, also innere Stärke, Krankund die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen und ihr Potenzial Frühzeiin der Schule, im Beruf, aber auch in ihren Beziehungen zu das entfalten. Es Der Kindergesundheitsschutz ist daher eine Investition in die Zukunft. Das stärkt die Kinder heute und befähigt sie zu einem gesunden Leben morgen. Das wird dazu beitragen, dass sie auch im Alter länger aktiv, selbstbestimmt rich- und gesund bleiben. in Ich freue mich, dass wir diese Investition in die Zukunft so der hessischen Kinder und Jugendlichen heute beschließen nur werden. Das ist ein gutes Zeichen. – Herzlichen Dank. und fühlen (Beifall SPD und CDU) ist hat, auch Präsidentin Astrid Wallmann: Vielen Dank. – Als Nächstes darf ich das Wort der Landeseinge- regierung geben. Frau Staatsministerin Stolz, sie ist für das sinnThema Gesundheit zuständig, erhält nun das Wort. Bitte auf schön. einer dieser Leben Diana Stolz, Ministerin für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege: Verän- Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Um was geht es bei diesem Gesetz? Es geht um das Wertvollste, was wir haben, unsere Kinder. De- Die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen sollte uns ha- allen am Herzen liegen. Kinder und Jugendliche brauchen unsere besondere Aufmerksamkeit. Sie sollen in Hessen gesund und gesundheitdaGesund- lich gut betreut aufwachsen können. Dafür sind wir bereits beispielgebend, und dafür verbessern wir weiterhin den Rahmen. Drei Punkte möchte ich dabei hervorheben: Erstens. Das erweiterte Einladungswesen für die Vorsorgeent- untersuchungen. Künftig werden die Eltern der Jugendlige- chen eine Einladung zur J1-Untersuchung erhalten. Das auf ist mehr als eine organisatorische Maßnahme. Es ist eine Einladung zu einem Gespräch über Gesundheit, Selbstfürsorge und Verantwortung in einer Lebensphase, in der die jungen Menschen oft Hemmungen haben, Hilfe zu suchen, nämlich in der Pubertät. In der Lebensphase, in der sich der Körper sehr verändert, ist es selbstverständlich, dass man viele Fragen hat. Die J1 ist der Moment, in dem die Ärztinnen und Ärzte mit den Jugendlichen über Ernährung, Bewegung, Suchtverhalten, Sexualität oder seelische Belastungen sprechen können. Sie kann helfen, Krankheiten frühzeitig zu diagnostizieren oder Missbrauchs- oder Vernachlässigungsfälle zu erkennen. Sie bietet zugleich den idealen Zeitpunkt für die HPV-Impfung. Ich werbe ausdrücklich dafür, dass diese Impfung bekannter wird. Sie schützt vor Infektionen, die später bestimmte Krebsarten auslösen können. Wenn mehr Jugendliche diese Chance nutzen, ist das gelebte Krebsprävention. (Beifall CDU und SPD) Prävention ist dabei kein Nice-to-have, sondern eine der besten Investitionen, die wir als Gesellschaft tätigen können. Jeder Euro, den wir heute in Vorsorge, Aufklärung und frühe Unterstützung stecken, spart morgen vielfach Kosten und vor allem Leid. Gesundheitskompetenz entsteht nicht erst im Erwachsenenalter, sondern schon in jungen Jahren. Wenn junge Menschen das früh merken und Verantwortung für ihren Körper und ihr Wohlbefinden übernehmen, dann profitieren sie davon ein Leben lang. Prävention bedeutet also nicht nur, Krankheiten zu vermeiden, sondern Lebensqualität zu fördern. Deshalb ist dieser Gesetzentwurf auch ein Beitrag zur langfristigen Stärkung unseres Gesundheitssystems insgesamt. Zweitens. Die Aufnahme des Neugeborenen-Hörscreenings in den Aufgabenkatalog des Hessischen Kindervorsorgezentrums. Hier geht es um unsere Allerkleinsten. Damit stellen wir klar, dass jedes Neugeborene in Hessen in den ersten Lebenstagen ein Hörscreening erhält. Früh erkannte Hörstörungen bedeuten frühzeitige Förderung, eine bessere Sprachentwicklung und damit echte Teilhabe von Anfang an. Drittens. Mehr Bürgernähe und Entbürokratisierung. Künftig kann das Kindervorsorgezentrum direkt mit den Eltern Kontakt aufnehmen. Das ist eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Änderung; denn sie erleichtert Abläufe und spart Zeit. Diese drei Punkte machen deutlich: Die Gesetzesänderung reiht sich in unseren weiter gedachten, multiprofessionellen Ansatz beim Thema Kindergesundheit ein; (Beifall CDU und SPD) denn gute Versorgung entsteht dort, wo Medizin, Prävention, Bildung und soziale Unterstützung zusammenwirken. Im Pakt für Gesundheit Hessen bringen wir die relevanten Akteure zusammen; denn uns alle eint das Ziel, Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass sie gesund aufwachsen können – körperlich, seelisch und sozial. Wir wissen: Kein Berufsstand, keine Einrichtung kann das alleine leisten. Deshalb fördern wir die Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg und stärken Netzwerke, in denen Wissen geteilt und Verantwortung gemeinsam getragen wird. Der Aktionsplan „Netzwerk Kinder- und Jugendmedizin – Gesund aufwachsen in Hessen“, der in der vergangenen Woche im Rahmen des Paktes beraten wurde, setzt genau hier an. Er betrachtet Kindergesundheit als Gesamtaufgabe, von der Geburt bis ins Jugendalter, von der Prävention bis zur psychosozialen Unterstützung, von der FrühchenMilchspende über Videosprechstunden bis hin zum Kindervorsorgezentrum. So schaffen wir nach und nach eine Versorgung, die nah an den Familien ist: modern, verlässlich und menschlich zugleich. Gemeinsam geben wir damit der nächsten Generation einen guten Start. (Beifall CDU und SPD)
