Gerhard Bärsch
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Einsamkeit ist kein Randphänomen, sondern ein wachsendes Risiko für die Teilhabe und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in allen Altersgruppen und nicht zuletzt auch für die eigene Gesundheit. Sie verlangt eine ernst gemeinte und verlässliche politische Antwort, auch in Hessen. Einsamkeit bleibt oft unsichtbar: Man kann von Menschen umgeben sein und sich dennoch verloren fühlen. Dieses Gefühl hat viele Gesichter. Der Arbeitskollege im Büro: Den ganzen Tag Meetings und Witze in der Kaffeeküche, doch abends in der 40‑Quadratmeter‑Wohnung nur der Kühlschrank; niemand fragt, wie der Tag Die Seniorin im Pflegeheim: Fünf Kinder, elf Enkel, der Kalender zeigt nur Arzttermine; sie lauscht auf Schritt im Flur. Die alleinerziehende Mutter: Kita, Einschlaflied; abends sinkt sie aufs Sofa, das Handy stumm, niemanden interessiert die Last auf ihren tern. Der erfolgreiche Influencer: Tausende Follower virtuelle Freunde, doch niemand kommt auf einen vorbei. Der Antrag von CDU und SPD setzt hier richtigerweise und erkennt Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche ausforderung. Sie wollen enttabuisieren, Fachkräfte bilisieren, einen jährlichen Aktionstag etablieren sowie Infrastruktur von Vereinen und Mehrgenerationenzentren stärken und besser vernetzen. Ihr Antrag adressiert Jugendliche mit Resilienz- und Lebenskompetenzprogrammen, Alleinerziehende mit verlässlicher Betreuung und tere Menschen mit digitaler Teilhabe und Beratung. Doch eines muss klar benannt werden: Während der na‑Zeit haben Ihre Maßnahmen ‒ Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen, Besuchsverbote ‒ die Einsamkeit siv verstärkt. (Beifall AfD) Das zeigen die Zahlen des SOEP‑Panels des DIW und Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung ganz Wir sprechen hier von Millionen Betroffenen jeden Dabei haben Sie alle mitgemacht, meine Damen und ren ‒ von den GRÜNEN bis zur FDP. (Beifall AfD) Dass gerade die SPD diesen – unbestritten wichtigen – trag zum Setzpunkt erhebt, zeigt, dass sich wieder der Bock zum Gärtner machen will. (Beifall AfD) Kinder und Jugendliche saßen wochenlang allein vor schirmen; Schulhöfe und Klassenzimmer wurden gehend zu Lost Places. Studien wie COPSY zeigen, sehr die Seelen derjenigen gelitten haben, die zur Generation gehören; Einsamkeit wurde für viele zum ma. Alleinerziehende mussten Homeschooling und che Fürsorge allein stemmen, während viele Hilfsstrukturen wegbrachen. Die Belastung stieg dramatisch. In den Heimen standen zu oft Enkelkinder hinter scheiben, während die Großeltern drinnen sehnlichst Besuche und Berührungen ihrer Angehörigen warteten. Selbst der Deutsche Ethikrat warnte damals früh vor ler Isolation in der Langzeitpflege und forderte ein destmaß“ an echten Kontakten, weil virtuelle Begegnungen nur Ergänzung, nie Ersatz sein können. Zu viele Menschen sind isoliert und getrennt von ihren Angehörigen ben – eine unerträgliche, traumatisierende Erfahrung, sich nie wiederholen darf. (Beifall AfD) Die herrschende Politik hat in dieser Zeit an Kindern, unseren Familien, unseren Senioren und an Kranken versagt. Die AfD hat früh vor diesen gewarnt und sich gegen unverhältnismäßige Maßnahmen eingesetzt. (Beifall AfD) Gerade die tiefen Einschnitte in unsere Gesellschaft und brummt das Auseinanderdriften von Familienstrukturen machen war. deutlich, wie dringend wir umdenken müssen. Familien doch sind das Fundament jeder Gesellschaft; sie geben Halt, jeden Orientierung und Geborgenheit. Doch dieser Halt bröckelt. Kochen, Immer öfter tritt das Ich an die Stelle des Wir. Familibleibt enstrukturen haben sich in den letzten Jahrzehnten tiefSchul- greifend verändert: Scheidungen, Fernbeziehungen, Alleinund erziehende, Patchwork, Pflegebelastungen. All das spieKaffee gelt die gesellschaftliche Realität wider, aber es schwächt zugleich die Selbstverständlichkeit des familiären Zusammenhalts. an Her- Hinzu kommt eine zunehmende Polarisierung. Politische sensi- und weltanschauliche Spaltungen betreffen heute nicht seldie ten auch Familien; die Gräben verlaufen mittendurch. Was früher noch am Mittagstisch besprochen und ausgehalten gezielt wurde, führt heute oft zu Schweigen und Distanz. (Beifall AfD) älMit einigen der Reden in diesem Hohen Haus tragen auch wir dazu bei. CoroAuch die äußeren Bedingungen setzen Familien unter masDruck. Berufliche Zwänge, steigende Lebenshaltungskosten, Energiepreise und Inflation nehmen vielen die Zeit und die Möglichkeiten, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Ein Kinoabend, der Sonntagsausflug ins Schwimmbad das oder das Pizzaessen im Restaurant: Für viele Familien sind deutlich. diese selbstverständlichen Formen des Miteinanders kaum Alters. noch bezahlbar. Her- (Beifall AfD) Dabei brauchen gerade Kinder solche Momente, um Bindungen aufzubauen, sich an Vorbildern zu orientieren und Ansoziale Stärke zu entwickeln. Wenn wir Einsamkeit wirkeinmal sam bekämpfen wollen, müssen wir deshalb Familien als Orte der Nähe, der Verlässlichkeit und des Zusammenhalts wieder in den Mittelpunkt rücken. Das heißt: echte Familienpolitik, nicht nur Betreuungspolitik. Bild- (Beifall AfD) vorüberwie Gemeint ist eine Politik, die Eltern Zeit füreinander lässt, jungen Familienverbünde stärkt und Begegnungsräume fördert, in Traudenen sich Angehörige verschiedener Generationen, Nachelterlibarn und Freunde wieder als Gemeinschaft erleben können; denn, wo Familie trägt, da verliert die Einsamkeit ihren Nährboden, meine Damen und Herren. Glas- (Beifall AfD) auf Einen Aktionsplan gegen Einsamkeit zu fordern ist das sozia- eine, ihn aber in der Realität zu leben, ist etwas anderes, „Min- meine Damen und Herren, und hier stehen Sie ganz besonders in der Verantwortung. Ihr Antrag enthält, wie bereits angeführt, einige wichtige Punkte, zum Beispiel die Stärverstor- kung vorhandener Strukturen, präventive Angebote für bedie sonders Belastete und die Balance zwischen digitalen und analogen Lösungen. Aber der Beschlusstext bleibt vage bei Zuständigkeiten, messbaren Zielen und Budget. Ohne Klarheit bleibt die Steuerung schwierig. unseren Es braucht außerdem eine enge Verzahnung mit der „Straden tegie der Bundesregierung gegen Einsamkeit“ und deren Folgen „Allianz gegen Einsamkeit“, damit Impulse klug genutzt und Doppelstrukturen vermieden werden. Digitale Lösungen sollen Ungleichheiten abbauen und Begegnungen ermöglichen; sie dürfen aber niemanden zurücklassen. Aus Sicht der AfD‑Fraktion gehört zur ganzen Wahrheit auch: Ein künftiger Aktionsplan gegen Einsamkeit in Hessen muss die Fehler der Corona‑Politik offen benennen, die Würde der Älteren, die Freiheit der Familien und die Nähe zwischen Kindern und ihren Lebenswelten schützen sowie Krisenmaßnahmen grundsätzlich so austarieren, dass soziale Verbundenheit in Zukunft nicht wieder als Erstes geopfert wird. Wir plädieren daher ergänzend für zusätzliche Leitlinien, die in Pflege und Krankenhaus nicht nur ein Mindestmaß an persönlichen Kontakten garantieren, sondern auch ein notwendiges „Normalmaß“ definieren; denn die Würde des Menschen bemisst sich auch daran, ob er Nähe erleben darf. (Beifall AfD) Für junge Menschen gehört in jede Schule ein Programmbaukasten mit den Bausteinen Lebenskompetenz, Schulsozialarbeit, Vereinsanbindung und Medienkompetenz, damit Heranwachsende Freundschaft, Teamgeist und seelische Stärke lernen, bevor sich die Einsamkeit festsetzt. Im Ergebnis steht aber unsere Zustimmung zu diesem Antrag, verbunden mit der Erwartung, dass der angekündigte Aktionsplan in Hessen konsequent und menschlich umgesetzt wird, damit gute Absichten zu echten Veränderungen im Kampf gegen Einsamkeit führen. – Vielen Dank. (Beifall AfD)
