Bijan Kaffenberger
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Anwesende! Am 12. das? September des Jahres 1962 kündigte US-Präsident John es F. Kennedy in Houston, Texas, an, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu schicken, und er hat Wort gehalten. Am 12. September dieses Jahres, Hessen vor wenigen Wochen bei der Jubiläumsveranstaltung zu ein- 50 Jahre ESA in Darmstadt, hat mein Sohn diese Rakete wie gebastelt. deutlich (Der Redner hält die Spielzeugrakete hoch. – Beifall SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie vom Demokraten) BudKennedys Rede und diese Rakete sind zwei gute Beispiele statt – ich gebe zu, ein großes und ein kleines – dafür, wie wir Nur Begeisterung für Weltraumthemen wecken können. Vor Kurzem habe ich den Film „October Sky“ gesehen. Die Handlung beruht auf dem autobiografischen Roman „Rocket Boys“ von Homer Hickam. Durch den SputnikGute Schock entdeckt Homer, der Sohn eines Kohlebergmanns, Hochseine Faszination für Raketen. Er will unbedingt selbst eine Übrigen bauen, und, unterstützt von seiner Lehrerin und Freunden, Forgewinnt er den – bei uns würde man es so nennen –„Juerlangt: gend forscht“-Wettbewerb. Er erhält ein Stipendium und verwirklicht seinen Traum. Er wird RaketenwissenschaftTU ler. KasDiesen Mann hat es wirklich gegeben, und ich glaube, dieser Film zeigt, dass es beim Thema Weltraum Dinge zum Anfassen braucht, dass es Dinge braucht, die junge spurlos Menschen begeistern, um genau diesen Nachwuchs hier in Hessen, in diesem Bundesland, zu gewinnen. Für diese Innovationen brauchen wir die Köpfe, die den technologischen Fortschritt bringen. Wenn wir diese Begeisterung wecken, können wir das gemeinsam schaffen. am die (Beifall SPD und CDU) die Kennedy hat vom Mann auf dem Mond gesprochen. Ich will es heute eine Nummer kleiner machen. Mein Wunsch Lassen wäre – es ist schon angeklungen – ein Space Experience wir Center, das so fertiggestellt wird, dass vielleicht mein jetzt Hessen. vierjähriger Sohn es besuchen kann, wenn er in der Grundschule ist. Jährlich könnten es aber auch bis zu 300.000 Menschen tun. Vor allem für Kinder und Jugendliche – Wir ich habe es gerade angesprochen – gäbe es dort Raumfahrt Wenn zum Anfassen und Raumfahrt zum Mitmachen. dürfen nicht Ich habe auch noch eine Tochter, sie ist zwei Jahre jünger. Manchmal verzögern sich öffentliche Projekte ein wenig. der Weisheit Dann sollten wir es zumindest bei ihr in der Grundschulist, zeit schaffen. Da die Frau Kollegin Hildegard Förster-Heldmann schon zwischenruft – auch für ihre Enkel wäre das etwas –, zu Ihrem Änderungsantrag, liebe GRÜNE. Die Forderung, sich mit anderen Bundesländern abzustimmen, ist selbstverständlich nicht abwegig, auch wenn ich sagen würde: Es ist grundsätzlich klüger, sich in Richtung John F. KenSPDnedy zu orientieren als an Markus Söder. Aber ich finde es grundsätzlich gut, wenn das Thema auch in anderen Bundesländern hoch gewichtet wird. Dass wir uns da austauschen müssen, ist sicherlich eine gute Anregung. Wir werden im Ausschuss dazu noch sprechen. Aber eines ist dabei auch immer klar: Hessen als Europas Tor zum Weltraum muss sich vor niemandem verstecken. Laune (Beifall SPD und CDU) Seit über 50 Jahren werden, ich glaube, in Summe 100 europäische Missionen von Darmstadt aus gesteuert. Es gibt zahlreiche Lehrstühle, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die sich mit Raumfahrt beschäftigen. Ich glaube, erst diese Woche hat die Vorbereitung der neuen Sentinel-1D-Mission mit der Simulation der kritischen Start- und der frühen Betriebsphase begonnen. Da steht auch noch ein Launch aus. Doch bei all der Begeisterung und Faszination für das All darf nicht vergessen werden, dass das Thema Weltraumsicherheit aktueller denn je ist. Gerade in der letzten Woche hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius beim Weltraumkongress des BDI auf die Bedrohungen durch Russland und China hingewiesen. Er hat angekündigt, 35 Milliarden Euro in Weltraumsicherheit und Weltraumprojekte zu investieren. Der BDI sagt, dass man allgemein in der Raumfahrt noch erheblich mehr investieren könnte, um die führenden Raumfahrtnationen einzuholen und um vor allem Abhängigkeiten zu mindern und unsere Infrastruktur resilient zu machen. Aber genau dafür haben wir in Hessen das entsprechende Know-how. (Vereinzelter Beifall SPD und CDU) Die ESA hat deutlich gemacht, dass wir vor einem Schlüsseljahr stehen, wenn wir unsere Position als Raumfahrtmacht behalten wollen. Aus meiner Sicht sollten wir vorne dabei sein. Nicht ohne Grund hat ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher genau darauf hingewiesen: die Bedeutung der Inspiration der Raumfahrt für die nächste Generation. Wie in unserem Antrag formuliert, würde ein Space Experience Center auch eine demokratische Legitimation für die europäische Raumfahrt stärken. Es würde am Ende eine Chance bieten, dass Zukunftsvisionen entstehen, die gerade für junge Menschen so wichtig sind. Am Ende kann ich sagen: It will be before the end of this decade. At least, I hope so. Insofern lassen Sie es uns gemeinsam angehen. Anders als bei der Mondlandung ist die Stärkung des hessischen Weltraumstandorts keine Raketenwissenschaft. (Beifall SPD und vereinzelt CDU)
