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Turgut Yüksel

SPD 12.11.2025 Sitzungen 21/53

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es mag Menschen geben, die gerne allein sind, aber kaum jemand Freien ist gerne einsam. Die Wörter „einsam“ und „allein“ bedeuten eben nicht dasselbe. Während das Alleinsein die Wort. Abwesenheit anderer Menschen beschreibt, ist es weitaus schwieriger, Einsamkeit zu definieren. Einsamkeit kann ein Mensch an vielen Stationen erleben, ob zu Hause, auf der Arbeit, auf der Straße oder im Plenarsaal. Herren! Wir alle haben Einsamkeit schon einmal erlebt. Die meiswir ten von uns haben aber das Glück, dass Einsamkeit in ihausstat- rem Leben nur zeitweise und kurzfristig auftritt. Niemand Es kann die Einsamkeit anderer sehen, und dennoch ist sie ein Teil. stetiger Begleiter vieler Menschen. Genau das macht sie so traurig, so gefährlich und so relevant, auch für uns als als Politiker. Einsamkeit hat dramatische Folgen; denn chroniProblem sche Einsamkeit kann nachweislich gesundheitlich zutiefst Problem schädigend sein. Einsamkeit stresst den Körper. Mit zunehlaut mender Einsamkeit nehmen die Fälle von Herz-Kreislaufhat. Erkrankungen, von Suchterkrankungen, von Burn-out und weiteren psychischen Erkrankungen zu. Allzu oft entsteht ein Teufelskreis. BÜNDDennoch trauen sich nur wenige, offen über ihre Betroffenheit zu reden. Auch deswegen ist es sehr wichtig, dass wir aller heute hier im Plenum endlich über das Thema Einsamkeit Verreden und uns darüber austauschen. aber (Beifall SPD und CDU) wir, haben. Es gibt manche Themen, über die will keiner so richtig sprechen. Manchmal sind das Dinge, die uns individuell am betreffen, manchmal sind das aber auch Dinge, die Millionen von uns betreffen und trotzdem Tabuthemen bleiben. HerzliEin solches Thema ist die Einsamkeit, obwohl uns Studien seit Jahren mehr als deutlich aufzeigen, dass wir ein ProBÜND- blem haben, ein Problem, das sich mit der Corona-PandeVohl mie erheblich vergrößert hat. Vor mittlerweile vier Jahren haben wir das Thema im Sozialpolitischen Ausschuss diskutiert. Ich habe schon damals darauf hingewiesen, dass dieses Thema höchste Priorität haben sollte. Einsamkeit verursacht schließlich hohe finanzielle und gesellschaftliche Folgekosten. Die SPD-Fraktion hat deshalb damals eine Große Anfrage initiiert und die Landesregierung dazu aufgefordert, zu handeln. Lange Zeit ist in Hessen leider im Kampf gegen Einsamkeit nicht sehr viel passiert. Der politische Wille dazu war noch nicht vorhanden. Damals habe ich mich entschieden, das Thema außerparlamentarisch weiterzuverfolgen. Deshalb habe ich mit etwa 20 Personen in Frankfurt die Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Einsamkeit“ initiiert. Ich freue mich, dass heute einige, die damals dabei waren, unserer Debatte zuhören. Herzlich willkommen, ich grüße euch sehr herzlich. (Beifall SPD und Robert Lambrou (AfD)) Die Initiative war eine der ersten dieser Art, und auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie hat sie Pionierarbeit geleistet. Inzwischen hat sich der Kreis auf 250 Menschen vergrößert. Diese Initiative macht regelmäßig Angebote, an denen Betroffene niedrigschwellig teilnehmen können, ohne stigmatisiert zu werden. Dadurch konnten wir dazu beitragen, dass das Thema über Frankfurt hinaus an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Eine starke Zivilgesellschaft hilft im Kampf gegen die Einsamkeit. Die Kirchen und die Sozialleistungsträger haben das Thema seit geraumer Zeit auf dem Schirm und gehören zu den Vorreitern der Einsamkeitsprävention in Deutschland. Wir setzen weiterhin auf Vereine als Rückgrat gegen Einsamkeit. Sport, Musik und Kultur leisten unschätzbare Präventionsarbeit und verdienen unsere volle Unterstützung und unseren Respekt. (Beifall SPD und CDU) Es gibt Gründe dafür, dass Menschen einsam sind. Nicht selten ist das Alleinsein ein Faktor für Einsamkeit. Insbesondere in den Großstädten ist das der Fall; die Hälfte der Bevölkerung lebt hier in Single-Haushalten. Obwohl Einsamkeit alle betreffen kann, gibt es Gruppen, die mehr als andere gefährdet sind. Zu ihnen gehören ältere und jüngere Menschen, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund und queere Menschen. Es ist unsere Aufgabe, allen Menschen zu helfen, Wege zu finden, um sich aus sozialer Isolation zu befreien. Niedrigschwellige Beratungsangebote wie „Di@-Lotsen“ und „Offene Ohren Hessen“ sind eine gute Grundlage dafür. Diese Programme werden wir konsequent ausbauen und ihre Reichweite erweitern. Jeder Mensch in Hessen soll Zugang zu Beratungsangeboten haben. Wir werden einen neuen Wettbewerb gegen Einsamkeit ausloben, um zivilgesellschaftliche Initiative gezielt zu fördern. (Beifall SPD) Der gemeinsame Antrag der Koalitionsfraktionen ist der erste Aufschlag, die Vielzahl bereits existierender Projekte zu unterstützen und Raum für neue zu schaffen. Ein jährlicher Aktionstag gegen Einsamkeit kann das Bewusstsein schärfen und bestimmte Initiativen sichtbar machen. Einsamkeit ist kein rein gesundheits- oder sozialpolitisches Thema, sondern ein Querschnittsthema. Es zieht sich durch alle Ressorts. Deswegen steht im Koalitionsvertrag, einen Aktionsplan gegen Einsamkeit zu entwickeln und diesen regelmäßig zu aktualisieren. Unser Antrag richtet sich auf konkrete Maßnahmen für alle betroffenen Gruppen. In den Schulen wollen wir verstärkt Resilienzprogramme durchführen. Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter leisten gezielt Arbeit gegen Einsamkeit und müssen unterstützt werden. Für Alleinerziehende, die zu den gefährdeten Gruppen zählen, stärken wir die Mütterzentren und die Nachbarschaftsinitiativen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Einsamkeit betrifft die junge Studentin, die im Hörsaal sitzt, ebenso wie den Banker im schicken Großraumbüro im 32. Stock eines Wolkenkratzers im Frankfurter Bankenviertel oder die Auszubildende in der Bäckerei um die Ecke, die für ihre Ausbildung ihr Heimatland verlassen hat, aber auch die Großmutter, den Großvater von nebenan. Es ist unsere Aufgabe, diese Menschen zu ermutigen, für sich Wege aus der Einsamkeit zu finden. Dafür müssen wir die notwendigen Räume schaffen. Das tun wir, indem wir zum Beispiel Einsamkeitsprävention bei unserer Stadtplanung, bei der Quartierentwicklung mitdenken und soziale Projekte, wie zum Beispiel Mehrgenerationenhäuser, fördern. Andere Länder sind bereits weiter als wir. In Großbritannien wurde erstmals im Jahr 2018 das Thema Einsamkeit explizit an ein Ministerium geknüpft. Auch in Japan wird das Thema sehr ernst genommen. Im Jahr 2024 trat dort das erste Gesetz zur Einsamkeitsprävention in Kraft. Es verpflichtet die Regionen und die Gemeinden, Selbsthilfegruppen einzurichten. Deshalb ist es wichtig, dass wir diesem Thema nicht nur eine Priorität im Koalitionsvertrag gegeben haben, sondern es heute erstmals auch hier im Plenum behandeln. Gut ist, dass die letzte Bundesregierung damit begonnen hat, eine Strategie gegen Einsamkeit in Deutschland zu entwickeln. Diese wichtige Arbeit wird durch die jetzige Bundesregierung fortgesetzt. Lassen Sie uns gemeinsam in Hessen die Arbeit der Bundesregierung aufgreifen und vorantreiben. Zu lange wurde in Fällen von Einsamkeit weggeschaut. Das war ein Fehler. Einsamkeit betrifft uns alle, die Folgen von Einsamkeit ebenso. Der vorliegende Antrag ist nur ein Beginn. Ich bitte daher um eine breite Zustimmung. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall SPD und CDU)

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