Astrid Wallmann
Vielen Dank. – Als Nächster hat der Abgeordnete René Rock von den Freien Demokraten das Wort. René Rock (Freie Demokraten): Frau Präsidentin, sehr geehrten Damen und Herren! Lieber Herr Martin, Sie müssen hier schon einmal erklären, wie man zehn Jahre lang die Verantwortung für diese Politik mit einer überschaubaren Bilanz trägt – 40.000 Betreuungsplätze fehlen –, sich jetzt hierhin stellt und sagt, man hat die Lösung. Diese Politik hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Qualität in den Kitas abgesenkt worden ist und dass Menschen ohne pädagogische Ausbildung demnächst in den Kitas in Hessen arbeiten. Dazu müssten Sie vorher noch zwei Sätze sagen, damit das glaubwürdig zu vermitteln ist. (Beifall Freie Demokraten – Robert Lambrou (AfD): Das nennt sich Gedächtnisschwund!) Ich bin dankbar, dass Ihre Fraktion jetzt, nach vielen Jahren Zuständigkeit für diesen Bereich, mit Fachleuten spricht, Anhörungen macht, in die Kitas geht und sich über Maßnahmen, die Sie uns jetzt hier vermitteln wollen, schlaumacht. Ich kann Ihnen nur sagen: Von den 20 Maßnahmen – das hat Frau Ravensburg richtig gesagt – sind zehn Maßnahmen in Hessen schon existent und werden umgesetzt. Sie stehen halt nur noch nicht in dem Gesetz und werden vielleicht noch nicht mit 1.300 Plätzen, sondern nur mit 1.000 umgesetzt. Die Hälfte dieser Maßnahmen ist eigentlich schon existent, nur noch nicht in Gesetzesform. Bei der Hälfte dieses Gesetzentwurfs könnte man sagen, das wird hier in Hessen bereits gemacht und ist in der Umsetzung oder wird bereits gemacht, ohne im Gesetz verankert zu sein. Dann bleiben zehn weitere Maßnahmen. Von diesen zehn weiteren Maßnahmen sind drei aus meiner Sicht überhaupt nicht wirksam für die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Wenn jetzt in Kreisjugendhilfeausschüssen 14-Jährige präsent sein sollen, dann weiß ich nicht, wie das den Fachkräftemangel bekämpfen soll. Aber das werden Sie sicherlich in einer Kurzintervention noch darlegen. (Zuruf Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)) Die anderen sieben Maßnahmen führen entweder direkt oder indirekt zur Qualitätsverschlechterung der pädagogischen Arbeit in den Einrichtungen. Claudia Ravensburg und ich sind uns nicht immer einig, aber in einer Frage sind wir uns heute anscheinend einig, und das ist die Frage: Welche Bedeutung hat die deutsche Sprache in der Pädagogik? Welche Bedeutung hat für die jungen Menschen in den Kitas in Hessen die deutsche Sprache? Sehr geehrte Damen und Herren, wenn Hessen einmal das Land ist, das den höchsten Standard in Deutschland hat, dann ist das gut und nicht schlecht. (Beifall Freie Demokraten, vereinzelt AfD und SPD) Sie haben gesagt, Sie besuchen Kitas in Brennpunkten. Dann werden Sie vielleicht in Augenschein nehmen – das ist vielleicht auch nur Empirie –, dass in Kitas in Brennpunkten die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher mit Migrationshintergrund besonders hoch ist. Wenn Sie in der Kita sind und dort in der Gruppe sitzen, Ihnen ein bisschen etwas erklärt wird, Sie Gespräche führen und erleben, dass ein Erzieher oder eine Erzieherin die Grammatik der Kinder falsch verbessert, dann denken Sie sich: Wie soll das in der Zukunft gut gehen? – Darum ist Sprache wirklich ein ganz entscheidendes Thema. Da ist diese Idee, das geforderte Sprachniveau abzusenken, wirklich hochgradig kontraproduktiv und ein Stück weit gefährlich. (Beifall Freie Demokraten) Sie haben in verschiedenen Bundesländern nachgeschaut, was die so machen. Das ist in Ordnung, das machen viele Fraktionen, dass sie woanders ein Gesetz abschreiben und als Gesetzentwurf hier einbringen. Es gibt ja auch in anderen Bundesländern gute Ideen. Aber wenn ich mir die Bundesländer anschaue, bei denen Sie abgeschrieben haben, (Zuruf Kathrin Anders (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) dann kann ich feststellen: In all diesen Ländern gibt es einen massiven Fachkräftemangel. All diese Maßnahmen haben nicht dazu beigetragen, den Fachkräftemangel in irgendeiner Weise zu bekämpfen. In Bayern ist es besonders schlimm, weil man in Bayern einfach gesagt hat: Wir brauchen in den Kitas nur 50 % Fachkräfte. So kann ich das Problem am leichtesten lösen. – Für Hessen hoffe ich, dass wir diesen Weg nicht gehen. (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Haben wir überhaupt nicht vorgeschlagen! Worüber reden Sie?) – Sie haben doch verschiedene Maßnahmen aus Bayern vorgeschlagen. (Zuruf Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)) – Ich sage Ihnen, dass die Maßnahmen in den beiden Bundesländern, bei denen Sie abgeschaut haben, nicht dazu geführt haben, dass dort kein Fachkräftemangel mehr ist, sondern dass diese Maßnahmen gar nicht ausreichend waren, die Situation der Fachkräfte bzw. die Anzahl der Fachkräfte irgendwie signifikant zu verbessern. (Beifall Freie Demokraten – Zurufe BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Da Sie momentan auf dem Weg sind, sich kundig zu machen, möchte ich Ihnen zwei signifikante Hinweise und einen Ergänzungshinweis geben. Das größte Problem, das wir haben, ist – Sie haben es in Ihrer Rede kurz angeschnitten; da dachte ich, die Anhörung hat etwas gebracht –, dass 20 bis 30 % der Erzieherinnen und Erzieher, die ausgebildet sind, einen Abschluss haben, nach wenigen Jahren die Einrichtung verlassen. Das haben Sie hier selbst vorgetragen. Aber den Schluss, den Sie daraus gezogen haben – wenn ich den Sozialraum ein bisschen fördere, dann bleiben alle –, den kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Die Erzieherinnen und Erzieher bleiben im Job, wenn die Gruppen kleiner werden, (Zuruf Felix Martin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) wenn die Arbeitsbedingungen besser werden, und nicht, wenn sie weniger pädagogische Kolleginnen und Kollegen haben und die Belastung weiter steigt. Da liegt der Hebel zu mehr Fachkräften, nämlich, dass die Leute überhaupt dableiben und nicht weglaufen. (Beifall Freie Demokraten) Das ist der wichtigste Punkt. Wenn die 20 % oder 30 % Fachkräfte, die wir ausgebildet haben, sagen würden: bleiben in diesem Job und arbeiten in der Kindertagesstätte weiter“, dann hätten wir das größte Problem hinsichtlich des Fachkräftemangels gelöst. Das zweite Thema hinsichtlich der Fachkräftesituation ben Sie gar nicht angesprochen. Das ist die hohe quote. Über 50 % der Erzieherinnen und Erzieher, die ausgebildet sind, arbeiten nur in Teilzeit. Da könnte überlegen, wie man sie dazu bringt, dass sie länger weniger in Teilzeit arbeiten. Dazu lese ich bei Ihnen haupt nichts. Das sind die zwei großen, entscheidenden Felder, bei dem man kurzfristig etwas machen könnte. les andere wirkt langfristig. Ich versuche noch einmal, Ihnen das zu erläutern. Job eines Erziehers oder einer Erzieherin wird wenn sie ihrer eigenen Profession nachgehen können. bedeutet: Die Gruppe darf nicht zu groß sein. Sie sen ausreichend pädagogisch ausgebildete Kolleginnen Kollegen haben, damit sie so arbeiten können, wie sich vorgenommen haben. Dann haben sie Spaß. Sie haben natürlich recht. Auch die baulichen Voraussetzungen, was den Lärm und Ähnliches angeht, sollten türlich auch hervorragend sein. Wenn Sie vor Ort mit Aktiven sprechen, dann ist das erste Thema immer die zahl der Kinder und die Belastung, die durch das entsteht. Genau da müssen Sie ansetzen. Das kostet Geld. Da muss man viel aufwenden. Es gibt eine zweite Möglichkeit. Sie haben in Ihrem setzentwurf auch etwas zum Thema Qualität geschrieben. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir durch die Absenkung der Voraussetzungen die Qualität den Einrichtungen erhöhen können. Wir müssen die richtung so attraktiv machen, dass auch Menschen, die sehr hohe Ausbildungsqualität haben, es finanziell finden, in einer Gruppe zu arbeiten. In anderen pädagogischen Bereichen tun wir das. Es gibt bei der Kinderbetreuung drei entscheidende men, mit denen man einen großen Beitrag zur der Herausforderungen leisten kann. Das ist die Bildungsgerechtigkeit. Das ist ein ganz wichtiges Thema. Wenn Sie in den Kindertagesstätten waren, wissen das: Leider nehmen die Erziehungskompetenzen in Gesellschaft ab. Vieles, was durch Erziehungskompetenzen von zu Hause mitgegeben wurde, muss jetzt in Einrichtungen gemacht werden. Hinsichtlich dieser petenzvermittlung kommt eine ganz große Aufgabe die Erzieherinnen und Erzieher zu. Die Aufgabe hatten vorher nicht so. Wenn Sie dort waren, wissen Sie, dass immer wieder eine Rolle spielt.
