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Kerstin Geis

SPD 10.09.2025 Sitzungen 21/46

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Bevor wir in die Details der Antragsberatung einsteigen, möchte ich diesen Tagesordnungspunkt nutzen, um un- meinen Dank und den meiner Fraktion auszusprechen an Tä- all diejenigen jungen Menschen, die ein freiwilliges Jahr, egal in welchem Bereich, absolvieren. somit (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Wer sogar Sie gewinnen dabei Einblicke in neue Bereiche, orientiebetreibt ren sich vielleicht auch für ihr Berufsleben, vor allem leistet aber leisten sie einen ganz wesentlichen Beitrag für unser Gemeinwesen und seinen Zusammenhalt. Das ungebrochene Interesse zum Beispiel am Freiwilligen Ökologischen Jahr zeigt auch, dass die Vorurteile gegenüber einer angeblich desinteressierten jungen Generation unbegründet sind um – eben Vorurteile. Vielmehr verdient deren Bereitschaft, geeigneNeues auszuprobieren und sich dabei gesellschaftlich einneuzubringen, unseren allergrößten Respekt und unsere Anermit kennung. Ihr Vor diesem Hintergrund ist es auf den ersten Blick nachvollziehbar, wenn die Freien Demokraten nun fordern, auch den Bereich der konventionellen Landwirtschaft für freiwildas freiwillige Jahr zu öffnen; denn es ist ja zutreffend, dass wir in einer modernen digitalen Gesellschaft die Zube- sammenhänge über Ursprung und Produktion unserer Leaufge- bensmittel und anderer Agrarprodukte leicht aus den Augen verlieren. Sie scheinen aus dem Supermarkt zu komin men, können uns in einer halben Stunde geliefert werden, und wir können sie sogar im Internet bestellen. Dass es sich um naturnahe Produkte handelt, in denen monateund jahrelange Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte, der Erzeugerinnen und Erzeuger steckt und die untrennbar mit Fragen nach Ressourcen und Nachhaltigkeit verbunden sind, gerät oft in den Hintergrund. Es ist also ein sinnvolles und ehrenwertes Unterfangen, diesen Zusammenhang gerade für junge Menschen deutlicher und erlebbarer zu machen. Ob ein freiwilliges Jahr in der konventionellen Landwirtschaft der richtige Ansatz ist, wage ich jedoch zu bezweifeln; denn bei näherer Betrachtung stößt man auf eine Reihe von Schwierigkeiten und Widersprüchen dieses Konzepts, die kaum zu lösen sind. In erster Linie geht es sicherlich um die Frage von Wettbewerb und Wettbewerbsverzerrungen. Diese Frage spielte seinerzeit bereits beim Freiwilligen Sozialen Jahr wie auch beim Zivildienst eine Rolle. Bislang ist – grob gesagt – die Leitplanke, ob eine Tätigkeit sozial- bzw. gemeinwohlorientiert ist. In der Landwirtschaft ist die Leitplanke in dieser Frage, ob nach wissenschaftlichen Richtlinien ökologisch gewirtschaftet wird. Landwirtschaftliche Betriebe sind aber Unternehmen, die im Wettbewerb stehen. Hier würde es schwierig, die Gemeinwohlorientierung schlüssig zu begründen. Darüber hinaus gäbe es auch absehbare Probleme im Binnenverhältnis der Betriebe. Beim freiwilligen Jahr geht es gewiss zuvorderst um Einblicke in einen Beruf und um Persönlichkeitsentwicklungen. Die Freiwilligen sind aber eben auch Arbeitskräfte. Wie soll man zum Beispiel kleinen Betrieben, die eine pädagogische Betreuung und die Erstellung eines Curriculums nicht leisten können, erklären, dass sie ausgeschlossen sind? Wann ist ein landwirtschaftlicher Betrieb für dieses Konzept eigentlich geeignet, und wann nicht? Wer zieht nach welchen Kriterien diese Grenzen, und wie willkürlich wäre eine Grenzziehung? Wenn wir das freiwillige Jahr für eine Branche öffnen und damit die bisher geltenden Kriterien verwässern, dann müsste das folgerichtig auch für weitere Branchen gelten. Wir sind ein Land, das auf seine industriellen Kerne stolz ist. Warum sollten wir dann nicht auch den industriellen Sektor öffnen? Wir betonen hier im Haus oft die Wichtigkeit des Handwerks. Warum sollten wir diese Möglichkeit dann nicht auch Handwerksbetrieben geben? Zu Ende gedacht, hätten wir dann durch die Hintertür einen zweiten Arbeitsmarkt eingeführt. Ich bin ziemlich sicher, dass das nicht die Intention der Freien Demokraten war. (Beifall SPD) Nein, meine Damen und Herren, die Idee ist zwar anerkennenswert, die damit verbundenen Folgeprobleme sind jedoch zahlreich und kaum zu lösen. Deutlich widerspruchsfreier sind da die zahlreichen Angebote des Landwirtschaftsministeriums zu den Fragen von Ernährung, Ressourcen und Nachhaltigkeit. Diese Angebote bei jungen Menschen und bei Multiplikatoren noch bekannter zu machen, ist meines Erachtens der erfolgversprechendere Weg. (Beifall SPD und vereinzelt CDU)

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