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René Rock

11.09.2025 Sitzungen 21/47

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Pürsün. – Für die SPDFraktion erteile ich der Abgeordneten Frau Dr. Sommer das Wort. Dr. Daniela Sommer (Waldeck-Frankenberg) (SPD): Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Impfungen gegen COVID waren aus mehreren Gründen gut und haben weltweit Millionen Leben gerettet. (Beifall SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Sie haben in vielen Fällen Schutz vor schwerer Krankheit, vor dem Tod geboten und die Ausbreitung verlangsamt. Die Impfstoffe reduzierten drastisch das Risiko, schwer an COVID zu erkranken, ins Krankenhaus zu müssen oder zu sterben, besonders bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Geimpfte Menschen waren weniger ansteckend, insbesondere gerade nach der Impfung. Das half mitunter, Infektionsketten zu unterbrechen. Zudem ermöglichten die Impfungen die Öffnung von Schulen, Geschäften und die Rückkehr zu sozialen Aktivitäten. In der Studie „The Lancet Infectious Diseases“ wird beschrieben, dass alleine im ersten Jahr der Impfkampagne, also von Dezember 2020 bis 2021, 20 Millionen Menschenleben weltweit gerettet wurden und dass die Todeszahlen ohne Impfstoffe mehr als doppelt so hoch gewesen wären. (Vereinzelter Beifall SPD und CDU – Stephan Grüger (SPD): Hört, hört!) In den Ländern mit gutem Zugang zu den Impfungen ren die Effekte deutlicher. Da wurden fast 80 % der teten Todesfälle verhindert. Sie sehen: Impfungen zu verteufeln, so wie es die AfD tut, schürt Ängste wird der Sachlage nicht gerecht. (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS DIE GRÜNEN) Sie, die AfD, instrumentalisieren, statt sich wirklich zu kümmern. Das ist Vorsatz. (Beifall SPD und vereinzelt BÜNDNIS GRÜNEN) Trotz allem haben die Impfungen bei Menschen auch Post-Vac-Syndrom ausgelöst. Das ist so. Das kann auch nicht wegdiskutieren. Nach Schätzungen liegt Häufigkeit im Promillebereich. Herr Prof. Dr. Schieffer dem Klinikum in Marburg geht von ungefähr einem bei 5.000 bis 10.000 Menschen aus. Das heißt, das 0,01 bis 0,02 %. Das PEI spricht von maximal 0,37 dachtsfällen pro 100.000 Impfungen. Das Post-Vac-Syndrom ist also extrem selten, aber vorhanden. Wir wissen um die hohe Zahl der Anträge. Das zeigt, viele Menschen Beschwerden haben. Die Auslastung Post-COVID-Ambulanzen ist ein Zeichen für die schaft unseres Gesundheitswesens, sich solchen Herausforderungen zu stellen. Dennoch sollten wir die Ressourcen effizient einsetzen und nicht in Parallelstrukturen ren, die wissenschaftlich nicht abgesichert sind, wie der AfD-Fraktion vorgeschlagen. Ursache für die Ablehnung der Anträge ist häufig ein klarer medizinisch-wissenschaftlicher Kenntnisstand über, ob das Post-Vac-Syndrom mit der Impfung zusammenhängt. Das erschwert die Anerkennung. bleibt die Unterscheidung zwischen Symptomen nach Infektion und der Impfung schwierig. Oft handelt es wirklich um Ausschlussdiagnosen. Es gibt bisher einheitliche medizinisch-wissenschaftliche Definition das Post-Vac-Syndrom. Daher ist es wichtig, die Forschung voranzutreiben. Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Juli die Initiative Long COVID Deutschland gestartet. Ziel es, die Erkenntnisse aus der Forschung zusammenzuführen und dann natürlich auch zu informieren. Doch nicht nur der Bund, sondern auch wir in Hessen aktiv geworden. Für die Erforschung des SARS-CoV-2- Virus und der Erkrankung an Corona stellte das im Jahr 2020 den drei Universitäten mit Universitätskliniken Frankfurt, Gießen und Marburg 4,35 Millionen zur Verfügung. 2022 wurden für Hessen Sondermittel Europäischen Kommission für die Wissenschaft zur kämpfung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen ligt. Ein Marburger Forschungsteam hat 2024 einen neuen satz entwickelt. Cholesterin- und Blutdruckmedikamente zeigen bei bis zu 90 % der Betroffenen mit einer ralen Erkrankung positive Ergebnisse. Symptome wie digkeit, Schwindel oder Herzrasen verbesserten sich lich oder verschwanden sogar. Seit diesem Jahr wird an der Universität in Marburg PROGRESS ein innovativer klinischer Algorithmus baut, der mithilfe künstlicher Intelligenz die Versorgung beschleunigen und den Therapieerfolg engmaschig wa- wachen soll. Um die entsprechenden Forschungsansätze zu erwar- stärken und die Patientinnen und Patienten bestmöglich zu generell versorgen und eben nicht alleinzulassen, fördert die Hesund sen-Koalition mit rund 1,2 Millionen Euro unter anderem die Arbeit der speziellen Long-COVID-Zentren und -Ambulanzen sowie den Aufbau der Koordinierungsstelle am 90/ Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Aktuell gibt es eine Preprint-Studie mit Post-Vac-Betroffedarum nen aus den USA. Dabei fand man ein verändertes Immunprofil, die Persistenz von Spike-Proteinen und die Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus bei den Betroffenen. Diese 90/DIE Studie ist noch nicht peer-reviewed und gilt als vorläufig. Sie liefert aber endlich einmal wichtige Hinweise, die es das bislang noch nicht gab. man Zudem gibt es im deutschen Klinikregister derzeit eine die Beobachtungsstudie. Da wird die Wirksamkeit von Blutaus wäschen untersucht. Auch hier muss man die Ergebnisse Fall abwarten, um Schlüsse zur Diagnose und zur Therapie sind ziehen zu können. VerSeit dem 8. Mai 2025 gibt es eine bundesweite Long-COVID-Richtlinie. Sie umfasst auch Long-COVID-ähnliche Symptome nach der Impfung, also das Post-Vac-Syndrom, dass und sieht koordinierende Behandlungspläne vor. der Bereit- Wir haben gerade schon von den Spezialsprechstunden, beispielsweise am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, an der Charité oder auch am Klinikum in Augsburg, investie- gehört. Vor allen Dingen haben wir vom Universitätsklinivon kum Gießen und Marburg gehört. Da sieht man: Hessen ist mit vorne dabei. Deswegen möchte ich auch noch einmal insbesondere auf die Versorgungslage in Hessen zu unsprechen kommen und darauf, was wir tun können, um den darBetroffenen hier langfristig zu helfen. primär Auch Es gilt natürlich, weiterhin in die Forschung zu investieder ren. Dazu gehört die Grundlagen-, aber auch die Therapiesich forschung im Rahmen der nationalen Post-COVID- und keine Post-Vac-Initiative. Denn mit einer besseren Datengrundfür lage, durch Registeranalysen und ein Monitoring können Aussagen zur Häufigkeit und zu den Ursachen ermöglicht werden. 2023 Auch gilt es, die Ambulanzen weiterhin zu unterstützen, ist damit die Sprechstunden ausgebaut werden können und das entsprechende Personal zur Verfügung gestellt werden kann. sind Da die Versorgung häufig interdisziplinär ist, geht es auch darum, klare Handlungslinien und Unterstützung durch die Land Hausärzte zu etablieren. Dazu benötigt man Fortbildung und Netzwerke, damit man die Hilfe gezielt anbieten und Euro die Menschen unterstützen kann. der Insgesamt braucht man natürlich Rechts- und PlanungssiBecherheit. Verbindliche medizinische Leitlinien, klare Melbewildepflichten und bessere Evaluationskriterien müssen etabliert werden. Nur dann können auch die AnerkennungsAn- prozesse und -verfahren endlich verbessert werden. Die Hessen-Koalition will die Betroffenen, die unter Langpostvizeitwirkungen oder -folgen leiden, in den Fokus rücken. MüSie will ihnen bestmögliche Unterstützung bieten. Das gilt deutfür ME/CFS-Patientinnen und -Patienten. Long-COVIDoder Post-Vac-Betroffene benötigen spezialisierte diagnosmit tische und therapeutische Angebote. Der bestehende Aufaufge- holbedarf im Umgang mit postviralen Erkrankungen muss umgesetzt werden. Deswegen begrüßen wir, dass an den über- hessischen Hochschulen so gut geforscht wird. Da muss man auch schauen, wie es mit der Medikamenten- und Therapieentwicklung aussieht, damit man den betroffenen Menschen gut helfen kann. Herr Richter, es stimmt einfach nicht, dass in Hessen nichts getan wird. Das müssten Sie eigentlich wissen. Sie haben den Untersuchungsausschuss in den Landtag eingebracht. Er soll sich mit dem Thema auseinandersetzen. Wir befürworten auch die im Dezember 2024 beschlossene Expertenanhörung zur Aufarbeitung der Pandemie. Dass wir hier nichts machen würden, stimmt einfach nicht. Die Hessische Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen sehen, dass zahlreiche Personen erkrankt sind und stark unter den Symptomen leiden. Wir wollen da explizit ein Zeichen setzen und bringen unsere Initiative dazu ein, die wir bereits am Awareness Day angekündigt haben. (Beifall Marius Weiß (SPD)) Eine landesweite Hotline oder eine Stiftung für Impfgeschädigte – das ist Ihre Idee, die Sie vom Bund abgeschrieben haben – klingt vielleicht auf den ersten Blick sinnvoll. Das birgt aber die Gefahr, nicht wissenschaftlich fundierte Krankheitsbilder zu institutionalisieren. Stattdessen sollten wir doch auf die bestehenden Versorgungsstrukturen und die etablierte Forschung setzen. Wir sollten die Betroffenen individuell und bestmöglich unterstützen. Wir sollten vielmehr auf Transparenz, wissenschaftliche Evidenz und Aufklärung setzen, um das Vertrauen in Impfungen zu stärken. Wir sollten keine falschen Ängste schüren, so wie Sie es immer tun.

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