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Dr. Daniela Sommer

10.09.2025 Sitzungen 21/46

eiEltern Die nächste Wortmeldung kommt von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Herr Abgeordneter Müller (Witzenhausen), Sie haben das Wort. Bitte schön. Hans-Jürgen Müller (Witzenhausen) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir brauchen mehr Verständnis zwischen Stadt und Land. Ja, wir brauchen mehr junge Menschen, die Landwirtschaft kennenlernen und sich dafür begeistern. Und ja, wer einmal auf einem Hof mitgearbeitet hat, redet anders über Tierhaltung, über Bodenschutz und über Lebensmittelpreise. Junge Menschen auf Höfe zu bringen, ist sinnvoll. Das zeigt zum Beispiel auch die Aktion „Hof mit Zukunft“ von der Kampagne „Meine Landwirtschaft“. Hier kommen junge Leute aus Städten für ein paar Tage auf verschiedenste Höfe – bio oder konventionell –, um einen realistischen Einblick zu bekommen. Ebenso leisten diejenigen Betriebe, die bei „Bauernhof als Klassenzimmer“ mitmachen, Vorbildliches. Auch diejenigen, die im Rahmen der bewährten Freiwilligendienste ihre Höfe öffnen – bio wie konventionell – arbeiten daran mit. Aber die Freiwilligendienste sollten wir nicht verwässern. Ein Jahr im Freiwilligendienst muss echten gesellschaftlichen Mehrwert leisten. Dafür braucht es einen Mindeststandard an Ausrichtung der Betriebe, zum Beispiel im Klimaschutz, in der Klimaresilienz, in der Biodiversität, im Tierwohl oder im Boden- und Ressourcenschutz. Auch soziale Aktivitäten müssen hier eine Rolle spielen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Betriebe, die hier vorangehen – egal ob biozertifiziert oder nicht –, können schon jetzt Teil eines solchen Programms sein. Das spiegelt sich aktuell auch in den hessischen Einsatzstellen wider. Es gibt zum Beispiel den antonius Hof in Fulda mit sozialer Landwirtschaft und Inklusion. Auch der Dottenfelderhof ist ein vielseitiger Lernort mit unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel innovative ökologische Pflanzenzüchtung. Das sind eindeutig Einsatzstellen mit gesellschaftlichem Mehrwert. Auf der entsprechenden Webseite der Trägerorganisation kann man sich auch einen guten Überblick über die Einsatzstellen verschaffen. Frau Knell, wenn ein neues Freiwilliges Landwirtschaftliches Jahr, wie Sie es vorschlagen, ein Teil der bekannten Freiwilligenprogramme sein sollte, müsste einiges an Vorarbeit geleistet werden, wofür erhebliche Ressourcen an ganz verschiedenen Stellen aktiviert werden müssten. Es bräuchte eine Vermittlungsstruktur in der Verwaltung, ein pädagogisches Programm für die üblicherweise fünf Seminarwochen müsste entwickelt werden, Personal müsste dafür gefunden und geschult werden. Der Dienst müsste neben den anderen Diensten separat beworben werden, man müsste Trägerorganisationen finden, und so weiter. Diese Punkte – das will ich hier auch als Landwirt sagen – sind extrem wichtig. In der Landwirtschaft ist die Gefahr der wirtschaftlichen Instrumentalisierung eines solchen Programms besonders groß. Das gilt grundsätzlich für alle Betriebe – egal ob bio oder konventionell. Wir meinen – auch nach Gesprächen mit den Trägerorganisationen –: Dieser Aufwand lohnt sich nicht, um womöglich eine Handvoll Menschen dafür zusätzlich zu begeistern, einen solchen Dienst in Betrieben zu leisten, für die die derzeitigen Kriterien nicht passen. Jetzt wiederhole ich mich noch einmal und sage es ganz deutlich: Die derzeit gültigen Kriterien sowohl für das FÖJ als auch für das FSJ erlauben die Teilnahme von konventionellen Betrieben. (Beifall Freie Demokraten – Wiebke Knell (Freie Demokraten): Es gibt nicht einen Betrieb in Hessen!) Das ist möglich, und ich kann gerne jedem, der sich dafür interessiert, eine Beratung dazu geben. Bloß weil niemand das macht, heißt das nicht, dass es nicht geht. Die konventionellen Betriebe, die das machen wollen, müssten entweder im sozialen Bereich, wenn sie FSJ anbieten wollen, oder im ökologischen Bereich zum Beispiel ein Naturschutzprojekt oder irgendetwas in der Art in ihren Betrieb integrieren. Deshalb gibt es da überhaupt kein Problem. Deshalb weiß ich nicht, warum Sie unter Ihrem Punkt 2 sagen, das gebe es nicht. Das ist einfach falsch. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Wiebke Knell (Freie Demokraten)) Meine Damen und Herren, ich will zum Schluss kommen. Die Freiwilligendienste haben derzeit andere Probleme: Wie kann man für die bestehenden Stellen ausreichend Bewerberinnen und Bewerber finden? Das ist nämlich nicht immer der Fall. Vor allem: Wie können wir die finanzielle Ausstattung verbessern? So, wie sich die Dienste zurzeit darstellen, sind sie vor allem etwas für junge Menschen, die zusätzlich von ihren Eltern oder von wem auch immer unterstützt werden; denn von dem, was sie bekommen, kann man nicht leben. Welche Rolle werden die Freiwilligendienste im Rahmen der Diskussion um ein soziales Pflichtjahr spielen? Stichwort: Reaktivierung von Wehr- und Ersatzdienst. Insofern kann der FDP-Antrag lediglich die gesellschaftliche Diskussion um Freiwilligendienste bereichern, aber zustimmungsfähig ist dieser nicht, dies vor allem deshalb, weil Sie damit auch Fake News verbreiten. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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