Prof. Dr. Kristina Sinemus
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Abgeordneter, meine Damen und Herren! Die Landesregierung nimmt die Vereinbarkeit von Digitalisierung und Klimaschutz sehr ernst. Insbesondere der steigende Energiebedarf von Rechenzentren unter anderem durch die Anwendung von künstlicher Intelligenz stellt auch nach der Auffassung der Landesregierung eine besondere Herausforderung dar, die in Einklang mit dem Ziel der Klimaneutralität in Hessen bis spätestens 2045 gebracht werden muss. Dabei darf nicht aus dem Blick geraten, dass die Digitalisierung gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von Ressourcen und mithin zur Verringerung von CO -Emissionen leistet. Digitale Technologien können bei konsequenter Digitalisierung und je nach Szenario nach Angaben des Bitkom aus dem vergangenen Jahr bundesweit netto rund 43 bis 80 Millionen Tonnen CO im Jahr 2030 einsparen, indem sie zur Senkung der Emissionen in den einzelnen Sektoren beitragen. Ein Beispiel hierfür ist die Digitalisierung der Energiewirtschaft, die eine bessere Steuerung der fluktuierenden Einspeisungen aus erneuerbaren Energien ermöglicht. Auch ein besserer Materialeinsatz in der Produktion oder die gezielte Behandlung und Bearbeitung landwirtschaftlicher Flächen zählen hierzu. Im Hinblick auf das Thema Rechenzentren hat der Bundesgesetzgeber im Jahr 2023 durch das Energieeffizienzgesetz festgelegt, dass Betreiber von Rechenzentren ihren Stromverbrauch bilanziell ab dem 1. Januar 2024 zu 50 % durch Strom aus erneuerbaren Energien und ab dem 1. Januar 2027 zu 100 % durch Strom aus erneuerbaren Energien decken müssen. Dies führt dazu, dass die Rechenzentren im Hinblick auf die Frage der Klimaneutralität im technischen Sinne auch bei steigendem Energiebedarf zumindest in Deutschland keine Rolle spielen werden. Das Energieeffizienzgesetz enthält überdies Vorgaben zur Abwärmenutzung, die Synergiepotenziale mit den Verpflichtungen zur kommunalen Wärmeplanung, sowohl basierend auf dem Wärmeplanungsgesetz als auch auf dem Hessischen Energiegesetz, bieten. Rechenzentren haben so das Potenzial, trotz ihres steigenden Energiebedarfs wichtige Beiträge zur Umsetzung der Wärmewende zu leisten. Bei den Rechenzentren des Landes Hessen beabsichtigt die Landesregierung, mit gutem Beispiel voranzugehen. So ist in dem im Jahr 2023 verabschiedeten Klimaplan Hessen eine Maßnahme verankert, nach welcher die landeseigenen Rechenzentren bis zum Jahr 2030 mit dem Blauen Engel für Rechenzentren zertifiziert sein sollen. In Kooperation mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat arbeiten wir derzeit an einer ressortübergreifenden Umsetzung dieser Maßnahme. Auch wenn ich die Kritik der Branche an einigen Regelungen des Energieeffizienzgesetzes teile sowie ausdrücklich unterstütze, dass die aktuelle Bundesregierung laut Koalitionsvertrag beabsichtigt, das Energieeffizienzgesetz zu vereinfachen und auf EU-Recht zurückzuführen, wird der Passus zur Deckung des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien nach meiner Einschätzung bestehen bleiben. Unabhängig davon stellen sich durch den Ausbau der Rechenzentren andere Fragen der Nachhaltigkeit, die zu adressieren sind, wie zum Beispiel betreffend den erforderlichen Ausbau der Stromnetze, den Flächenbedarf sowie, wenn Wasserkühlung zum Einsatz kommt, auch den Wasserbedarf. Hier zeigen sich auch die technischen Herausforderungen und Zielkonflikte. Kann doch je nach Kühlanlage ein stärkerer Einsatz von Wasser zu einem geringen Energieverbrauch beitragen, gerade auch an heißen Tagen. In Hessen entstehen derzeit, gerade weil wir das als ein wesentliches Ziel ansehen, verschiedene innovative Projekte zur Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren. Beispielhaft seien das Projekt Westville, auch „Franky“ genannt, im Frankfurter Stadtteil Gallus sowie das Gemeinschaftsprojekt von CyrusOne und E.ON am Frankfurter Westside Campus genannt, mit der geplanten Integration einer Grundlastkühlung über Absorptionskältemaschinen. Selbige passiert im Übrigen auch beim Green-IT-Cube in Darmstadt, den Sie sich auf der Lichtwiese anschauen können. Die Entwicklung der KI-Systeme ist angesichts der steigenden Leistungsdichte zweifellos auch eine große Herausforderung. Ob die Inbetriebnahme von Kernkraftwerken hier einen Lösungsbeitrag liefert, mögen andere entscheiden. Wir haben es aber zu diskutieren. Tatsache ist, dass hier nicht nur der originär technische Fortschritt helfen kann, die steigende Kühllast abzuführen. Auch die Frage der nachhaltigen Gestaltung der Software muss in den Blick genommen werden. Erst vor wenigen Wochen, und zwar im Juni, wurden im Bundesumweltministerium die ersten beiden Blauen Engel für Software an die Nextcloud GmbH Stuttgart und das Green-Matrix-Tool der Green Solutions GmbH in Berlin verliehen. Die zuletzt genannte Software ist eine Open Source Software, welche es Entwicklerinnen und Entwicklern sowie Unternehmen ermöglicht, den Energieverbrauch und die CO -Emissionen ihrer Software zu verstehen und zu reduzieren. Hier bestehen erhebliche Einsparpotenziale auch und gerade bei der Nutzung von LLMs, also der klassischen energieraubenden KI-Anwendungen, oder bei chain-Anwendungen.
