Astrid Wallmann
Vielen Dank. Diesen Antrag werden wir vereinbarungsgemäß an den Haushaltsausschuss überweisen. – Ich sehe hierzu Zustimmung. Dann verfahren wir so. Ich rufe Tagesordnungspunkt 29 auf: Antrag Fraktion der Freien Demokraten Mehr Wissen, mehr Hilfe, mehr Sichtbarkeit – Maßnahmen für Frauen in der Perimenopause – Drucks. 21/2310 – Redezeit: fünf Minuten. Ich darf zunächst der Fraktionsvorsitzenden der Freien Demokraten, Frau Knell, das Wort geben. Bitte schön. Wiebke Knell (Freie Demokraten): Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir reden heute über Freiheit im Alltag von Millionen Frauen, nicht über ein Nischenthema. (Beifall Freie Demokraten, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Sandra Funken (CDU), Lisa Gnadl, Nadine Gersberg und Maximilian Ziegler (Vogelsberg) (SPD)) Wir reden über die Frage, ob Frauen in Hessen selbstbestimmt leben und arbeiten können oder ob Unwissen, Tabus und Strukturen sie ausbremsen. Stellen wir uns eine 44-jährige Teamleiterin vor. Sie ist zuverlässig im Job, Familie ist organisiert, läuft alles, und plötzlich hat sie ungewohnte Schmerzen, Hitzewallungen, schlaflose Nächte, Stimmungsschwankungen, Konzentrationslöcher – Sie merken, ich werde auch 44. (Heiterkeit – Miriam Dahlke (BÜNDNIS GRÜNEN): Das dauert noch!) Beim Arzt hört sie: Stress, das wird schon. – Es wird nicht. Das hat einen Namen, den leider viel zu kennen. Das ist die Perimenopause, die hormonelle gangsphase vor der letzten Regel. Sie kann viele andauern. Deswegen denken viele noch gar nicht dass es auch sie betreffen könnte. Jede Frau erlebt sie, ein Drittel mit so massiven Beschwerden, dass Gesundheit, Beruf und Teilhabe leiden. Zu oft bleibt das auch im tem unsichtbar. Wir Freie Demokraten sagen: Wissen ist Freiheit. – Bescheid weiß, kann dann auch entscheiden; wer genommen wird, kann handeln. Wer Zugang zu guter sorgung hat, bleibt auch leistungsfähig und selbstbestimmt. Unser Antrag setzt genau dort an: mehr Wissen, mehr und mehr Sichtbarkeit. Erstens: mehr Wissen. Wir wollen die Perimenopause Wechseljahre verbindlich in der medizinischen Ausbildung in Hessen verankern, wollen auch gemeinsam mit der desärztekammer ein strukturiertes Fortbildungsprogramm für Hausärzte und Gynäkologen schaffen. Es darf sein, dass so viele Ärzte keine Ahnung von dem haben und deswegen ihre Patientinnen nicht richtig deln. (Beifall Freie Demokraten, BÜNDNIS GRÜNEN, vereinzelt CDU und SPD) Zweitens: mehr Hilfe. Wir brauchen spezialisierte gungsstrukturen, sollten diese aufbauen, zum Beispiel Perimenopause-Sprechstunden an den Universitätskliniken in Gießen, Marburg und Frankfurt. Drittens: mehr Sichtbarkeit. Wir brechen das Tabu mit ner modernen, mehrsprachigen Informations- und rungskampagne von der Arztpraxis bis in Betriebe, Social Media, Webinaren und Podcasts, damit Frauen früh wissen: Du bist nicht alleine. Deine Symptome real, und es gibt Hilfe. Lassen Sie mich an dieser Stelle auch etwas ganz ges betonen. Es gibt schnelle und wirksame Hilfe. Frauen wird diese Hilfe aber gar nicht erst angeboten. monpräparate sind die effektivste Behandlung gegen Symptome. Sie wirken auch sehr schnell. Frauen sehr schnell eine deutliche Verbesserung. Diese Therapien sind nicht exotisch, sondern gut leitliniengerecht und in unterschiedlichen Formen bar, ob als Pflaster, Gel, Tablette oder lokal angewendet. Entscheidend ist aber, dass Frauen darüber informiert den, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt die passende Lösung finden und nicht jahrelang im Unklaren bleiben. Wir brauchen verlässliche Grundlagen. Deswegen wir die Forschung und Datenerhebung stärken. Wir gezielte Projekte an hessischen Universitätskliniken, landesweite Erhebung zur Versorgung, ein Register, Versorgungslücken sichtbar macht und einen jährlichen Bericht, der Fortschritte messbar macht. All das wir uns vorstellen. Worum geht es im Kern? Man fragt sich vielleicht, das ein Thema für die FDP ist. Im Kern geht es um Freiheit, den eigenen Alltag nicht von einem blinden Fleck im Gesundheitssystem bestimmen zu lassen, 90/DIE (Beifall Freie Demokraten, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) aber um die Freiheit der Wahl zwischen Therapien auf der Basis wenige von Leitlinien und guter Beratung, um die Freiheit der Über- Teilhabe im Job, in der Familie, im Ehrenamt, statt RückJahre zug und Selbstzweifel, und auch um Respekt. Wer Frauen daran, in dieser Lebensphase nicht ernst nimmt, der nimmt ihnen etwa Chancen. Deswegen sage ich Ihnen ganz klar: Das ist keine WellSysnessdebatte, sondern das ist Versorgungspolitik, Arbeitsmarktpolitik und Standortpolitik. Wer (Beifall Freie Demokraten, vereinzelt CDU, SPD ernst und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) VerEin System, das Frauen jahrelang im Unklaren lässt, kosHilfe tet Produktivität, Lebensqualität und am Ende auch Geld. Ignoranz ist teuer, Aufklärung ist viel günstiger und auch wichtig. Wir setzen nicht auf moralisierende Ratschläge, und sondern auf evidenzbasierte Medizin, auf Wahlfreiheit und Lan- auf Zugang. Unser Ziel ist klar: In Hessen soll keine Frau mehr hören: nicht „Stell dich nicht so an“, sondern: Wir haben eine SprechThema stunde und einen Plan. – Es wäre doch schön, wenn es behanin zwei oder drei Jahren selbstverständlich wäre, dass die Hausärztin die richtigen Fragen stellt, die Universitätsklinik eine kompetente Sprechstunde anbietet, der Arbeitge90/DIE ber weiß, wie man unterstützt, und dass Frauen verlässliche Informationen finden, ohne dass man in nächtliche VersorGoogle-Odysseen eintauchen muss. mit Hessen kann hier Vorreiter sein in Ausbildung, Versorgung, Forschung und Sichtbarkeit. Deswegen möchte ich Sie bitten, heute den Hebel umzulegen und unseren Antrag eizu unterstützen: weg vom Tabu hin zur Teilhabe, weg vom AufkläWegsehen hin zu Wissen, weg vom Zufall hin zur Struktur. mit Wir bitten um Ihre Zustimmung. – Vielen Dank für die eben Aufmerksamkeit. sind (Beifall Freie Demokraten, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt SPD) WichtiVielen Hor- Vizepräsidentin Martina Feldmayer: die Als Nächster erteile ich der Abgeordneten Gersberg, SPDspüren Fraktion, das Wort. erprobt,
