Ines Claus
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Wir reden heute über Einsamkeit. Es ist richtig und tig, dass wir das heute machen. Einsamkeit ist so viel als das bedrückende Gefühl, alleine zu sein und sich ziale Kontakte zu Menschen zu wünschen. Wir haben Zahlen gehört. Das sind 20 % der Menschen in Deutschland in allen Altersklassen, die von Einsamkeit sind, und zwei Drittel der jungen Erwachsenen, also schen 18 und 39, die von Einsamkeit betroffen sind. sind Zahlen, die uns alle besorgen und zum Arbeiten gen sollten. Deswegen ist es gut, dass sich dieser Antrag mit Thema beschäftigt und auch einmal versucht, die Ursachen zu erläutern. Denn Einsamkeit scheint unheimlich Gesichter zu haben. Sie kann still sein, sie kann aber offensichtlich und sehr bedrückend sein. Sie betrifft Menschen in allen Altersklassen über alle Schichten weg. Sie kann dauerhaft sein, also chronisch, oder einzelfallbezogen. die Eines ist aber sicher: Die Bekämpfung von Einsamkeit ist überlebenswichtig; denn Einsamkeit betrifft unterschiedliche Regionen im Gehirn. Im Gehirn sind dann die Regionen, die für Stress oder für Bedrohungsszenarien zuständig sind, stark aktiviert, wohingegen die Regionen, die für wir soziale Kontakte, für Empathie zuständig sind, gar nicht mehr belastet sind und dadurch sogar absterben. Denn Das heißt, Einsamkeit ist mehr als ein Gefühl. Die Menschen empfinden sie sogar als Schmerz. Sie führt zu neudafür, robiologischen Veränderungen und Krankheitszuständen. Das haben wir heute schon gehört. Ich bedanke mich auch dafür, dass es eine so geordnete und sachliche Diskussion bei diesem so wichtigen Thema war. müssen Klar ist auch: Einsamkeit ist nicht die Folge eines singulären Problems, sondern sie ist die Folge von vielen Faktoren, ja, von der Kommunikation, von strukturellen Veränderungen, auch in der Familie. Sie ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass man sich alles nach Hause brinSchritt, gen lassen kann, digital bestellen kann und Homeoffice-Sials tuationen erlebt. All das sind Punkte, die eine Kehrseite von Digitalisierung sind. sondern Deswegen müssen wir natürlich Instrumente finden, um Einsamkeit zu begegnen. Deswegen ist es wieder genau so, wie wir es häufig in Debatten haben. Wir haben als Negativpunkte von der einen Seite, von den GRÜNEN, gehört: Die Wir brauchen mehr Förderprogramme, um Einsamkeit zu grünbekämpfen. – Von der FDP haben wir gehört: Das werden eigene wir mit Förderprogrammen nicht schaffen. Genau das ist der Punkt. Ja, wir haben viele Förderprogramme, auf die ich noch eingehen werde. Wir wollen einen Aktionsplan, und wir wollen auch einen Aktionstag. HesDas ist gut und richtig so. Aber wir müssen uns gleichweil zeitig natürlich einig sein, dass Politik, Verordnungen, Gesetze, Aktionstage das Thema nicht ganz alleine regeln können. Das gehört zur Wahrheit dazu, und das ist auch das Schöne, warum man diese Debatten führen kann. Meine Damen und Herren, gleichzeitig sollte es uns nicht davon entbinden, diese Debatte hier miteinander zu führen. (Beifall CDU, SPD und Freie Demokraten) KolleKlar ist, wir werden es nur mit den Menschen lösen können. Wir müssen die Menschen vernetzen. Wir müssen auch die Nachbarschaften wieder in den Blick nehmen, die Familien. All das sind Punkte, die der Kollege Promny Herren! erwähnt hat. Das ist auch so. Apropos Nachbarschaft. Man wich- kann doch sagen: Was alle angeht, können auch nur alle lösen. mehr so- (Beifall Moritz Promny (Freie Demokraten)) die Das ist eine einfache Beschreibung, aber sie ist ebenso bedroht wichtig. Deswegen müssen wir schauen, wie wir gemeinzwi- sam miteinander umgehen. Ich finde, einen schönen AnDas satz – um das einmal ganz aktuell zu erwähnen – hat heute anreMorgen Pfarrer Marco Glanz in der Andacht vor unserer Plenarsitzung genannt: Wir müssen alle aufeinander achten. – Das sind Punkte, die guttun, die auch selbstverständdiesem lich sind. Aber es ist schön, das im Plenum des Landtags sagen zu können. viele auch Ich will aber gleichzeitig sagen, dass das auch passiert. Da alle will ich ein deutliches Dankeschön an alle Vereine richten, hin- an alle Sportvereine, an all diejenigen, die Gemeinschaft auch leben. Wir dürfen das nicht als selbstverständlich sehen. Es tun ausdrücklich alle Vereine, natürlich auch die Musikvereine. Hier findet Gemeinschaft, hier findet Gesellschaft statt, und das ist ein aktives Programm zur Einsamkeitsbekämpfung. (Beifall CDU und SPD) Meine Damen und Herren, das sind genau diese niedrigschwelligen Orte des Beisammenseins. Diese traditionellen Strukturen müssen wir weiter fördern. Deswegen hat es mich verwundert, von der sehr geschätzten Kollegin Anders zu hören, dass wir an der Stelle streichen würden. Wir haben so viele Familienzentren wie noch nie. Wir haben 229 Familienzentren. Um auch die Frage zu beantworten, wo bei uns die Haushaltsstelle für das Thema Bekämpfung der Einsamkeit ist: Einsamkeit ist eine Querschnittsaufgabe. Das ist auch klar. Das sind die Familienzentren, es sind die Gemeindepfleger. Es sind so viele Punkte, und ich sage es noch einmal: Es sind auch die Vereinsstrukturen und die Vereinsförderung. Das heißt, wir haben sogar ganz viele Haushaltsstellen zur Bekämpfung von Einsamkeit. (Beifall CDU und SPD) Ich will es auch sagen: Wenn wir einen Aktionstag vorschlagen, dann ist das genauso wesentlich und wichtig wie zum Beispiel die Aktion, die vielleicht jeder in der Länderspielpause gesehen hat: #meldedichmalwieder von Carolin Kebekus. Das ist keine Symbolpolitik. Nein, wir nennen es Enttabuisieren. Wir haben alle gleichzeitig die Feststellung getroffen, dass es gut ist, da es ein Thema ist, das verschämt. Wenn jeder daran mitwirkt und sagt, es betrifft viele, dann kann man auch darüber sprechen. Dann kann man auch einen Aktionstag machen. Das ist keine Symbolpolitik, sondern das ist Enttabuisierung. (Beifall CDU und SPD) Meine Damen und Herren, deswegen möchte ich eines deutlich sagen: Ja, wir haben viele Strukturen, aber es fehlt häufig noch an der Verbindung zwischen den Strukturen und den Betroffenen. Daran müssen wir arbeiten. Wir haben zahlreiche großartige Initiativen. Wir haben viele Programme. Wir haben viele Maßnahmen gegen Einsamkeit. Nur, wir müssen sie jetzt mit Schnittstellen versehen. Das heißt, das ist der Ansatz, den wir jetzt nehmen sollten: die Einsamen und die Strukturen, die wir schon haben, vernetzen, vielleicht mit einer einheitlichen Plattform. All das sind Möglichkeiten, die wir uns anschauen konnten. Oder das Beispiel des Vereins Silbernetz e. V., den ich großartig finde. Dort können einsame ältere Menschen entweder anrufen oder sich anrufen lassen. Um ein hessisches Projekt zu nehmen: Digitale Teilhabe findet dadurch statt, indem man es lernt. Ich finde das Projekt der „Di@-Lotsen“ unseres Digitalministeriums an der Stelle sehr gut, um Hürden abzubauen, damit sie sagen können: Ich kann mit diesem Handy oder einem iPad mitmachen und bin weniger alleine. Das sind gute Punkte, die wir weiter unterstützen sollten. – Eine weitere Haushaltsstelle, wo wir uns um das Thema Bekämpfung von Einsamkeit kümmern. (Beifall CDU und SPD) Meine Damen und Herren, wir haben schon mehrfach gehört, dass wir uns der Bekämpfung von Einsamkeit annehmen wollen. Das steht im Koalitionsvertrag. Wir wollen einen Aktionsplan aufsetzen. Wir wollen ihn jetzt mit Leben füllen. Wir haben viele Punkte gehört. Wir haben sehr gut zugehört bei Ihren Punkten, Sie bei unseren auch. Das freut mich sehr. Ich will einen Punkt erwähnen. Das ist ein Film aus den 2000er-Jahren, ein französischer Film, der hieß: „Zusammen ist man weniger allein“. Ich finde, dieser Punkt trifft es. Wir brauchen alle. Wir brauchen die Familien, die Vereine, die Strukturen, unseren Aktionsplan, unseren Aktionstag. All das brauchen wir. Dann werden wir Einsamkeit bekämpfen. Ob wir sie ganz bekämpfen, das liegt an uns allen. Aber wir sind auf einem guten Weg, und ich bedanke mich ausdrücklich für diese ausgewogene Debatte am heutigen Morgen. – Vielen Dank. (Beifall CDU und SPD)
