Nadine Gersberg
verfügSehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Dawermen und Herren! Zum Thema Perimenopause gibt es mittlerweile sehr gute Podcasts, die darüber informieren und Frauen beraten, wie sie sich verhalten können, wenn sie wollen in die Perimenopause kommen. Da sind sehr viele speziawollen lisierte Medizinerinnen und Mediziner zu Gast, unter anderem von der Menopause-Gesellschaft. eine das Frau Knell hat vorhin ein gutes Beispiel genannt. Das ist ein typisches Beispiel, wie es tausendfach in Deutschland könnten passiert. Ich habe auch eines mitgebracht: Eine Frau ist Mitte 40, sie ist Abteilungsleiterin, und sie arbeitet in eiwarum nem mittelgroßen Unternehmen. Auf diese Position hat sie die sich sehr lange vorbereitet und darauf hingearbeitet mit viel Qualifikation, Energie, Kraft, Erfahrung und Selbstbewusstsein. In letzter Zeit hat sich aber etwas verändert. Morgens wacht sie auf, und ihr tun die Beine und Arme weh, so als würde sie eine Grippe bekommen. Nach dem Frühstückstoast bekommt sie manchmal Herzrasen. Nach dem Morgenmeeting wird sie plötzlich bleiern müde und denkt, sie müsste sich erst einmal wieder hinlegen. Trotz ihres Selbstbewusstseins ist es häufig so, dass sie nun Ängste und manchmal auch depressive Gefühle entwickelt und sich morgens manchmal lieber unter der Bettdecke verstecken würde, als zur Arbeit zu gehen. Hinzu kommt, dass sie Geräusche nicht mehr gut vertragen kann. Sie geht in die Werkshalle. Es ist so laut, dass sie sich gar nicht mehr richtig konzentrieren kann. In dieser Situation geht sie natürlich zuerst zu ihrem Hausarzt. Dieser erklärt ihr, sie habe wahrscheinlich zu viel Stress in ihrer Führungsposition. Sie solle sich vielleicht ein bisschen zurücknehmen und vielleicht einmal Urlaub machen. – Das hilft nicht. Die nächste Diagnose sind Depressionen. Sie bekommt Medikamente, die aber irgendwie auch nicht so richtig helfen. Letztlich wird dann ein Burn-out diagnostiziert. Sie muss zur Kur, fällt wochenlang aus, aber das hilft auch alles nicht. Letztendlich stellt irgendjemand fest, der spezialisiert ist, dass sie all das gar nicht hat, sondern sie ist einfach nur in den Wechseljahren. Tatsächlich ist es so, wie Frau Knell es gerade gesagt hat. Wenn man die Leute fragt, ob sie schon einmal von der Perimenopause gehört haben, sagen sie Nein, sie wären noch lange nicht in den Wechseljahren, sie wären noch lange nicht so weit. Alle denken, die Probleme fangen erst an, wenn die Blutung aufhört. Tatsächlich fängt es meistens zehn Jahre zuvor an, manchmal schon mit Ende 30, spätestens mit Mitte 40. Das ist genau die Zeit, in der es die meisten Beschwerden gibt. Die Hormone gehen rauf und runter. Das hat natürlich Auswirkungen. Das ist tatsächlich ein Problem, aber nicht nur ein gesundheitliches Problem, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Es gibt eine tolle Studie, die die Barmer in Auftrag gegeben hat. Ein großes Lob für diese Studie. Diese Menopause-Support-Studie hat Prof. Dr. Andrea Rumler von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin erstellt. Sie hat zum ersten Mal umfangreiche Daten zur Arbeitsrealität von Frauen in den Wechseljahren erhoben. Es kam heraus, dass 40 Millionen Fehltage pro Jahr aufgrund von Wechseljahresbeschwerden entstehen. Jede fünfte Frau denkt darüber nach, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, ihren Job aufzugeben oder in Teilzeit zu gehen. Ich glaube, es kann häufig der Grund dafür sein, dass Frauen nach der Kleinkinderziehung nicht wieder von Teilzeit aufstocken, weil gleich die nächsten Probleme da sind. Es gibt tatsächlich viele Methoden, diese Beschwerden zu lindern. Ein Drittel der Frauen merkt gar nichts. Ein Drittel hat mäßige Beschwerden. Ein Drittel hat sehr starke Beschwerden. Soeben wurden bereits bioidentische Hormone angesprochen. Neue wissenschaftliche Studien zeigen, dass es nicht so gefährlich ist, wie man das immer dachte. Für mäßige Beschwerden gibt es sehr viele andere Sachen, die man machen kann. Man kann von Ausdauersport auf Kraftsport wechseln. Man kann die Ernährung anpassen. Man muss ein bisschen mehr auf guten Schlaf achten, usw. Das kann schon sehr viel helfen. Das Problem ist, diese Infos stehen schon fest. Sie wurden schon untersucht. Sie kommen aber nicht an die Frauen heran, wie das gerade schon angemerkt wurde, weil diese Informationen nur privilegierten Frauen zur Verfügung stehen. Es gibt richtig tolle Wechseljahreszentren. In Wiesbaden gibt es eines von einer sehr bekannten Autorin und Medizinerin. Das sind aber alles Privatpraxen. Man muss halt zahlen. Entweder man ist privat versichert, oder man zahlt 1.000 Euro, bis man die erste vernünftige Diagnose hat und Hormonuntersuchungen gemacht worden sind, bis man an sein Rezept gekommen ist. Andere Frauen kommen halt nicht in den Genuss. Oder man liest sich ein, hört Podcasts usw. und hat dann diese Tipps. Es ist natürlich nicht Sinn der Sache, dass wir von Frauen verlangen, das zu machen. Allen Frauen müssen die gleichen Informationen zukommen. (Beifall SPD, vereinzelt CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Ich finde es toll, dass dieser Antrag gestellt wurde, weil wir so noch einmal die Möglichkeit haben, darauf hinzuweisen, dass die Hälfte der Gesellschaft nicht vernünftig versorgt wird. Wir werden ihn trotzdem ablehnen, und zwar aus dem einfachen Grund, dass wir in der vergangenen Plenarwoche den großen Frauengesundheitsantrag gestellt und in diesem Zusammenhang beschlossen haben, dass wir uns dieses Themas als Landesregierung annehmen werden. Deswegen danke ich. Wir sind aber schon dran. Vielen Dank für die heutige Themensetzung. – Vielen Dank. (Beifall SPD und vereinzelt CDU)
