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Cirsten Kunz-Strueder

SPD 09.09.2025 Sitzungen 21/45

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Nichts ist so sicher wie der Tod; und doch finden das Thema Tod und die damit einhergehenden Konsequenzen in unserer Gesellschaft kaum statt. Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto klarer wird mir, dass wir einen breiten Diskurs dazu brauchen: Wie möchten zukünftig Betroffene beigesetzt werden? Vor allem: Ist das mit den zukünftigen Hinterbliebenen besprochen? – Diese Fragen beschäftigen mich sehr intensiv seit dem Bestattertag im Frühjahr. Zu oft ist nämlich nicht besprochen, was sich die Verstorbene, der Verstorbene vor dem Tod gewünscht hat. Dafür ist es aber vielleicht beim Notar hinterlegt. Dann stehen Hinterbliebene vor der Herausforderung, diesen Wunsch umzusetzen – ohne Rücksicht darauf, was sie sich selbst für die eigene Trauerbewältigung gewünscht hätten. Das vermeintlich pflegeleichte Grab auf der Wiese nimmt Hinterbliebenen vielleicht den Anlaufpunkt, den sie zur Trauerbewältigung brauchen, wenngleich das Wiesengrab auch wenig Arbeit macht, wie es sich die Oma vorgestellt und in das Testament geschrieben hat. Deswegen ist es wichtig, das Thema Tod und Trauer dann zu besprechen, wenn es noch nicht drückt, wenn alle noch die Zeit haben, in Ruhe über diese Konsequenzen nachzudenken, sie erfassen und miteinander besprechen können. Ich wünsche mir, dass das in unserer Gesellschaft breit gelingt – wenn mir auch noch nicht ganz klar ist, wie wir das erreichen wollen. Vor diesem Hintergrund blicke ich auf den Gesetzentwurf der Landesregierung, auf die stattgefundene Anhörung und so nun auch auf den vorliegenden Gesetzentwurf der FDP. Die Anhörung hat gezeigt – die Anzuhörenden haben sich dankenswerterweise mit dem FDP-Gesetzentwurf befasst und Stellungnahmen dazu abgegeben –, die Anzuhörenden sehen das größtenteils recht kritisch. Nun zum vorliegenden Gesetzentwurf. Den Hinweis auf Seite 5 habe ich gelesen. Doch auch die Quellenangabe, wo abgeschrieben wurde, löst so manches für mich nicht auf, nämlich genau das, was ich angesprochen habe, den breiten Diskurs: nicht nur Fachleute in einer Anhörung, nicht nur potenziell Betroffene, nicht nur in einer Umfrage, sondern breit und im Bewusstsein, dass der Tod uns alle betreffen wird, die, die den Tod erleiden, und die, die zurückbleiben. Unsere Herausforderung wird das so oder so nicht auflösen können, was im Nachbarbundesland passiert. Natürlich reden wir bei vielen Liberalisierungsvorschlägen erst einmal über Einzelfälle, gar keine Frage, nicht über die Massen. Wir müssen aber auch fragen, was die Einzelfälle bedeuten würden, wenn sie zu Massen werden. Das mag blöd klingen, aber im Ernst: Wie viele Flussbestattungen kann ein Fluss vertragen? Das sind Fragen, die wir uns stellen müssen. Wir sehen jetzt schon, dass Friedwälder in Teilen an Grenzen kommen und sich Friedhofsbetreiber bereits umorientieren und anders gestalten, um entsprechend Platz zu schaffen. Das ist gut so. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Wir werden uns im Innenausschuss mit der Auswertung der Anhörung beschäftigen. Ich hoffe, dass wir da eine Möglichkeit finden, einiges aufzugreifen, was auch bei der FDP schon aufgegriffen wird. Ich denke zum Beispiel an die vorläufige Todesbescheinigung, den Leichenschauschein und den Leichenpass in digitaler Form. Ich habe aus der Anhörung auch mitgenommen, dass wir vielleicht noch eine Klarstellung beim im Mutterleib verstorbenen Zwillingskind brauchen. Das haben die beiden Damen von „Unsere Sternkinder“ sehr eindrücklich geschildert. Wir werden zu diesem Thema im Gespräch bleiben. Ich glaube, das ist wichtig. Ich bin der FDP dankbar für diesen Gesetzentwurf; denn, ich bleibe dabei, das Thema wird zu leicht und viel zu schnell ausgeklammert. Es muss breiter gesellschaftlich und auch zu Hause in den Familien besprochen werden. Vielleicht gelingt es uns, beim sonntäglichen Kaffeetrinken, bei einer Grillfeier in Ruhe miteinander darüber zu sprechen, bevor es zu spät ist. Ansonsten freue ich mich auf alles Weitere im Ausschuss. (Beifall SPD, CDU und Freie Demokraten)

Alle Reden von Cirsten Kunz-Strueder Protokoll ↗